Lufthansa-Stewardessen
50 Jahre Mode-Geschichte über den Wolken

Der Schmuck soll dezent sein - also höchstens ein Ring pro Hand und vielleicht noch eine schmale Halskette. Langes Haar muss zum Zopf gebunden werden, Mähnen in grellen Farben sind verboten. Nichts soll die elegante Erscheinung der Lufthansa- Stewardessen in ihren blau-gelben Uniformen stören. An ihren Hausfarben hält die Lufthansa auch 50 Jahre nach der Wiederaufnahme des Linienverkehrs nach dem Zweiten Weltkrieg fest.

dpa BERLIN. Vom Mini über Glockenröcke und Empire-Kleider bis zu den erst Ende der 70er Jahre eingeführten Hosenanzügen - an der Kleidung der Flugbegleiterinnen lässt sich auch ein halbes Jahrhundert Mode- Geschichte mitverfolgen. Schon immer sollte die Bekleidung des Bord- Personals nicht nur zweckmäßig sein. Seriös und vertrauenserweckend sollen die Stewardessen und Stewards wirken, aber auch charmant. Dafür steht die Kombination aus klassischem dunkelblau und frischem, frechen Gelb.

„Unsere Stilrichtung ist die klassische Eleganz“, sagt Lufthansa- Flugbegleiterin Ute Brugger. Die 46-Jährige hat ihren Arbeitsplatz seit 1978 über den Wolken. Kurze Zeit habe sie auch noch die Mini- Mode mitgemacht. Die sei mitunter allerdings ziemlich unpraktisch gewesen, meint Brugger. Heute wählt sie aus ihrer insgesamt 33 Teile umfassenden Grundausstattung am liebsten das durchgeknöpfte Kleid und als Hut die Pillbox. „Aber es gibt auch Damen, die sich im Hosenanzug am wohlsten fühlen.“ Die Schuhe müssen selbst gekauft werden: Pumps aus dunkelblauem Glattleder ohne Verzierung.

„Die klassische Orientierung passt zum Image des Traditionsunternehmens Lufthansa“, sagt Gerd Müller-Thomkins, Geschäftsführer des Deutsche Mode-Instituts in Köln. Das klassische Styling verheiße Kontinuität und Seriosität. Ganz wichtig ist auch die Farbe der Uniform: „Blau ist eine Symbolfarbe, die beruhigend wirkt.“ Blau vermittele Verlässlichkeit und Kompetenz. Und: „Auch die Weiblichkeit soll ja nicht versteckt, sondern präsentiert werden“, sagt der Mode-Experte. „Da muss man kein Chauvinist sein, um Röcke schön zu finden.“ Immerhin sind 80 Prozent der knapp 13 000 Lufthansa-Flugbegleiter weiblich.

Servicepersonal war am Anfang männlich

Dagegen war das Servicepersonal der Anfangszeit ausschließlich männlich: Luftkellner und Kochstewards sorgten für das Wohl der Passagiere. In den Folgejahren seien vor allem Frauen aus sozialen Berufen eingestellt worden, erzählt Stewardess Brugger. Heute heißt der Chef der Kabinencrew Purser, seine weibliche Kollegin Purserette - eine allerdings selten benutzte Bezeichnung. Von 18 Jahren an können sie sich um den Job als Flugbegleiter bewerben, mit 55 ist dann Schluss.

Zurzeit liege die Rocklänge dem aktuellen Modetrend angepasst in Kniehöhe, beziehungsweise zwei Zentimeter darüber oder darunter, sagt Brugger. Sie gehörte zu den 200 Mitarbeitern, die die neueste Lufthansa-Kollektion ein halbes Jahr lang Probe trugen, bevor sie „auf Linie“ ging.

Nach dem Praxis-Test besserten die Designer in punkto „Tragekomfort“ noch einmal nach, und die Handtasche der Stewardessen bekam einen standfesteren Boden. Dann wurden für die insgesamt rund 25 000 Beschäftigten in der Luft und am Boden mehr als 600 000 Meter des speziell für die Lufthansa entwickelten blauen Stoffs zu insgesamt 490 000 Uniformteilen verarbeitet. Ein hoher Elastan- Anteil schafft Bewegungsfreiheit, die Microfaser kann im Hotel leicht ausgewaschen werden. Etwa alle zehn Jahre gibt es laut Brugger einen Relaunch der Uniformen.

Erst seit 1979 dürfen die Frauen übrigens zwischen Rock und Hose wählen - seitdem gehört ein sportlich-eleganter Hosenanzug ebenso zur Ausstattung wie Blusen, Wickelröcke und ein Trenchcoat mit herausnehmbarem Futter. Die Damen im Cockpit waren modisch lange nicht auf der Höhe der Zeit. Die ersten Pilotinnen mussten sich mit umgeschneiderten Herren-Uniformen begnügen. Erst seit 1991 fliegen sie die Maschinen in eigens für sie entworfene Arbeitskleidung.

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