Lufthansa-Streik gestoppt
Piloten müssen sofort zur Arbeit

Das Hessische Landesarbeitsgericht überrascht die Vereinigung Cockpit: Der Pilotenstreik bei der Lufthansa wird vorerst gestoppt. Die Begründung bricht mit der bisherigen Rechtsprechung.
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Frankfurt/Main/BerlinDie Piloten der Lufthansa bestreiken seit Mitternacht Flüge auf den Kurz- und Mittelstrecken. Am Dienstag hatten sie ihre Arbeitsniederlegung noch auf Fernflüge beschränkt. Auf den nun bis Mittwoch 24.00 Uhr betroffenen Kurz- und Mittelstrecken verkehren sehr viel mehr Flugzeuge als auf den Langstrecken. Von den insgesamt 1520 Flügen fallen nach Angaben des Unternehmens rund 1000 aus. Betroffen seien etwa 140.000 Passagiere.

Nun hat das Hessische Landesarbeitsgericht den Pilotenstreik vorerst gestoppt. Die Lufthansa hatte den Antrag eingereicht, nachdem die Gewerkschaft die bereits 13. Streikrunde in dem seit langem schwelenden Tarifkonflikt eingeläutet hatte. Das Landesarbeitsgericht entschied damit am Mittwoch anders als das Arbeitsgericht Frankfurt am Dienstag.

Die Lufthansa wirft der VC vor, einen „Mogel-Streik“ zu führen. Tatsächlich gehe es ihr gar nicht vorrangig um die Übergangsversorgung der Piloten, sondern um das Lufthansa-Billigkonzept „Wings“. Scheinbar ist die Fluggesellschaft damit bei Gericht durchgedrungen. In der Begründung verweist das Landesarbeitsgericht darauf, dass sich der Streik auch gegen das „Wings“-Konzept – also den Aufbau der Billig-Plattform Eurowings – richtet und damit ein tariflich nicht regelbares Ziel verfolgt.

Zwar macht die Pilotengewerkschaft seit einigen Tagen auch offiziell keinen Hehl mehr daraus, dass es ihr im Kern um das Thema Eurowings geht. So begründete sie den jüngsten Abbruch der Verhandlungen mit dem Management damit, dass dieses sich weigert, den Aufbau von Eurowings vorerst auszusetzen.

Doch in der bisherigen Rechtsprechung der Arbeitsgerichte war für ein Streikverbot ausschließlich der Streikaufruf und dessen Inhalt maßgeblich. Nun wurden offensichtlich erstmals auch andere offizielle Verlautbarungen der Gewerkschaft, etwa Pressemitteilungen herangezogen, um die Rechtmäßigkeit eines Streiks zu beurteilen.

Die Piloten müssten wieder zur Arbeit zurückkehren, sagte Cockpit-Vorstand Markus Wahl. Wann der Flugbetrieb wieder normal laufe, sei noch unklar. „Es wird eine Zeit dauern, bis die Lufthansa ihre Maschinerie wieder hochfahren kann“, sagte Wahl.

„Das Gericht hat bemängelt, dass unser Streikziel - nämlich das Thema Übergangsversorgung - angeblich vorgeschoben wäre und wir in Wahrheit für ein anderes Ziel streiken“, erläuterte Wahl. Man sei vollkommen überrascht. „Wir werden das Urteil analysieren und dann sehen, welche Konsequenzen wir daraus für den Fortgang des Arbeitskampfs ziehen.“

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  • Endlich....Lufthansa Kunden und Aktionäre nehmen die einstweilige Verfügung dankbar zur Kenntnis. Es gibt doch eine moderne Rechtsprechung in Deutschland. Allerdings kommt das Signal für die Marke Lufthansa wahrscheinlich zu spät.

    Für jeden Unternehmer ist klar, dass Angestellte sich durchaus für ihre eigenen Rechte einsetzen dürfen. Aber nicht gegen unternehmerische Ziele und Strategie der Eigentümer. Erkenntnis bei den LH Mitarbeitern ist aber nicht zu finden. Streiken von Urlaub zu Urlaub bis zur Insolvenz. Chapeau!

  • es wird wohl Ihr Geheimnis bleiben warum Sie hier völlig zusammenhanglos und selten dümmlich das GW-Unglück ins Spiel bringen müssen. Zumindest lassen Sie die Leser an Ihren sehr simplen Gedankengängen teilhaben. Gut zu wissen dass man Menschen mit derartig einfacher Struktur zukünftig nicht mehr im LH-Flieger neben sich sitzen hat.

  • na fein, da gibt es offensichtlich noch Richter mit Verstand. Die VC und die beteiligten LH-Piloten sind auf dem besten Weg das Unternehmen zu ruinieren und sich damit selbst überflüssig zu machen. Sie sägen buchstäblich an dem Ast auf dem sie selbst sitzen. Selbst Liesschen Müller weiss inzwischen dass die LH wegen der Billig- und Golfkonkurrenz tatsächlich in ernsthaften Schwierigkeiten ist. Die VC und ihre Mitglieder scheinen dies immer noch nicht kapiert zu haben und wollen der LH durch ihr idiotisches Verhalten offensichtlich unbedingt den Todesstoss verpassen. Immer mehr Kunden buchen lieber woanders weil man mit LH inzwischen nur noch Streiks assoziiert. Man darf auf die saublöden Gesichter der Piloten gespannt sein wenn LH irgendwann pleite geht. Bleibt zu hoffen das das Streikrecht entschieden reformiert wird und LH die nötigen Einschnitte für ihr Überleben durchsetzen kann...

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