Lufthansa: Spohr erwartet bei Kauf von Air Berlin Probleme

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Spohr fürchtet Schuldenberg von Air Berlin

Die Lufthansa sieht eine mögliche Übernahme der kriselnden Fluggesellschaft Air Berlin skeptisch. Lufthansa-Chef Carsten Spohr verweist vor allem auf den Schuldenberg und die hohen Kosten des Konkurrenten.
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FrankfurtLufthansa-Konzernchef Carsten Spohr gibt einem Kauf der restlichen Air Berlin derzeit nur geringe Chancen. Die größten Hürden seien der Schuldenberg der Airline von einer Milliarde Euro, die hohen Betriebskosten und die wahrscheinlichen Einwände der Kartellbehörden, sagte Spohr am Dienstag am Rande einer Lufthansa-Veranstaltung. Es sei zu erwarten, dass insbesondere die EU-Wettbewerbshüter den Fall skeptisch sehen würden.

Die Lufthansa hatte Ende des Jahres 38 Jets samt Crews von der kriselnden Air Berlin gemietet. Nach früheren Aussagen eines Konzerninsiders hat Deutschlands größte Airline auch Interesse an der Übernahme der verbleibenden gut 70 Flugzeuge, darunter auch Langstrecken-Jets. Jedoch ist dieses Geschäft kaum konkurrenzfähig, da hier noch hochdotierte Tarifverträge der Fluglinie LTU gelten.

Air Berlin hatte die Ferienfluglinie vor Jahren übernommen, aber kaum integriert. Die zweitgrößte deutsche Fluglinie schreibt seit Jahren Verluste trotz der großzügigen Unterstützung durch ihren Großaktionär Etihad. Die arabische Airline spielt nach früheren Aussagen von mit der Sache vertrauten Personen wegen der anhaltenden Verluste den Rückzug aus Europa durch. An Air Berlin halten die Araber knapp 30 Prozent der Aktien.

Gleichzeitig verliert die Lufthansa ihre Vormachtstellung am europäischen Himmel an Ryanair. 2016 beförderte die Lufthansa zusammen mit den Töchtern Eurowings, Swiss und Austrian 109,7 Millionen Passagiere, ein Plus von 1,8 Prozent.

Mit der irischen Billiggesellschaft flogen im gleichen Zeitraum 117 Millionen Passagiere – 15 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Das Wachstumstempo ist also deutlich schneller als bei der Lufthansa. Möglich machen das niedrige Kosten, eine einheitlich Boeing-Flotte und die neue Strategie, vermehrt auch große Flughäfen anzufliegen. Die Deutschen könnten allerdings dieses Jahr wieder aufholen, da sie aus eigener Kraft sowie durch die Vollübernahme von Brussels Airlines deutlich wachsen wollen.

Lufthansa sieht auch die Digitalisierung als weiteren Schub für neue Geschäftsmodelle. Man wolle sich nicht wie die Hotel- oder Taxibranche beim Zugang zum eigenen Produkt überholen lassen, sagte Spohr auf dem „Digital Aviation Forum“ des Unternehmens. Die Vermarktung der Flüge habe sich bereits stark verändert und Lufthansa habe in ihren digitalen Services ihre Innovationskraft bewiesen.

Zusätzliche Profite erwartet der Dax-Konzern aus der Nutzung der Kundendaten. „Die Menschen vertrauen uns ihr Leben an. Wir werden auch mit ihren Daten vertrauensvoll umgehen“, sagte Spohr. Lufthansas „Miles & More“ sei das erfolgreichste und größte Treueprogramm in Europa. Es komme darauf an, den Kunden die bestmögliche persönliche Erfahrung bei Lufthansa zu bieten.

2016 hat Lufthansa voraussichtlich einen bereinigten operativen Gewinn von 1,8 Milliarden Euro erzielt. Der Vorstand bekräftigte jüngst die Prognose – die Belastung des Pilotenstreiks herausgerechnet. Eine Gewinnprognose für 2017 wagte das Management nicht. Indes rechnet es mit weiter sinkenden Ticketpreisen und 400 Millionen Euro mehr Treibstoffkosten.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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