Lufthansa steht vor einer Einigung mit den Schweizer Aktionären
Widerstände gegen Swiss-Übernahme schwinden

Die Deutsche Lufthansa kommt mit der Übernahme der Schweizer Fluggesellschaft Swiss voran: Die wichtigsten Aktionäre der Swiss wollen dem Plan der Deutschen wohl zustimmen, wonach sie bei einer Übernahme nur mit einem symbolischen Betrag abgefunden werden. Die Lufthansa sprach von „konstruktiven Gesprächen“.

ZÜRICH. Ein Sprecher des Finanzministeriums in Bern verwies auf die Absicht der Schweizer Bundesregierung, sich aus dem Engagement bei der Swiss zurückzuziehen. Ein Beschluss des Bundesrates steht zwar noch aus, dürfte aber eher eine Formalie sein. Spekulationen, wonach bei den Großbanken und Swiss-Aktionären UBS und Credit Suisse bereits Entscheidungen zur Gunsten der Lufthansa gefallen sind, wollten die Kreditinstitute gestern nicht kommentieren. Die Lufthansa will nach Möglichkeit bis zu einer Aufsichtsratssitzung am 22. März ein Ergebnis der Verhandlungen. Anschließend beschäftigt sich der Swiss-Verwaltungsrat mit dem Thema. Seine Zustimmung gilt nach den intensiven Verhandlungen der beiden Airlines in den vergangenen Wochen als sicher.

Bund und Großbanken in der Schweiz halten rund 41 Prozent der Swiss-Aktien. Weitere 45 Prozent sind in den Händen der Kantone und von einigen großen Schweizer Unternehmen, deren Zustimmung auch erwartet wird. Das Parlament im Kanton Zürich, der unter den Kantonen der größte Swiss-Anteilseigner ist, debattiert in der nächsten Woche über die Übernahme. Auch hier neigt eine Mehrheit der Abgeordneten dazu, die Übernahme gutzuheißen. Voraussetzung ist allerdings, dass die Lufthansa klar einräumt, den Flughafen Zürich als Drehscheibe zu erhalten.

Die Großaktionäre haben bei der Gründung der Swiss im Jahr 2001 zusammen rund 1,3 Mrd. Euro in die Fluggesellschaft gesteckt. Das Geld haben sie allerdings in den vergangenen drei Jahren, als die Swiss einen Verlust nach dem anderen präsentierte, abgeschrieben. Aus ihrer Sicht besteht der Vorteil des Lufthansa-Angebots darin, dass sie nun nicht noch weiteres Kapital für das Überleben der Swiss bereitstellen müssen.

Wenn die Verhandlungen mit den Großaktionären erfolgreich abgeschlossen sind, will die Lufthansa den Kleinaktionären ein Angebot vorlegen. Sie halten 14 Prozent der Anteile und sollen ihre Aktien zu einem Preis verkaufen, der sich am Durchschnittskurs der letzten 30 Tage vor Bekanntwerden der Übernahmeverhandlungen orientiert. Die Lufthansa würde rund 65 Mill. Euro ausgeben müssen, um dieses Aktienpaket zu kaufen. Ein Sprecher der Kleinaktionäre hatte bereits angekündigt, dass diese das Angebot nicht annehmen wollen. Die Aktionäre hätten zu viel Geld verloren, als dass sie sich mit dem gebotenen Preis zufrieden geben könnten.

Die Lufthansa will auf diese Forderung bislang nicht eingehen. Legt sie dennoch nach, geschähe dies allenfalls, um sich die Sympathien der Schweizer nicht zu verscherzen. Für das Gelingen der Übernahme ist das Aktienpaket der Kleinaktionäre nicht von Bedeutung.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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