Lufthansa-Tochter
Austrian Airlines kann weiterfliegen

Die österreichische Fluggesellschaft hat Glück gehabt. Die große Kündigungswelle nach einem Wechsel des Haustarifvertrags ist ausgeblieben. Das dürfte auch die Fluggäste freuen, die mit AUA in den Sommerurlaub fliegen.
  • 1

WienDer befürchtete Aderlass ist ausgeblieben: Nur knapp 350 Beschäftigte des fliegenden Personals der Lufthansa-Tochter Austrian Airlines (AUA) machen von ihrem Sonderkündigungsrecht Gebrauch und verlassen das Unternehmen. Das gab Austrian am Sonntag bekannt. Damit ist der Flugbetrieb nach AUA-Angaben auch während der Spitzenzeiten im Sommer gesichert.

Gegen den Widerstand von Betriebsrat und Gewerkschaften hatte die Austrian-Führung Anfang Mai den zwangsweisen Wechsel von 2.100 Piloten und Flugbegleitern auf den günstigeren Haustarifvertrag der AUA-Regionaltocher Tyrolean beschlossen. Während sich das fliegende Personal querstellte, gab es von den 3.000 AUA-Beschäftigten am Boden grünes Licht für die Sparvorschläge des Managements.

Der Vorstand der Lufthansa-Tochter hält die Sparvorschläge für unverzichtbar. Etwa 45 Millionen Euro sollen künftig jährlich weniger für das Personal ausgegeben werden. Die Austrian-Piloten und Flugbegleiter müssen vom 1. Juli an länger arbeiten und bekommen keine automatischen Gehaltserhöhungen mehr. Außerdem gibt es Kürzungen bei den Pensions-regelungen. Anlass sind die dauerhaften Verluste der Fluggesellschaft, auch im vergangenen Jahr betrug das Minus wieder etwa 60 Millionen Euro. In den vergangen zehn Jahren hat die frühere österreichische Staatsairline, die seit 2009 zur Lufthansa gehört, etwa eine Milliarde Euro Verlust gemacht. „Die große Mehrheit der Mitarbeiter hat Ja zu Austrian gesagt, das freut mich“, meinte Vorstandschef Jaan Albrecht am Sonntag nach der Bekanntgabe des Ergebnisses.

Bei den jetzt geplanten Sparbeschlüssen orientiert sich die Lufthansa an der Sanierung der Schweizer Fluglinie Swiss, die der deutsche Konzern vor zehn Jahren übernommen hatte. Auch damals startete der Neubeginn über eine Regionalgesellschaft, die Crossair, eine Tochter der insolventen Swissair.
Da der Austrian-Vorstand den Wechsel zum Tyrolean-Haustarif einseitig beschlossen hat, stehen den ausscheidenden AUA-Mitarbeitern hohe Abfindungen zu. Bei erfahrenen Piloten können das bis zu 500.000 Euro sein. Bis gestern Abend mussten sich die Austrian-Beschäftigten entscheiden, ob sie im Unternehmen bleiben wollen. Der Betriebsrat hatte im Vorfeld damit gedroht, dass bis zu 300 Piloten gehen würden und damit der Flugbetrieb gefährdet sei. Lufthansa- und Swiss-Piloten hätten im Notfall in Wien einspringen sollen.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

Kommentare zu " Lufthansa-Tochter: Austrian Airlines kann weiterfliegen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Bei erfahrenen Piloten können das bis zu 500.000 Euro sein.
    Der Betriebsrat hatte im Vorfeld damit gedroht, dass bis zu 300 Piloten gehen würden und damit der Flugbetrieb gefährdet sei.

    Warum sind die Piloten geblieben?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%