Lufthansa-Sparpakt
Fünf-Sterne-Airline braucht Fünf-Sterne-Personal

Die Lage bei der Lufthansa ist ernst, das zeigt der HGB-Verlust am Freitag. Ihren Mitarbeitern schlägt die Airline ein Zukunftsbündnis vor, sie sollen kleinere Brötchen backen. Das kann nicht gutgehen – ein Kommentar.
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Kritiker werfen Lufthansa-Chef Carsten Spohr vor, eine Vision für das Kerngeschäft der Fluggesellschaft vermissen zu lassen. Die Billigangebote werden unter der Marke Eurowings zusammengefasst und ausgeweitet. Aber sonst? Wohin steuern die Flieger der Airline, die unter der Marke „Lufthansa“ vor allem von Frankfurt und München aus unterwegs sind? Jetzt hofft die Führung des Luftfahrtriesen, eine Antwort gefunden zu haben.

Am Donnerstag bot der Chef des Passagiergeschäfts, Karl Ulrich Garnadt, den Mitarbeitern ein „Bündnis für Wachstum und Beschäftigung“ an. Der Vorschlag lässt sich kurz zusammenfassen: Wachstum, wenn die Kosten ausreichend sinken. Die Zahl der Flugzeuge an den Drehkreuzen soll bis 2020 von 313 auf 340 wachsen, 500 Piloten und 1300 Flugbegleiter könnten eingestellt werden. Auch wenn die Details erst noch mit den Arbeitnehmern ausgehandelt werden: Der Vorschlag zielt zu kurz.

Der Druck auf die Airline bleibt hoch. Am Freitag vermeldete die Airline ein Minus nach HGB. Billigflieger wie Ryanair und Golf-Airlines wie Emirates treiben dem Management Schweißperlen auf die Stirn.

Bisher hat Konzernchef Spohr nur ein neues strategisches Ziel ausgegeben: Die Lufthansa will den fünften Stern nach dem Skytrax-Ranking erreichen. Doch einen Fünf-Sterne-Service gibt es nur mit einem Fünf-Sterne-Personal.

Das grundlegende strategische Problem bliebe auch mit einem Zukunftsbündnis ungelöst: Wie will die Lufthansa den Spagat zwischen Billigmarke (Eurowings) und Premium (Lufthansa) schaffen – und wieder stärker wachsen als Ryanair, Emirates und Co.?

Die Piloten wagen den Aufstand gegen das Eurowings-Konzept. In den vergangenen Monaten haben sie oft tagelang gestreikt, der Tarifkonflikt schwelt weiter. Um diesen Knoten zu zerschlagen, muss sicher ein groß angelegtes Bündnis mit den Beschäftigten her, denn hinter dem Streit mit den Piloten steckt auch ein grundsätzliches Unbehagen über die Billigstrategie. Und die kann nur aufgehen, wenn die Kosten niedrig sind, sprich Piloten und Bordcrew für weniger Geld fliegen.

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Schlüssiges Gesamtkonzept fehlt

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  • Das wird sehr schwer, wenn die Konkurrenz bessere Leistung für den Kunden bietet aber die Gehälter deren Mitarbeiter trotzdem unter denen der Lufthansa liegen (die Lufthansa-Piloten sind dabei ein extremes Beispiel).
    Neben der Qualität der Mitarbeiter muss man in den letzten Jahren als Lufthansa-Kunde leider bemerken, dass an ganz anderer Stelle mit erheblicher Auswirkung bereits für den Kunden gespart wurde. In einem neuen A380 ist eine alte Business-Class Bestuhlung eingebaut oder Flüge der Lufthansa werden an Billig-Töchter ausgelagert und es wird bei einem Ausfall eines Fliegers plötzlich nach dem Niveau von Ryanair die Bereitstellung eines Hotelzimmers für die notwendige Übernachtung verweigert. Statuskunden-Regelungen wurden auch einseitig erheblich beschnitten.
    Dies im Fokus wäre schlechteres Personal zwar auch unangenehm, der Schuh drückt für die Kunden der Lufthansa aber bereits an ganz anderer Stelle.

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