Lufthansa-Tarifkonflikt Streikpause ja, Einigung nein

Die Vorwürfe ebben nicht ab, doch eine Lösung hat niemand so recht parat. Der Tarifkonflikt zwischen der Lufthansa und ihren Piloten spitzt sich immer weiter zu – auf Kosten der Fluggäste.
Update: 26.11.2016 - 15:48 Uhr 13 Kommentare

„Keine Aussicht auf Einigungen“

Frankfurt/BerlinLufthansa-Passagiere können nach vier Tagen Pilotenstreik am Sonntag wieder mit einem weitgehend normalen Flugbetrieb rechnen. „Es wird jedoch aufgrund der vorangegangenen Streiktage noch zu vereinzelten Flugstreichungen kommen“, teilte das Unternehmen am Samstag mit. Kunden sollten sich vorsorglich im Internet vorab über ihren Flug informieren. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hatte nach ihrer Absage an das jüngste Angebot der Lufthansa zunächst nicht zu weiteren Streiks aufgerufen.

Das geschehe aus Rücksicht auf die Kunden, sagte ein Sprecher der VC. Ob und wann die Gewerkschaft möglicherweise bereits für Montag erneut zum Streik aufruft, war am Samstagnachmittag offen. Die VC betonte, es gelte die Zusage, dass weitere Aktionen wie bisher mindestens 24 Stunden im Voraus angekündigt werden sollten. Bereits am Freitag hatte die Gewerkschaft betont, dass es kein Enddatum für den Streik gebe. Am Samstag zwang der Ausstand die Lufthansa zur Absage von 137 Flügen, darunter 88 Interkontinental-Verbindungen.

Seit Mittwoch strich die Airline insgesamt 2755 Flüge; davon betroffen waren insgesamt rund 345.000 Kunde. Gleichwohl konnte die Lufthansa-Gruppe am Samstag 2863 von 3000 geplanten Flügen anbieten. Flüge der Billigtöchter Eurowings und Germanwings sowie der Konzerngesellschaften AUA, Swiss, Brussels und Air Dolomiti wurden am Samstag erneut nicht bestreikt. Inhaltlich sind sich beide Seiten seit Streikbeginn keinen Schritt näher gekommen.

Zwar hatte die Lufthansa am Freitag ein weiteres umfassendes Angebot vorgelegt, die VC verwarf das aber als Ablenkungsmanöver. Aus Sicht der Piloten war das erneuerte Angebot der Lufthansa keine Grundlage für neue Gespräche. „Das ist alter Wein in neuen Schläuchen“, sagte ein VC-Sprecher am Freitagabend.

Die Inhalte des Angebots habe Lufthansa bereits vor zwei Monaten auf den Tisch gelegt, in Wahrheit gehe es nicht um ein neues Angebot. „Im Ergebnis heißt das „rechte Tasche-linke Tasche“ und ist kein Versuch zu Ergebnissen zu kommen, sondern ein PR-Schachzug“, sagte VC-Sprecher Jörg Handwerg.

Im Einzelnen sah das Angebot 4,4 Prozent Gehaltsteigerungen in zwei Stufen bis Mitte 2018 vor. Auch die anderen offenen Tarifthemen wie die Betriebs- und Übergangsrenten sollten in neuen Verhandlungen gelöst werden – möglicherweise mit Hilfe eines Mediators. „Da eine Schlichtung seitens der VC bedauerlicherweise bislang kategorisch ausgeschlossen wird, würde ich gerne mit der VC diese Chance ergreifen, um die bestehenden Gräben zu überwinden“, sagte Personalchefin Bettina Volkens laut einer Mitteilung.

  • dpa
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13 Kommentare zu "Lufthansa-Tarifkonflikt: Streikpause ja, Einigung nein"

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Die LH Streikorgie des letzten Jahres hat bereits dazu geführt, das wir Lufthansa nur noch in Ausnahmefällen buchen. Das gilt auch für unsere Geschäftspartner.

    Und selbst bei diesen wenigen Flügen musste man sich konstant Klagen des Personals anhören. Bei gleichbleibend schlechtem Service, wohlgemerkt.

    Jetzt haben wir auch die Karten gekündigt. Die LH Piloten stehen stellvertretend für eine Generation von Angestellten ohne Leistungsprofil. Kennen Sie auch den Lufthansa Spot zur Business Class? Leistungsversprechen ohne Umsetzung.

    Schade um die Marke und die wirklich leistungsbereiten Mitarbeiter der LH AG!

  • Langsam reicht es. Die Piloten haben sehr gute Gehälter und sonstige Vergünstigungen. Wer so verdient, wie im höheren Management, müsste eigentlich verstehen, daß die LH gar nicht anders kann. Andernfalls wird die LH nicht mehr lange als eigenständige Firma existieren. Die Konkurrenz scharrt doch schon mit den Hufen.

    Außerdem ist es unanständig in dieser Gehaltsklasse zu streiken!

