Lufthansa-Tochter
Austrian einigt sich mit Belegschaft

Nach monatelangem Streit gibt es eine Einigung über die Pilotengehälter bei der Fluggesellschaft Austrian. Die defizitäre Lufthansa-Tochter will pro Jahr 45 Millionen Euro einsparen.
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WienÜberraschende Einigung bei der Lufthansa-Tochter Austrian Airlines (AUA): Management und Betriebsrat haben sich jetzt doch auf einen neuen Haustarifvertrag verständigt, wie ein Sprecher des Unternehmens bestätigte. Das fliegende Personal verzichtet auf Sonderregeln im Haustarifvertrag wie den jährlichen Inflationsausgleich und regelmäßige Gehaltssteigerungen. Das AUA-Management um Vorstandschef Jaan Albrecht erreicht damit die seit langem geforderte dauerhafte Senkung der Personalkosten. Vor einer Woche standen die Zeichen noch auf Konfrontation: Austrian hatte die zwangsweise Umstellung auf den Tarifvertrag der kostengünstigeren Regionaltochter Tyrolean angekündigt.

„Die Einigung mit dem Vorstand ist kein Paket der Freude“, sagte Betriebsratschef Karl Minhard nach dem Ende der Gespräche mit der AUA-Führung. Aber auch auf Arbeitnehmerseite sei der jetzt gefundene Kompromiss immer noch die beste Lösung. Der Wechsel auf die Tyrolean-Bedingungen hätte sich für das fliegende Personal der Piloten und Flugbegleiter von Austrian vergleichsweise schlecht ausgewirkt. Viele Beschäftigte hätten bei dem zwangsweisen Übergang zu Tyrolean wahrscheinlich auch geklagt, was zu jahrelangen Verfahren und großer rechtlicher Unsicherheit im Unternehmen geführt hätte.

Auch Austrian Airlines zahlt einen Preis dafür, dass die Sonderregelungen aus der Vergangenheit jetzt dauerhaft abgeschafft werden. Wie dazu aus Unternehmenskreisen verlautete, wird die AUA den 2100 Piloten und Flugbegleitern die finanziellen Sonderleistungen mit einer einmaligen Pauschalzahlung abkaufen. Die Kosten dafür sollen sich auf gut 100 Millionen Euro belaufen. Für die AUA lohnt sich das Geschäft trotzdem, weil es in den kommenden Jahren keinen jährlichen Inflationsausgleich und keine regelmäßigen, vorab vereinbarten Gehaltssteigerungen mehr geben wird. Außerdem müssen die Piloten länger arbeiten und verlieren auch Privilegien bei der Betriebsrente.

Die Einigung mit dem Betriebsrat ist ein Erfolg für Austrian-Vorstandschef Jaan Albrecht, der erst im November die Führung des Unternehmens übernommen hatte. Schon in der vergangenen Woche hatte er gesagt, „dass ein Happy-End möglich ist“. Schon in den vergangenen Jahren hatte es mehrfach Sparrunden bei der AUA gegeben, die der österreichische Staat vor drei Jahren an die Lufthansa verkauft hatte. Doch die Kostenvorteile waren durch die regelmäßigen Gehaltssteigerungen schnell wieder aufgezehrt worden. Albrecht will bei Personalausgaben jährlich etwa 45 Millionen Euro sparen, was mit dem jetzt gefunden Kompromiss erreicht sein sollte.

Austrian ist hoch defizitär, in den vergangenen zehn Jahren hat das Unternehmen mehr als eine Milliarde Euro Verlust gemacht. Auch 2011 waren es noch einmal etwa 60 Millionen Euro. AUA-Chef Albrecht sieht jetzt die Chance, dass das Unternehmen wieder die Gewinnzone erreicht.
(mit Material von Reuters)

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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