Lufthansa-Tarifkonflikt
425.000 Geiseln

Die Fronten im Streit zwischen Piloten und Lufthansa sind verhärtet. Der Drei-Tages Streik wird einer der größten in der Firmengeschichte, 3.800 Flüge fallen aus. Die Parteien schieben sich gegenseitig die Schuld zu.
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DüsseldorfEs sind dramatische Worte, die die Lufthansa gewählt hat: Der Streik der Piloten sei „einer der größten Ausstände in der Geschichte“ des Unternehmens. Es gebe „massive Flugausfälle“, mehr als 425.000 Fluggäste seien betroffen, heißt es in der Mitteilung des Konzerns.

Die vielen Superlative zeigen es: Die Fronten zwischen der Fluggesellschaft und der Pilotenvereinigung Cockpit sind verhärtet. Von Mittwoch bis Freitag wollen die Piloten ihre Arbeit niederlegen. Leidtragende bei dem Machtkampf sind vor allem die Kunden, die nicht transportiert werden.

Der Konflikt schwelt bereits seit zwei Jahren. Solange hat sich die Lufthansa mit ihren Piloten nicht auf einen neuen Gehaltstarif geeinigt. Die Kündigung der betrieblichen Altersversorgung und der sogenannten Übergangsversorgung zu Ende 2013 brachten das Fass für die Piloten zum Überlaufen. In einer Urabstimmung hatten sie zu 99,1 Prozent für einen Arbeitskampf zu diesem Thema gestimmt.

Bislang wurden die Piloten spätestens mit 60 Jahren in Rente geschickt. Doch der Europäische Gerichtshof (EuGH) erklärte die entsprechende Regelung 2011 für unzulässig. Da sie jetzt bis 65 arbeiten könnten, entfalle auch die Notwendigkeit einer Übergangsversorgung, argumentierte kurzerhand die Lufthansa. Der Vertrag sei deshalb zum 31. Dezember 2013 gekündigt worden.

Die Piloten sind außer sich und greifen zu harten Maßnahmen. Dabei hat die Vereinigung Cockpit (VC) bislang eher selten gestreikt. Den letzten mehrtägigen Arbeitskampf bestritten die Piloten im Mai 2001. Der im Februar 2010 auf zunächst vier Tage angesetzte Streik wurde bereits nach einem Tag abgebrochen, da sich beide Seiten vor dem Arbeitsgericht Frankfurt auf neue Verhandlungen einigten. Damals waren an einem Streiktag rund 1000 Flüge ausgefallen.

Die Parteien schieben sich nun gegenseitig die Schuld zu. „Ich bedaure zutiefst, dass die Vereinigung Cockpit nicht bereit ist, ohne Arbeitskampf und auf dem Verhandlungswege mit uns zu einer Lösung zu kommen“, sagte Lufthansa-Personalvorstand Bettina Volkens. „Wir haben sowohl für eine verbesserte Vergütung als auch für eine künftige Regelung zum vorzeitigen Ausscheiden aus dem Flugdienst gute Angebote gemacht.“ Dass die Gewerkschaft VC auf dieser Basis gleich zu einem dreitägigen Streik aufruft, sei schwer nachvollziehbar.

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  • Arbeitszeiten von ca 16 + mehr Stunden für Piloten? Was ist mit den Ärzten, die auch so lange operieren? Erhalten Sie auch die Pilotenvergütungen? Warum dürfen Fernfahrer nur ca. Stunden fahren?? Bringt ein Fernfahrer Menschen nicht in Lebensgefahr?

  • Es kann und darf nicht sein, dass so viele Menschen leiden müssen, weil ein Haufe überbezahlter Piloten noch mehr Geld haben will. Man sollte die Verhältnismäßigkeit in des Streikgesetz schreiben und die Gewerkschaft sollten in Regress genommen werden.

    Ich hoffe die LH macht es weie Willie Walsh bei der BA und sitzt es aus und lässt sich nicht erpressen.

  • Bin gespannt wie lange es noch die Lufthansa in der jetzigen Form noch gibt, Standort Deutschland ade.
    Den Piloten kann’s egal sein, die Golfstaaten suchen händeringend nach Piloten für ihre expandierenden Flotten, die nächsten 20 Jahre wird ein Bedarf von 40.000 Piloten und über 50.000 Technikern prognostiziert.
    Piloten erhalten bei Emirates ein steuerfreies Jahresgehalt von 132.000 US$, obendrauf eine
    Dienstvilla mit Chauffeur-Service.
    Der Notstand an fehlenden Piloten ist in China noch um einiges größer, die locken gar mit Gehältern von bis zu 270.000 US$.
    Stelle mir das Leben in dem Emirat nach dem Gesetz der Scharia vielfältig und aufregend vor, bringt sicherlich eine Fülle an neuen Lebenserfahrungen, muss man halt nur mögen.

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