Lufthansa-Tarifkonflikt
Fünf Tage für den letzten Versuch

Die Gewerkschaft Ufo und die Lufthansa wollen es noch einmal versuchen. Bis Montag suchen die Verhandlungspartner nach einer Lösung im Tarifkonflikt. Ohne Einigung wollen die Flugbegleiter streiken.
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Frankfurt Die Flugbegleiter der Lufthansa drohen der Airline ab Dienstag mit Streik. Falls in dem Tarifkonflikt in den nächsten fünf Tagen keine Einigung erzielt werde, „werden wir ab Dienstag nächster Woche zu konkreten Arbeitskampfmaßnahmen aufrufen“, teilte die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo am Donnerstag mit. Die neue Verhandlungsrunde mit der Lufthansa sei „ein klar terminierter, letzter Versuch“.

Die Fronten in dem seit gut einem Jahr dauernden Tarifstreit sind verhärtet. Die Lufthansa hatte am Vortag noch ein verbessertes Gehaltsangebot für die 18.000 Flugbegleiter vorgelegt. Großen Anklang fand der Vorschlag nicht: Die Offerte sei nicht verhandelbar, da es sich „erwartungsgemäß um ein reines Spar- und Forderungspaket“ handle, erklärte die Gewerkschaft. Frischen Wind in die Sache brachte nun, dass Lufthansa-Passagiervorstand Peter Gerber die Gespräche zur Chefsache erklärte - ein aus Ufo-Sicht längst überfälliger Schritt.

Ufo verlangt nach mehreren Nullrunden fünf Prozent höhere Entgelte. Laut der Lufthansa verdient ein Flugbegleiter in der letzten Tarifstufe mehr als 4000 Euro brutto im Monat. Das Einstiegsgehalt beträgt 1780 Euro inklusive Zulagen. Alle zwei Jahre erfolgt die Einstufung in die nächsthöhere Tarifstufe, von denen es derzeit 17 gibt. Der Servicechef an Bord kann nach Lufthansa-Angaben auf 7000 Euro Bruttoverdienst im Monat und mehr kommen.

Ufo fordert nicht nur höhere Gehälter, sondern stemmt sich auch gegen den Sparkurs des Dax-Konzerns. Unternehmensweit will die Lufthansa den operativen Gewinn bis 2014 um mindestens 1,5 Milliarden Euro steigern.

Streiks sind in der Luftfahrtbranche keine Seltenheit. Kleine Gewerkschaften wie Ufo, die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit und die Fluglotsen-Organisation GdF sind straff organisiert und schlagkräftig. Mitarbeiter an wichtigen Schaltstellen können mit einem Ausstand eine ganze Fluggesellschaft oder einen Airport weitgehend lahmlegen.

Zuletzt hatte sich das bei der GdF gezeigt. Im Februar legten 200 Flugzeugeinweiser am Frankfurter Flughafen ihre Arbeit wiederholt nieder - rund 1800 Flüge fielen aus. Ufo wollte die Lufthansa zuletzt im Januar 2009 bestreiken - der Konflikt konnte aber in letzter Minute durch eine Tarifeinigung beigelegt werden.

Am Dienstag hatte der Aufsichtsrat-Chef und ehemalige Vorstandsvorsitzende der Lufthansa, Jürgen Weber, dem Konzernmanagement im Tarifstreit zu einer harten Linie gegenüber den Arbeitnehmern geraten. „Besser man lässt es zum großen Knall kommen, bevor sich das Unternehmen aus dem Wettbewerb katapultiert“, sagte Weber der Wochenzeitung „Die Zeit“. Im harten Konkurrenzkampf der Branche hätten es die Gewerkschaften vor Jahren verhindert, einen echten Billigflieger unter dem Konzerndach der Lufthansa zu etablieren. Darunter leide der Konzern heute.

Agentur
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  • Der Konzern leidet nicht unter der Nichteinführung einer Billigmarke sondern einem aufgeblähten Verwaltungsapparat, der nur damit beschäftigt ist sich zu Controllen. LH ist ein Controlling Betrieb mit angeschlossenem Flugebtrieb. Hätte sich das Management die letzten Jahre nicht nur damit beschäftigt wie man Tarifvertäge durch Auslagerungen umgehen könnte, sondern sich auf das Produkt und neue Absatzmärkte konzentriert, wäre man jetzt die wirklich Nummer eins. Aber die Herren Manager wissen ja alles so viel besser und wenn's dann mal wieder nicht klappt kann man es sich ja beim Personal wieder hohlen.

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