Lufthansa-Pilot im Gastkommentar: „Wir sind nicht gierig“

Lufthansa-Pilot im Gastkommentar
„Wir sind nicht gierig“

Die Lufthansa streitet seit Monaten mit ihren Piloten um einen Tarifvertrag. In einem Gastkommentar antwortet Lufthansa-Pilot Tobias Hinsch den Kritikern. Ihm geht es nicht um Geld, sondern um Generationengerechtigkeit.
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FrankfurtDen Traum vom Fliegen hatte ich schon als kleiner Junge. Umso größer war die Freude, als ich die Eignungstests der Lufthansa bestand. An der Bremer Flugschule und an der Hochschule Bremen begann ich 2007 ein duales Studium, um meinen Kindheitstraum Wirklichkeit werden zu lassen. Fünf Jahre später saß ich tatsächlich im Cockpit – zunächst als Co-Pilot bei Germanwings.

Dass so ein Traum auch ganz schön teuer sein kann, wissen die wenigsten: Seit meiner Ausbildung zahle ich ein Darlehen von 41.000 Euro ab. Heute ist es noch teurer: Wer sich heute zum Piloten ausbilden lässt, muss ein Darlehen über 70.000 Euro aufnehmen.

Die öffentliche Debatte über die „gierigen Piloten“ geht aus meiner Sicht am Kern der Sache vorbei und so trifft mich das auch persönlich. Umso wichtiger ist es zu erklären, worum es im aktuellen Tarifkonflikt wirklich geht. Es geht vor allem um den Zusammenhalt in der Lufthansa und den Umgang der Fluggesellschaft mit uns als Piloten.

Wer uns bei Lufthansa kennt, der weiß, dass im gesamten Unternehmen immer ein großer Zusammenhalt herrschte. Wir waren und sind stolz, Piloten der Lufthansa zu sein. Darum habe ich einen Tarifkonflikt dieses Ausmaßes zunächst auch nicht kommen sehen.

Dass der Konflikt so eskaliert ist, daran ist die Lufthansa nicht unschuldig. Im Sommer 2013 kündigte man unsere Versorgungstarifverträge einseitig. Darüber hinaus wurde sogar die Nachwirkung der Tarifverträge ab einem Stichtag in Frage gestellt – auch für das Bestandspersonal. Das hieß, dass es ab 2014 keine gültigen Regelungen mehr zur Übergangsversorgung oder zum Thema Lizenzverlust gab. Zu Beginn des Jahres eskalierte der Konflikt. Viele meiner Kollegen fühlen sich verunsichert, weil das Management einseitig Tarifverträge aufkündigt und gültige Verträge missachtet oder anders interpretiert.

Selbst wenn die Frage der Nachwirkung gerichtlich geklärt würde, bin ich strikt gegen die geforderte Abschaffung des bisherigen Tarifvertrages für zukünftige Piloten-Generationen. Gerade weil ich meine Anfangsjahre nicht vergessen habe, weiß ich wie wichtig der Zusammenhalt von jungen und älteren Kollegen ist. Wenn es zu wirtschaftlichen Schieflagen kommt, müssen wir die Lasten gemeinsam tragen. Jüngere Piloten dürfen nicht zu schlechteren Konditionen eingestellt werden.

Leider scheint es mittlerweile so zu sein, dass man bei der Lufthansa auch bereit ist, neue Tricks anzuwenden, um die eigenen Sparpläne umzusetzen. Im Sommer 2014 wurden wir von der Lufthansa informiert, dass die Marke Germanwings im Low-Cost-Bereich durch die Marke Eurowings ersetzt werden solle. Doch für uns Piloten geht es um mehr als einen Wechsel des Namens. Konkret heißt der Wechsel von Germanwings zu Eurowings, dass diese Flugzeuge künftig nicht mehr von Lufthansa-Piloten geflogen werden.

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„Man war stolz, Lufthanseat zu sein“

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  • ...und keine Mehrwertsteuer auf nationalen Flügen. Sie sind nicht durch Lärmvorgaben oder Nachflugverboten eingeschränkt.
    Und diese Standortsvorteile soll jetzt die gesamte Belegschaft ausbügeln?
    Ein Beitrag der Politik um zukünftige Streiks im Airlinegewerbe zu unterbinden, wäre zum Beispiel die Abschaffung der Luftverkehrssteuer und nicht die Beschneidung der Arbeitnehmerrechte! Ca. 16Euro pro Kurzstreckenticket und ca. 27Euro pro Langstreckenticken. Ihnen als Gesellschafter brauch man ja jetzt sicher nicht vorrechnen wie hoch die Einsparungen bei mehr als 1500 Flügen pro Tag sind.

