Lufthansa soll höheren Betrag für die geplante Übernahme zahlen – EU-Kommission signalisiert Zustimmung
Swiss-Aktionäre fordern mehr Geld

Nach der offiziellen Absichtserklärung der Lufthansa zur Übernahme der Schweizer Fluggesellschaft Swiss sieht sich die deutsche Seite zahlreichen Forderungen ausgesetzt. Größter Streitpunkt dabei ist offenbar der Kaufpreis. So will die Lufthansa den Großaktionären nur einen symbolischen Preis für die defizitäre Fluggesellschaft zahlen.

ZÜRICH. Der Schweizer Bund, der mit 20,4 Prozent größter Einzelaktionär ist, wird dem voraussichtlich zustimmen und froh sein, nicht noch mehr Geld in die Swiss pumpen zu müssen. Doch die anderen Großaktionäre äußerten sich bislang nicht. Sie ließen sich am Montag bis in die Abendstunden Details zum Lufthansa-Angebot erklären.

Klagen kommen bereits von den Kleinaktionären, die gemeinsam rund 14 Prozent des Aktienkapitals halten. Hans-Jacob Heitz, Präsident der Schutzvereinigung Schweizer Anleger, hält das Lufthansa-Angebot für Kleinaktionäre, dass sich am Swiss-Aktienkurs der vergangenen dreißig Tage orientieren soll, für „völlig ungenügend“. Statt der dann angepeilten neun Schweizer Franken hält Heitz den Ausgabepreis von einst für den entscheidenden Maßstab. Er lag bei mehr als 40 Franken. „Die Aktionäre haben bei zwei Kapitalschnitten viel Geld verloren und haben deswegen Anspruch auf einen höheren Preis“, begründet Heitz dem Handelsblatt seine Forderung. Ob die Lufthansa hier nachlegt, ist allerdings zweifelhaft: Die Übernahme kann auch ohne die Kleinaktionäre über die Bühne gehen.

Knifflig ist auch die Regelung der Streckenrechte. Wenn die Lufthansa die Swiss in einem Schritt übernehmen würde, verlöre die Schweizer Fluggesellschaft ihre Streckenrechte, die einen der entscheidenden Werte der Gesellschaft ausmachen. Beide Seiten arbeiten deswegen an einer Konstruktion, wie einem vereinten Unternehmen die Swiss-Rechte erhalten bleiben können. Branchenbeobachter gehen davon aus, dass die Swiss deswegen nicht nur als Marke, sondern zunächst auch als Unternehmen erhalten bleibt, das allerdings mehrheitlich einer Holding gehören wird, die dann wieder im Besitz der Lufthansa ist. Ein ähnliches Modell haben auch die Fluggesellschaften Air France und KLM für ihren Zusammenschluss gewählt. Wenn die Verkehrsrechte turnusmäßig neu verhandelt werden, könnte die Lufthansa zum Zuge kommen.

Auch die Sanierung der Swiss ist erst auf halbem Weg. Noch immer verliert sie Geld im operativen Geschäft und Konzernchef Christoph Franz plant, pro Jahr 200 Mill. Euro einzusparen. Franz steckt deswegen mitten in Verhandlungen mit verschiedenen Gewerkschaften, die die Swiss-Belegschaft vertreten. Diese Verhandlungen werden nun nicht einfacher. Christoph Frick, Präsident der Gewerkschaft Swiss Pilots, stellte gestern bereits fest: Ein Top-Produkt, wie es die Swiss im Lufthansa-Verbund werden solle, habe seinen Preis. „Das Verhalten der Gewerkschaften bleibt ein Unsicherheitsfaktor“, sagt Patrik Schwendimann, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank.

Erneut auf die Tagesordnung kommen wird auch der Streit um den Anflug auf Zürich. Ursprünglich flogen die Maschinen über deutsches Gebiet, bis sie 40 Kilometer hinter der Grenze zur Landung ansetzten. Nach zahlreichen Beschwerden lärmgeplagter Bewohner in Südbaden schränkte das Verkehrsministerium in Berlin die Anflugmöglichkeiten über Deutschland massiv ein. Seither fliegen die Maschinen über Zürichs so genannte Goldküste – einer Gegend mit einer der höchsten Millionärsdichte in Europa. Entsprechend massiv sind die Beschwerden. Die Betroffenen, die unter anderem vom Fluglärmforum Süd vertreten werden, hoffen nun, dass die Lufthansa in Berlin über soviel Einfluss verfügt, dass die ursprüngliche Regelung wieder aufgenommen werden kann. „Davon“, so hieß es gestern von dem Forum, „muss der Bundesrat seine Zustimmung zur Übernahme abhängig machen.“

Eine andere Hürde konnte die Lufthansa gestern bereits nehmen. EU-Verkehrskommissar Jacques Barrot hat grundsätzlich seine Zustimmung zur geplanten Übernahme signalisiert. Der weltweite Wettbewerb erfordere „solide und starke europäische Airlines“, sagte Barrot am Montag in Brüssel. „Einige Unternehmen brauchen die notwendige Größe, um auf dem Weltmarkt zu bestehen.“

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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