Lufthansa-Tochter
Brussels Airlines leidet unter Konkurrenz um Afrika

Brussels Airlines verspürt auf den afrikanischen Routen, auf die sie sich spezialisiert hat, Druck auf Ticketpreise und Einnahmen. Wettbewerber wie Turkish Airlines weiten ihre Kapazitäten auf dem Kontinent aus.
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FrankfurtDie Fluggesellschaft Brussels Airlines hatte für Afrika in diesem Jahr ein Umsatzwachstum von 5 Prozent prognostiziert. Nun droht stattdessen ein Rückgang. Die Renditen, gemessen an den Erlösen pro Sitzplatz im Vergleich zu den Ticketpreisen, stehen ebenfalls unter Druck, berichtete der Vorstandsvorsitzende Bernard Gustin in einem Bloomberg-Interview.

„Afrika ist immer noch sehr stark, aber nicht so stark wie wir erwartet hatten“, sagte Gustin. „Jeder spricht über die neuen Konkurrenten, insbesondere Turkish Airlines. Sie machen uns schwer zu schaffen.“ Brussels, an der die Lufthansa mit 45 Prozent beteiligt ist, fliegt 19 afrikanische Städte an, nachdem sie die Anzahl der Ziele in den zehn Jahren bis 2012 verdoppelt hat. Die Fluggesellschaft hat auch einen Ableger in der Demokratischen Republik Kongo.

Turkish Airlines gehört mit Emirates aus Dubai zu einer Reihe stark expandierender Anbieter, die ihr Netz um afrikanische Destinationen erweitern. Wie die Lufthansa nutzen auch andere große europäische Airlines ihre historischen Verbindungen, um Kunden zu gewinnen, da ein Rohstoffboom die Nachfrage in dem am wenigsten entwickelten Flugverkehrsmarkt anschiebt. Gustin rechnet jedoch nach wie vor damit, dass die Passagierzahlen auf den afrikanischen Routen in diesem Jahr die Gesamtzahl von 716.000 aus dem Jahr 2012 übertreffen werden -- was einem Anstieg von 11 Prozent entsprach - und dass Brussels seinen Marktanteil verteidigen wird, wenn auch über niedrigere durchschnittliche Ticketpreise.

„Wir halten unseren Marktanteil, also leiden auch die anderen“, erklärte der Vorstandsvorsitzende in einem Telefoninterview. Da Kunden manchmal selbst von großen Städten wie Nairobi nach Dakar via Brüssel fliegen, gebe es eine hohe aufgestaute Nachfrage, erläutert er. Das Wirtschaftswachstum sollte auch die Öffnung von Zweitrouten und Verbindungen in Bergbau- und Industrieregionen anschieben.

„In Afrika geht es um Wachstum“, sagte Gustin. „Es entsteht eine Mittelschicht und die Leute wollen reisen - müssen aus Geschäftsgründen reisen. Wenn wir nicht investieren, werden die anderen auf unsere Kosten wachsen.“ Das afrikanische Netz von Brussels Air war einer der Hauptgründe für den Einstieg der Lufthansa bei den Belgiern. Bei Lufthansa macht Afrika nur 5 Prozent der angebotenen Kapazität aus, verglichen mit 12 Prozent beim europäischen Branchenprimus Air France-KLM Group, so Goldman Sachs. Afrika hat jedoch im vergangenen Jahr kein Wachstum für die Lufthansa gebracht. Der Umsatz war bei 605 Mio. Euro 7,2 Prozent niedriger -- womit die Region die kleinste von sechs Regionen ist, für die die Gesellschaft Zahlen ausweist und die einzige mit einem Rückgang.

Seit die Lufthansa sich 2009 mit 65 Mio. Euro an Brussels beteiligte, hat die Tochtergesellschaft Betriebsverluste von insgesamt mehr als 170 Mio. Euro angesammelt. Die deutsche Airline hat eine Option zum Erwerb des restlichen Aktienanteils von 55 Prozent bisher nicht gezogen. Die belgische Tochtergesellschaft will den Umsatz in diesem Jahr um 3 Prozent steigern, womit die Wachstumsdynamik nur noch halb so hoch wie 2012 wäre, als die Verkaufserlöse um 7,4 Prozent auf 1,11 Mio. Euro kletterten. Sie rechnet für 2013 mit einem operativen Verlust von bis zu 20 Mio. Euro und für 2014 mit einem Nettogewinn. Der Lufthansa-Vorstandsvorsitzende Christoph Franz sagte am 15. März, die Fortschritte bei Brussels seien eindeutig erfreulich und die Tochtergesellschaft habe das Potenzial, zu einer neuen Perle im Konzern zu werden.

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

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