Lufthansa-Übernahme
AUA nimmt sich Billigflieger als Vorbild

Nach Übernahme durch Lufthansa steht Austian Airlines vor einem Strategiewechsel: Die Airline will die Kosten auf Billigflieger-Niveau senken, und damit wieder mehr auf den Massenmarkt setzen. Besonders die Belegschaft könnte der Sparkurs hart treffen.

WIEN. Die seit Ende August zum Lufthansa-Konzern gehörende Austrian Airlines (AUA) versucht einen unternehmerischen Neubeginn. Die beiden AUA-Vorstände Andreas Bierwirth und Peter Malanik kündigten gestern in Wien einen Strategiewechsel an: Austrian Airlines müsse sich in seinen Kostenstrukturen immer stärker den Billig-Airlines annähern. Die Partnerschaft zur Lufthansa und die Einbindung in die Star Alliance sollen zugleich dafür sorgen, dass bei AUA besonders für Geschäftskunden ein Rest von Exklusivität und besonderem Service erhalten bleiben.

Die AUA-Führung sieht als wesentliches Element ihrer neuen Strategie an, dass Austrian die Durchschnittskosten jedes transportierten Passagiers deutlich reduziert. In den zurückliegenden zwei Jahren hat der Wiener Konzern nur rote Zahlen produziert, die am Ende für den Verlust der unternehmerischen Eigenständigkeit gesorgt haben. Allein für die ersten sechs Monate von 2009 steht ein Verlust von knapp 170 Millionen Euro in den Büchern. Die Übernahme durch Lufthansa hat AUA wahrscheinlich in letzter Minute vor der Insolvenz bewahrt.

„Wir wollen zurück in die Volumenmärkte“, kündigte AUA-Vorstand Bierwirth auf einer Pressekonferenz auf dem Wiener Flughafen an. Austrian Airlines könne es sich nicht mehr erlauben, mit kleinen Flugzeugen mit 50 oder 70 Sitzen exotische Ziele in Osteuropa anzufliegen. Diese Strategie habe die Kosten in der Vergangenheit viel zu sehr in die Höhe getrieben.

Statt dessen will AUA künftig überwiegend größere Flugzeuge mit 150 bis 200 Sitzplätzen einsetzen. Eine engere Bestuhlung soll zugleich dafür sorgen, dass mehr Passagiere mit der früheren staatlichen Airline fliegen und so mehr Geld in die leeren Kassen kommt. Außerdem wollen die Österreicher wieder häufiger Ziele in Westeuropa (Schweiz, Deutschland, Frankreich) anfliegen. Zugleich zieht sich AUA verstärkt aus dem Charter-Geschäft zurück, das sie noch unter der Marke Lauda Air betreibt. Dadurch werden die größeren Flugzeuge frei, die das Unternehmen künftig im Liniengeschäft einsetzen will.

AUA-Vorstand Bierwirth hat eine klare Vorstellung, in welche Richtung sich die Fluggesellschaft aus Wien entwickeln soll. „Swiss ist eindeutig unser Vorbild“, sagte der Unternehmensvorstand. Die Schweizer Tochter von Lufthansa habe vorgemacht, wie sich eine angeschlagene Airline selbst wieder auf Kurs bringen könne. Nach einigen Jahren der Konsolidierung habe Swiss wieder wachsen und zulegen können.

Begleitet wird der neue AUA-Kurs von einem strengen Kostenmanagement, das ganz besonders die Belegschaft treffen wird. Vor drei Jahren hatte der Wiener Konzern noch etwa 8 600 Mitarbeiter, inzwischen ist das Unternehmen bei gut 7 000 Beschäftigten angekommen. Bis Ende kommenden Jahres wird der Sparkurs unvermindert fortgesetzt, etwa 6 000 Mitarbeiter soll AUA Ende 2010 haben. Austrian-Mitarbeiter, die bleiben dürfen, müssen sich zugleich darauf einstellen, dass alte AUA-Vorrechte gekappt werden. So will der Vorstand durchsetzen, dass beispielsweise Ruhezeiten von Piloten und Kabinenpersonal gekürzt werden. Bierwirth und Malanik wollen erreichen, dass sich die Arbeitszeiten der AUA-Beschäftigten denen von Low-Cost-Airlines angleichen. Bis Ende nächsten Jahres sollen 150 Mio. Euro aus dem Personaletat herausgenommen werden.

AUA kann trotz der neuen Aufbruchstimmung nach der Übernahme durch Lufthansa ein Problem nur begrenzt beeinflussen: den stockenden Ausbau des Flughafens Wien. Der Airport ist die Zentrale Drehscheibe für das Unternehmen, um alle wichtigen Destinationen in Europa bedienen zu können. Nach Angaben aus Flughafen-Kreisen verzögert sich der geplante Ausbau des Airports weiter. AUA fordert den Ausbau des Flughafens, um Wien als Ost-West-Zentrale erhalten zu können.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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