Lufthansa und Eurowings
Der tief gespaltene Luftfahrtkonzern

Der tragische Absturz einer Germanwings-Maschine mit 150 Toten, endlose Streiks von Piloten und Flugbegleitern – Europas größte Fluggesellschaft blickt auf ein äußerst schwieriges Jahr zurück. Doch Zeit, die Wunden zu lecken, bleibt Lufthansa-Chef Carsten Spohr nicht. Er muss sich 2016 endgültig bewähren.

FrankfurtDen 24. März 2015 wird man bei Lufthansa wohl nie vergessen. An dem Tag stürzte ein A320 der Lufthansa-Tochter Germanwings in den französischen Alpen ab. Alle 150 Insassen starben. Ein lebensmüder Co-Pilot flog das Flugzeug absichtlich gegen den Berg. Bis heute setzt die fürchterliche Tragödie dem Unternehmen zu, auch dem obersten Lufthanseaten Carsten Spohr. „Es ist der mit Abstand schwärzeste Tag in unserer Geschichte“, rief der Vorstandschef das schreckliche Ereignis jüngst beim Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel am Frankfurter Flughafen in Erinnerung.

Doch ein neues Wir-Gefühl, der große Zusammenhalt aller Lufthanseaten, will sich nach der Katastrophe nicht einstellen. Neun Monate nach dem Absturz von 4U9525 ist die Lufthansa ein zutiefst gespaltener Konzern, der nach wie vor dabei ist, seinen Weg in die Zukunft zu suchen.

Am deutlichsten sichtbar wird die innere Zerrissenheit in den zahllosen Tarifkonflikten, die das Management mit dem fliegenden Personal seit Monaten austrägt. Selbst das Anfang Dezember nach langem Hin und Her stattgefundene erste Treffen des Job-Gipfels mit allen Gewerkschaften und der Lufthansa-Spitze kann die gravierende Entfremdung zwischen Management und Mitarbeiter-Vertretern nicht überdecken.

Am gleichen Tag, unmittelbar vor dem Treffen, diskutierte der Aufsichtsrat über eine Aufstockung der Vorstandsgehälter – für die Arbeitnehmervertreter ein Affront. Deutlicher kann man kaum zeigen, wie sehr man aneinander vorbeiredet.

Und so wird der Tarifkonflikt wohl auch ins Jahr 2016 getragen werden – ob mit oder ohne Streiks, bleibt abzuwarten. Für Lufthansa-Chef Spohr wird 2016 damit zu einem zentralen Jahr. Er muss nicht nur beweisen, dass er in der Lage ist, den Streit um die Altersversorgung endgültig beizulegen, ohne zu viel seiner harten Position aufzugeben.

Er muss auch belegen, dass Eurowings – jene Billigplattform, mit der er gegen die aggressive Konkurrenz vom Persischen Golf und vom Bosporus punkten will – einen erfolgreichen Start hinbekommt.

Die in großer Zahl von Germanwings auf Eurowings übergehenden Flugzeuge alleine reichen dafür nicht. Vielmehr muss das Konzept die Kunden überzeugen. Erste Erfahrungsberichte im Internet über die gerade begonnenen Langstreckenflüge etwa nach Kuba zeigen, wie herausfordernd die Markenspreizung ist. Die Eurowings-Passagiere wissen, dass sie Lufthansa fliegen und hadern schwer etwa mit dem Service an Bord der neuen Tochtergesellschaft.

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Spohr kann Konfrontationskurs länger durchhalten

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