  • Ich kann es nicht mehr hoeren.
    International kann die LH Gruppe eh nicht mithalten, zu schlecht ist der Service fuer Vielflieger (meilenweite Anlaeufe in London zum Gate, schlechter Service, Eurowings fast immer verspaetet wenn ich fliegen muss). Der Service im internationalen Vergleich ist bestenfalls "mittelmaessig". Und dann auch noch das ewige Gestreike. Dabei sind die Gehaelter schon im Vergleich hoch.
    Also, ich buche weiterhin schoen auslaendische Airlines, mit bedeutend besserem Service, besseren lounges, die einfach verlaesslich sind. Schade, aber die LH Gruppe ist nicht verlaesslich und einfach nicht gut genug. Gut dass die eigenen Mitarbeiter den Ruf des eigenen Unternehmens so ruinieren...

  • @ Harald Trautmann. Welcher Arbeitnehmer bekommt in Deutschland jedes Jahr eine Gehaltserhöhung von etwa 3 Prozent, nur weil er seinen Job macht und "Erfahrung sammelt". Ausser Piloten kenne ich keinen . Und dann noch 2,5 Prozent oben drauf. Das Gejammer der Piloten geht den Kunden auf den Wecker und die Lufthansa geht Pleite. Selbst Schuld, wer keine Alternative zu Lufthansa sucht. Die RyanAir und andere werden dafür sorgen, dass die heutigen Lufthansapiloten.noch kleine Brötchen backen werden.

  • @ Harald Trautmann
    Nein, ich kann meine Preise nicht einfach um 22% erhöhen. Und nein, ein Gehalt bekomme ich nicht. Im Gegenteil, der Druck auf die Margen im IT-Bereich sorgt eigentlich dafür, dass ich eher weniger verdiene. Dass man Betriebsausgaben als Betriebsausgaben in seiner Buchhaltung angibt, ist bei jedem Unternehmen so. Auch bei der LH. Das hat mit Freiberuflern überhaupt nichts zu tun. So ein Post zeigt lediglich, dass Sie von Wirtschaft, Steuern und Unternehmertum überhaupt keine Ahnung haben. Ich werde im Falle eines Streiks nächste Woche jedoch mal wieder ordentliche Einnahmeausfälle haben. Die LH Piloten solidarisieren sich auch nicht mit ihren Kunden, sondern nehmen sie in Geiselhaft. Wenn die Piloten nicht gezielt die Kunden schädigen wollten, würden sie schon heute mitteilen, ob man am Montag fliegen kann oder nicht und den Kunden nicht auch noch das Wochenende vergraulen. Der einzig gute Tipp von Ihnen betrifft Amsterdam. Dort komme ich sogar mit dem Auto hin. Wie gesagt, nach Asien nehme ich die LH schon gar nicht mehr. Ich schaue jetzt mal wie es mit Flügen in die USA von Amsterdam aus aussieht. Ansonsten wünsche ich Ihnen einen genauso beschissenen Sonntag wie ich ihn haben werde und in Zukunft viele Nächte wegen Streiks in irgendwelchen Airport-Hotels oder auf Feldbetten in Terminals.
    P. S.: Übers Auswandern denke ich bereits nach. Die meisten meiner Kollegen haben schon rüber in die Schweiz gemacht. Dann bekommt aber auch Deutschland nicht mehr meine Steuern.

  • Tja, berufsbedingt muss ich am Montag nach Chicago. Leider habe ich einen Flug mit der LH gebucht. Ein weiterer dann Mitte Dezember. Für mich als Freiberufler sind die Streiks immer mit Einnahmeausfällen verbunden. Der Staat bekommt im Gegenzug weniger Steuern. Da helfen auch die 10.000 Status-Meilen nicht, die es beim letzten LH-Desaster gab. Leider bin ich wie auch viele andere Wirtschaftenden von einem funktionierenden Luftverkehr abhängig. Und da ich nicht in der Nähe einer der beiden großen Hubs lebe, bin ich auch abhängig von Zubringerflügen aus der Provinz. Schon bei der letzten Streikwelle habe ich die Politik aufgefordert, nun endlich die protektionistische Einstellung gegenüber der ausländischen Konkurrenz fallen zu lassen. Ausländische Fluggesellschaften sollten nicht mehr bei der Vergabe der für Geschäftsreisende interessanten Slot-Zeiten benachteiligt werden. Im Gegenteil, ausländische Konkurrenten der LH sollten bevorzugt werden. So was wie die LH kann sich Deutschland einfach nicht mehr leisten. Nach Asien kann ich inzwischen schon gut auf Konkurrenten der LH ausweichen. Aber bei Flügen in die USA mangelt es immer noch an Wettbewerb zur Star Alliance. Aufgrund der katastrophalen Performance der LH, die durch die eigenen Mitarbeiter verursacht wird, muss auch die Politik dafür sorgen, dass mehr Alternativen zur Verfügung stehen. Die LH kann im Gegenzug geschrumpft werden. Die dann überflüssigen Piloten können freigestellt werden und stören dann auch nicht mehr als Kostenfaktor.

  • Mein nächster Flug geht bestimmt nicht mit der Lufthansa.

  • Man kann nur hoffen, dass die GL der LH auf diese Streiks mit Entlassungen der pfründeorientierten Streikenden reagiert und auf dem freien internationlen Markt Piloten anheuert, die etwas weniger hochnäsig arbeiten als solche die glauen, eine LH-Uniform verleihe besondere Privilegien.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette

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