  • Dass Sie als Gesellschafter nach den letzten Meldungen der Geschäftsleitung nicht gerade glücklicher Gesinnung sind, kann ich mir vorstellen. Der Aktienkurs schmiert ab, die Dividende wird gestrichen und on top tritt der Vorstandsvorsitzende noch mit einem ausgeklügelten Zukunftsplan auf die Bühne der Marktwirtschaft (Ironie)... Dafür muss ein Sündenbock her! Klar, die Piloten! Oder besser gleich die ganze Belegschaft, die sich zum Beispiel gegen illegale Vertragsverstöße Seitens der Geschäftsleitung versucht zu wehren und das mit nervigen Streiks. Naja, was bleibt ihnen auch anderes übrig. Aber trotzdem...immer diese nervigen Arbeitnehmer...warum lassen die sich nicht einfach weiter auspressen wie eine Zitrone? Dass eine Marke, wie zum Beispiel die Deutsche Lufthansa, ihr Markenbranding hauptsächlich aufgrund eines jahrelang guten Produktes hat, was hauptsächlich von den Arbeitnehmern getragen wird, lassen wir jetzt mal aussen vor. Jetzt müssen Gewinne her! Und das schnell! Aber wie?
    Nun, dass an der Effizienz und der Produktivität des Unternehmens gearbeitet wird ist klar! Die Gehäter der Speerspitze des Unternehmens müssen natürlich auch jedes Jahr um mindestens10-15% steigen, egal was die Bedrohung aus den arabischen Emiraten macht und wie die Gewinne ausfallen. Also bleibt nur noch der Mitarbeiter. Die in der Luft und die am Boden bekommen jetzt einfach weniger! Wir lagern einfach alles aus, das ist günstiger! Ist es auch effizienter? Egal, auf dem Papier rechnet sich das.
    Meiner Meinung nach ist es genau das, was ein Unternehmen abstürzen lässt! Die Marke wird abgewirtschaftet! Das ist nicht nur bei Lufthansa so...
    Sie wollen Gewinne? Die wollen die Mitarbeiter bestimmt auch!
    Das Management sucht immer wieder den Vergleich mit den Airlines aus dem Golf, dabei zeigt sie auf der eigenen Internetseite auf, wie unterschiedlich die Standortsbedingungen sind. Die Carrier der Emirate zahlen keine Luftverkehrssteuer, keine Ertragssteuer, keine Einkommenssteuer...

  • Im Gegensatz zur hier vorherrschenen Meinung haben alle Piloten begriffen, dass es sehr ernstzunehmende Konkurrenz gibt und sie der Lufthansa wirtschaftlich zu schaffen macht. Auch mir macht sie Sorgen. Die meisten identifizieren sich mit der Firma, fühlen sich als "Lufthanseaten" und wollen auch als solche eines Tages in Rente gehen. Sie möchten die Firma wie einen traditionsreiches Familienunternehmen geführt sehen, wo langfristig geplant wird und der Firmenname für Qualität steht. Die Kabinenmitarbeiten möchten gern guten Service leisten, die Piloten sorgen für die sichere Flugdurchführung. Seit 1993 auf der Passage ohne Totalverlust, und das bei über 2000 Flügen pro Tag. Geschäftsleitung und Angestellte verfolgen dabei das gleiche Ziel und ziehen am gleichen Strang. In guten Zeiten partizipieren sie am Geschäftserfolg, in schlechten machen sie Zugeständnisse und bleiben dennoch dem Unternehmen treu. Zufriedene Kunden sind dabei der Lohn der Arbeit, denn zufriedene Kunden kommen wieder. So konnte man lange Zeit gut leben. Doch die LH ist heute ein Aktienunternehmen. Es verfolgt daher die gleichen Interessen wie alle anderen Aktienunternehmen: Die der Aktionäre. Also: Rendite und Dividende. Die Damit einher kam ein anderer Führungsstil, Hire and Fire, Outsourcing, Benchmarks, Sparprogramme mit Namen wie "SCORE", "JUMP" und eben auch "Germanwings" und "Eurowings". Dabei wird mit allen Mitteln gearbeitet: Die Kollegen bei Austrian und Tyrolean können ein Lied davon singen, die Kollegengruppen unterschiedlicher Konzerntöchter werden gegeneinander ausgespielt (Stichwort: Cityline) und der Verhandlungsstil mit der Vereinigung Cockpit spricht Bände. Jede Lücke in bestehenden Vereinbarungen wird gesucht und ausgenutzt, wenn es die Bilanz verbessert. Sucht man die offene Konfrontation mit der Belegschaft, dann muss man es genau so angehen wie es die Geschäftsleitung tut. Die einzige Widerstandsmöglichkeit dagegen trifft den Kunden. Das ist bekannt und eingepreist.

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