Lufthansa
Sparprogramm mit Haifischflosse

Die Lufthansa vertröstet die Aktionäre. Zwar läuft das größte Sparprogramm seit Jahrzehnten, doch im Flugverkehr sei erst nach 2014 mit einem deutlichen Gewinnanstieg zu rechnen. Selbst das Schrumpfen der Flotte kostet.
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FrankfurtLufthansa-Chef Christoph Franz schwört die Belegschaft auf harte Jahre ein. Das größte Sparprogramm seit Jahrzehnten („Score“) soll bis 2015 jährliche Einsparungen von 1,5 Milliarden Euro einbringen. „Score macht uns stark für die Zukunft“, sagte Franz am Donnerstag auf der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt. Er appellierte an die Mitarbeiter und Führungskräfte, lebenslang zu Veränderungen bereit zu sein.

Für den Abbau von mehr als 2.000 Arbeitsplätzen hat die Lufthansa bereits Rückstellungen für Abfindungen gebildet, insgesamt sollen 3500 Verwaltungsstellen gestrichen werden. Bislang hätten 400 Beschäftigte die Abfindungsangebote angenommen. Der Konzern wird unter anderem Standorte in Norderstedt bei Hamburg und in Köln schließen und führt den Direktverkehr jenseits der Drehkreuze mit 90 Flugzeugen unter dem Dach von Germanwings zusammen. „Für uns ist das schmerzlich und auch wenig tröstlich, dass wir mit solchen Veränderungen nicht alleine dastehen“, so Franz.

Grund für den Spareifer ist das relativ schwache operative Ergebnis im vergangenen Jahr. Der Umsatz stieg zwar um knapp fünf Prozent auf 30,1 Milliarden Euro, doch der Gewinn war 2012 auf 524 Millionen Euro abgesackt (2011: 820 Millionen Euro). Zwar stehe die Konkurrenz der großen traditionellen Fluggesellschaften schlechter dar, wie Franz betonte. Dennoch müsse die Zukunft der Lufthansa gesichert werden. Bereits im vergangenen Jahr habe das Sparprogramm es geschafft, einen Absturz in die Verlustzone zu verhindern, sagte Finanzchefin Simone Menne. Vor allem ein drastischer Anstieg der Treibstoffkosten hatte am Ergebnis gerüttelt.

Allerdings warnte Franz vor zu großen Erwartungen an die Jahre 2013 und 2014, auch wenn der Gewinn in den laufenden zwölf Monaten steigen solle. Ein großer Teil der Sparerfolge werde erst 2015 sichtbar, da zunächst Restrukturierungskosten und Investitionen in neue Produkte anfielen. So baut die Lufthansa bis 2015 neue Business-Class-Sitze in alle Langstreckenflugzeuge aus, bislang sind ein Viertel der Plätze umgerüstet. Außerdem werden weitere Flugzeuge mit so genannten Sharklets („Haifischflossen“) an den Flügelspitzen ausgestattet, um Treibstoffkosten zu senken.

Beim Vielflieger-Programm „Miles & More“ stehen laut Franz keine „dramatischen Änderungen“ an und wenn es welche gäbe, würden diese früher als in der Vergangenheit angekündigt. Unter anderem hatte die Lufthansa einen Rechtsstreit mit einem Kunden ausgefochten, der eine für ihn und andere Passagiere negative Änderung am Treueprogramm kritisiert hatte.

Die Kapazität gerechnet in angebotenen Sitzplatzkilometern wird die Lufthansa im laufenden Jahr leicht um ein Prozent erhöhen. Vor allem bei Germanwings wird die Kapazität geschrumpft, auf der Langstrecke aber ausgebaut. Im Jahr nimmt die Airline 24 neue Flugzeuge in Betrieb und setzt 32 ältere Maschinen außer Dienst. Der Verkauf von zwei Airbus A340-300 und acht Boeing 737-500 wird allerdings in diesem Jahr einen Verlust von 40 Millionen Euro mit sich bringen, schätzt die Fluggesellschaft im Geschäftsbericht.

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