Lufthansa-Tarifkonflikt
Streikpause ja, Einigung nein

Die Vorwürfe ebben nicht ab, doch eine Lösung hat niemand so recht parat. Der Tarifkonflikt zwischen der Lufthansa und ihren Piloten spitzt sich immer weiter zu – auf Kosten der Fluggäste.
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Frankfurt/BerlinLufthansa-Passagiere können nach vier Tagen Pilotenstreik am Sonntag wieder mit einem weitgehend normalen Flugbetrieb rechnen. „Es wird jedoch aufgrund der vorangegangenen Streiktage noch zu vereinzelten Flugstreichungen kommen“, teilte das Unternehmen am Samstag mit. Kunden sollten sich vorsorglich im Internet vorab über ihren Flug informieren. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hatte nach ihrer Absage an das jüngste Angebot der Lufthansa zunächst nicht zu weiteren Streiks aufgerufen.

Das geschehe aus Rücksicht auf die Kunden, sagte ein Sprecher der VC. Ob und wann die Gewerkschaft möglicherweise bereits für Montag erneut zum Streik aufruft, war am Samstagnachmittag offen. Die VC betonte, es gelte die Zusage, dass weitere Aktionen wie bisher mindestens 24 Stunden im Voraus angekündigt werden sollten. Bereits am Freitag hatte die Gewerkschaft betont, dass es kein Enddatum für den Streik gebe. Am Samstag zwang der Ausstand die Lufthansa zur Absage von 137 Flügen, darunter 88 Interkontinental-Verbindungen.

Seit Mittwoch strich die Airline insgesamt 2755 Flüge; davon betroffen waren insgesamt rund 345.000 Kunde. Gleichwohl konnte die Lufthansa-Gruppe am Samstag 2863 von 3000 geplanten Flügen anbieten. Flüge der Billigtöchter Eurowings und Germanwings sowie der Konzerngesellschaften AUA, Swiss, Brussels und Air Dolomiti wurden am Samstag erneut nicht bestreikt. Inhaltlich sind sich beide Seiten seit Streikbeginn keinen Schritt näher gekommen.

Zwar hatte die Lufthansa am Freitag ein weiteres umfassendes Angebot vorgelegt, die VC verwarf das aber als Ablenkungsmanöver. Aus Sicht der Piloten war das erneuerte Angebot der Lufthansa keine Grundlage für neue Gespräche. „Das ist alter Wein in neuen Schläuchen“, sagte ein VC-Sprecher am Freitagabend.

Die Inhalte des Angebots habe Lufthansa bereits vor zwei Monaten auf den Tisch gelegt, in Wahrheit gehe es nicht um ein neues Angebot. „Im Ergebnis heißt das „rechte Tasche-linke Tasche“ und ist kein Versuch zu Ergebnissen zu kommen, sondern ein PR-Schachzug“, sagte VC-Sprecher Jörg Handwerg.

Im Einzelnen sah das Angebot 4,4 Prozent Gehaltsteigerungen in zwei Stufen bis Mitte 2018 vor. Auch die anderen offenen Tarifthemen wie die Betriebs- und Übergangsrenten sollten in neuen Verhandlungen gelöst werden – möglicherweise mit Hilfe eines Mediators. „Da eine Schlichtung seitens der VC bedauerlicherweise bislang kategorisch ausgeschlossen wird, würde ich gerne mit der VC diese Chance ergreifen, um die bestehenden Gräben zu überwinden“, sagte Personalchefin Bettina Volkens laut einer Mitteilung.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Die LH Streikorgie des letzten Jahres hat bereits dazu geführt, das wir Lufthansa nur noch in Ausnahmefällen buchen. Das gilt auch für unsere Geschäftspartner.

    Und selbst bei diesen wenigen Flügen musste man sich konstant Klagen des Personals anhören. Bei gleichbleibend schlechtem Service, wohlgemerkt.

    Jetzt haben wir auch die Karten gekündigt. Die LH Piloten stehen stellvertretend für eine Generation von Angestellten ohne Leistungsprofil. Kennen Sie auch den Lufthansa Spot zur Business Class? Leistungsversprechen ohne Umsetzung.

    Schade um die Marke und die wirklich leistungsbereiten Mitarbeiter der LH AG!

  • Langsam reicht es. Die Piloten haben sehr gute Gehälter und sonstige Vergünstigungen. Wer so verdient, wie im höheren Management, müsste eigentlich verstehen, daß die LH gar nicht anders kann. Andernfalls wird die LH nicht mehr lange als eigenständige Firma existieren. Die Konkurrenz scharrt doch schon mit den Hufen.

    Außerdem ist es unanständig in dieser Gehaltsklasse zu streiken!

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