Lufthansa und Brussels Airlines
Landung in Europas Hauptstadt

Deutsche und Belgier über den Wolken: Die Komplettübernahme von Brussels Airlines durch die Lufthansa ist so gut wie sicher. Doch die Integration dürfte noch Probleme bereiten.

FrankfurtDie Lufthansa macht Ernst bei der Konsolidierung ihrer Gruppen-Gesellschaften. Wie aus Unternehmenskreisen zu hören ist, ist die Komplettübernahme von Brussels Airlines jetzt so gut wie sicher. „Die Option für den Kauf der restlichen Anteile von Brussels läuft im April kommenden Jahres aus, deshalb werden sie wohl jetzt nutzen“, berichtet eine Führungskraft. Ein Lufthansa-Sprecher wollte die Informationen nicht kommentieren, verwies aber auf Aussagen von Finanzchefin Simone Menne auf der Bilanzpressekonferenz vor wenigen Wochen. Danach werden Management und Aufsichtsrat vielleicht schon auf der nächsten Sitzung entscheiden, die am 27. April stattfindet.

Lufthansa war 2008 mit 45 Prozent bei Brussels Airlines eingestiegen. Eingetütet hat die Transaktion der damalige Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber, heute Aufsichtsratsvorsitzender von Lufthansa. Zu der Zeit war Europas größte Fluggesellschaft einer der Treiber der bislang eher zaghaften europäischen Konsolidierung. Kurz nachdem Mayrhuber das Engagement bei Brussels fixiert hatte, schlug er auch bei der österreichischen AUA zu.

Schon beim Einstieg hatte sich Lufthansa die Option auf den Erwerb der restlichen Anteile von der übergeordneten SN Airholding gesichert. Sie liegen derzeit beim Flughafen Brüssel, der Virgin Group und Banken. Ursprünglich wollte Lufthansa eine Entscheidung nach 2011 treffen, sobald Brussels, die Nachfolgegesellschaft der in die Insolvenz gegangenen Staatsairline Sabena, nachhaltig saniert ist. Doch das zog sich, Lufthansa verlängerte die Option deshalb bis 2017.

Viele Hürden für eine Komplettübernahme sind mittlerweile beseitigt, doch es sind noch Fragen offen. So konnte Brussels im vergangenen Jahr ein Ergebnis von 41,3 Millionen Euro einfliegen, nach einem Betriebsverlust von 4,2 Millionen Euro im Jahr zuvor. Airline-Chef Bernard Gustin verspricht nachhaltig schwarze Zahlen, für 2018 hat er bereits ein Gewinnziel von 50 Millionen Euro versprochen. Die Sanierung scheint damit also zunächst einmal geglückt. Dennoch schaut man sich – so berichten Unternehmenskenner – im Management und auch im Aufsichtsrat die aktuelle Situation sowie die Daten noch einmal genau an. „Die zentrale Frage ist, ob in Brüssel der Erfolg etwa einer AUA wiederholt werden kann“, sagt eine Führungskraft.

Die Finanzierung wiederum stellt kein Problem dar. Bereits beim Einstieg 2008 wurde der Kaufpreis für alle Anteile auf maximal 250 Millionen Euro festgezurrt. Davon hat Lufthansa beim Erwerb der 45 Prozent bereits 65 Millionen Euro bezahlt. Weitere 100 Millionen Euro hat Lufthansa Brussels als Darlehen zur Verfügung gestellt, das nun in Anteile gewandelt werden könnte.

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