Lufthansa-Tochter im Aufwind
Swiss will wieder wachsen

Die Schweizer Lufthansa-Tochter Swiss will nach Jahren des Sparens wieder wachsen. Swiss-Chef Christoph Franz kündigte gestern in Zürich an, dass das Unternehmen innerhalb der nächsten zwei Jahre acht neue Flugzeuge in den Dienst stellen wird. Auch bei den Mitarbeitern will das Unternehmen aufstocken.

ZÜRICH. Mit Beginn des nächsten Sommerflugplans sollen 72 Maschinen unter dem Schweizer-Kreuz-Logo fliegen. Die zusätzlichen Flugzeuge sollen genutzt werden, um auf bestehenden Strecken die Flugfrequenz zu erhöhen und um neue Ziele anzufliegen. Die Zahl der Mitarbeiter, die seit der Pleite der Vorgänger-Gesellschaft Swissair auf rund 6 500 halbiert worden ist, soll um 550 Beschäftigte steigen. Die dafür erforderlichen Investitionen von mehr als 20 Mill. Euro im Jahr kann die Swiss aus ihrem inzwischen wieder positiven Ergebnis bezahlen.

Die Fluggesellschaft war 2005 nach etlichen verlustreichen Jahren von der Lufthansa übernommen worden, die den Patienten wieder auf die Beine stellen wollte, wie es damals hieß. Die Deutschen besitzen derzeit 49 Prozent der Swiss-Anteile. Sie übernehmen 100 Prozent, wenn voraussichtlich im nächsten Jahr alle Streckenrechte an die Lufthansa übergegangen sind. Der Zusammenschluss der beiden europäischen Gesellschaften war der zweite nach dem Zusammengehen von Air France und KLM. Beide Übernahmen haben sich nach Ansicht von Franz inzwischen bewährt. „Der jeweils kleinere Partner hat nicht sein Gesicht verloren“, sagte er. Vor diesem Hintergrund geht er davon aus, dass weitere Zusammenschlüsse europäischer Luftfahrtgesellschaften folgen werden, wobei die Konsolidierung der nationalen Gesellschaften langsamer vollzogen werde, als die der privaten Unternehmen. Für die Swiss ergeben sich unter dem Dach der Lufthansa zahlreiche Vorteile. „Wir präsentieren uns im erweiterten deutschen Heimatmarkt als attraktive Alternative“, meinte Franz. Passagiere aus Deutschland nutzten verstärkt die Möglichkeit, mit der Swiss über Zürich zu weiter entfernten Zielen zu fliegen.

Die Swiss setzt bei ihrem Ausbau komplett auf Airbus-Maschinen, die sie teilweise von der Lufthansa und teilweise von der österreichischen Austrian Airlines erhalten wird. Die Maschinen werden geleast, so dass sie im Fall einer Unternehmenskrise schneller wieder abgestoßen werden können. Die Swiss entwickelt sich damit exakt gegensätzlich zur Austrian Airlines, die ebenfalls Mitglied des Luftfahrtverbundes Star Alliance ist. Alfred Ötsch, Chef der Austrian Airlines, hatte in der vergangenen Woche angekündigt, von 2007 an weit entfernte Ziele, bei denen die Österreicher hohe Verluste einfliegen, aus dem Flugplan zu streichen. Ötsch hält dennoch nichts von der Swiss als Modell für seine Gesellschaft: „Wir wollen uns nicht erst halbieren müssen, um wieder profitabel zu werden“, hatte er betont.

Tatsächlich hat die Swiss ein hartes Sparprogramm hinter sich. Die Flotte wurde vereinheitlicht, die Verträge mit Dienstleistern wie den Flughäfen und den Wartungsfirmen wurden neu und zu günstigeren Konditionen ausgehandelt. Mit den unterschiedlichen Gewerkschaften schloss die Unternehmensleitung neue Gesamtarbeitsverträge, die nach Franz’ Einschätzung auch im „internationalen Vergleich wettbewerbsfähig“ sind. Einzig mit den Piloten der Regionalflotte sind die Verhandlungen ins Stocken geraten. Die Piloten wehren sich gegen Mehrarbeit und haben jüngst zum ersten Mal in der Unternehmensgeschichte gestreikt.

Die Swiss hat in den ersten neun Monaten dieses Jahres einen Nettogewinn von 174 Mill. Franken (110 Mill. Euro) eingeflogen, nach einem Verlust von 51 Mill. Franken im Jahr zuvor. Sie verdankt dieses Ergebnis allerdings auch einem im Vergleich zum Dollar schwachen Franken, was die Bilanz um etwa 90 Mill. Franken verbessert hat.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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