Lufthansa-Rivale Air France legt bei der EU Beschwerden gegen Staatsbeihilfen ein
Störfeuer gegen Übernahme von Austrian Airlines

Air France-KLM geht gegen die Übernahme der österreichischen Austrian Airlines (AUA) durch die Lufthansa vor. Das Unternehmen werde bei der Europäischen Kommission formell Beschwerde gegen die Beihilfen einlegen, die der österreichische Staat im Zuge der Übernahme zugesichert habe, hieß es gestern in Paris. Air France-KLM fühlt sich durch die Transaktion benachteiligt.

FRANKFURT/WIEN. Der Schritt der französischen Fluggesellschaft war erwartet worden. Finanzvorstand Philippe Calavia hatte bereits Ende November seinen Unmut über die Beihilfen geäußert. Air France-KLM stört sich daran, dass der Staat rund 500 Mio. Euro der insgesamt 904 Mio. Euro an AUA-Verbindlichkeiten übernehmen will. Diese Option sei nicht im Forderungskatalog der Ausschreibung enthalten gewesen. Air France war wegen der schwierigen finanziellen Situation vorzeitig aus dem Bietervefahren ausgestiegen.

In Österreich und am Lufthansa-Sitz Frankfurt sieht man die Beschwerde gelassen. „Wir sind der Meinung, dass alles EU-konform abgelaufen ist“, hieß es bei der österreichischen Staatsholding ÖIAG, die den Staatsanteil an der AUA in Höhe von 41,56 Prozent an die Lufthansa abgeben wird. Auch bei der AUA selbst gibt man sich entspannt. Man erwarte keine Verzögerungen beim Abschluss des Kaufs. Das Übernahmeverfahren und die EU-Prüfung würden wie erwartet einige Monate dauern. „Wir rechnen damit, dass die Transaktion im Einklang mit den gesetzlichen Vorschriften gewesen ist“, sagte ein Lufthansa-Sprecher.

Um AUA hatten sich Lufthansa, Air France-KLM und zeitweise auch die russische S7 beworben. Nachdem sich allerdings die wirtschaftliche Situation der Gesellschaft zuletzt verschlechtert hatte, waren S7 und Air France-KLM ausgestiegen. AUA erwartet für dieses Jahr einen Betriebsverlust von 475 Mio. Euro.

Als bekannt wurde, dass Lufthansa nur einen Cent je Aktie zahlen wird und noch dazu vom Staat die Übernahme von Schulden fordert, war die Empörung in Paris groß. Unter den geänderten Bedingungen habe man durchaus wieder Interesse an AUA, erklärte Air France-KLM.

Lufthansa wird für AUA je nach wirtschaftlicher Gesundung des Unternehmens bis zu 377 Mio. Euro bezahlen. In einem ersten Schritt überweist der Kranich für die Anteile der ÖIAG bescheidene 366 000 Euro. Über einen Besserungsschein können bis zu 166 Mio. Euro dazukommen. Für die Papiere des Streubesitzes werden zudem 215 Mio. Euro fällig. Im Gegenzug übernimmt das Unternehmen rund 400 Mio. Euro an Schulden und eine massiv sanierungsbedürftige Gesellschaft. jkn/zel

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