Lufthansa und Air Berlin kürzen eigenmächtig Gebühren auf Niveau von Easy-Jet
Flughafen Dortmund in der Billigflieger-Zwickmühle

Die beiden größten deutschen Fluggesellschaften Lufthansa und Air Berlin setzen den Flughafen Dortmund wegen der ihrer Ansicht nach zu niedrigen Gebühren für den britischen Billig-Konkurrenten Easy-Jet unter Druck.

HB FRANKFURT/DÜSSELDORF. Air Berlin zahlt nach eigenen Angaben ab sofort nur noch zwei Euro Abfertigungsgebühr pro Passagier anstelle von bisher rund 15 Euro. „Das ist das, was auch Easy-Jet zahlen muss“, sagte Sprecher Peter Hauptvogel am Freitag und bestätigte damit einen entsprechenden Bericht der Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung (NRZ). „Wir sind nicht dazu da, unsere Mitbewerber zu subventionieren und wollen nur eine Gleichbehandlung erreichen.“

Die Lufthansa prüft einen ähnlichen Schritt. „Wir haben noch nicht entschieden, ob wir ebenfalls einseitig die Gebühren senken. Aber klar ist, dass unsere Passagiere mit den höheren Entgelten unfair behandelt werden“, sagte Lufthansa-Sprecher Frank Püttmann. Es sei ein Unding, dass der Flughafen mit Niedrigstgebühren arbeite und Verluste mache, die dann von den Stadtwerken Dortmund als Mehrheitseigner und damit von der öffentlichen Hand getragen würden. Das gleiche Spiel laufe am Flughafen Weetze/Niederrhein, wo die Fluglinie V-Bird begünstigt werde und der Landkreis Kleve für Verluste gerade stehe, sagte Püttmann.

Air Berlin und Lufthansa befördern pro Jahr ab Dortmund rund 600 000 Passagiere, rund zwei Drittel des gesamten Fluggastaufkommens. Der Gebührenausfall für den ohnehin defizitären Flughafen, an dem die Stadtwerke Dortmund 75 Prozent halten, liegt nach Angaben der NRZ bei 12 Millionen Euro.

Der Flughafen Dortmund bestreitet die Vergünstigungen für Easy-Jet nicht, pochte gegenüber der Zeitung aber auf die andersartigen Gebührenverträge, die er mit Lufthansa und Air Berlin habe. Ein Sprecher des Flughafens sagte zu dem Gebührenstreit lediglich: „Air Berlin ist ein großer Partner, mit dem wir gut zusammenarbeiten. Wir haben aber auch das Ziel, neue Airlines an den Platz zu bekommen.“ Von Wettbewerbsverzerrung könne keine Rede sein.

Air Berlin geht bereits in Berlin auf dem Klageweg gegen unterschiedlich hohe Gebühren vor. Hier war ebenfalls die Ansiedlung von Easy-Jet der Auslöser. Im Zuge des immens harten Wettbewerbs in der Luftfahrt erwarten Branchenexperten weitere Auseinandersetzungen um die Subventionierung von Billigfluglinien durch niedrige Gebühren oder so genannte Marketing-Zuschüsse der Flughäfen. Über Germanwings mischt allerdings auch die Lufthansa im Markt der Billigflieger mit.

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