Lufthansa und Tui
Konsortium für Flugsicherung geplant

Um den Einstieg eines internationalen Finanzinvestors zu verhindern will ein Konsortium führender deutscher Unternehmen aus Luftfahrt und Touristik die Mehrheit der Deutschen Flugsicherung (DFS) übernehmen.

HB FRANKFURT. Neben der Deutschen Lufthansa und dem Reisekonzern Tui sind die Fluggesellschaften Air Berlin, dba und LTU an den Beratungen beteiligt. Interesse bekundet haben auch der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport, die Münchener Flughafengesellschaft sowie der Baukonzern und Flughafenbetreiber Hochtief. Die Vorstandschefs von Lufthansa und Tui bestätigten am Dienstag ihr Interesse, mit Partnern bei der noch bundeseigenen DFS einzusteigen.

Allerdings ist nach Informationen aus Branchenkreisen noch unklar, wie ein solches Konsortium zusammengesetzt sein soll und wer welche finanziellen Mittel dafür aufbringt. Mehrere Partner befürchten, dass Lufthansa als größte Fluggesellschaft eine führende Rolle bei der DFS beanspruchen will. „Bei bisherigen Arbeitstreffen ist dies von Lufthansa eindeutig signalisiert worden“, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person.

Ein Arbeitstreffen habe reichlich Verstimmung über öffentliche Äußerungen von Tui-Chef Michael Frenzel, aber keine Fortschritte gebracht, hieß es nach der Sitzung. Frenzel hatte in der „Financial Times Deutschland“ erklärt, kein Partner dürfe eine dominierende Rolle bei der DFS beanspruchen. Nun werde ein Spitzentreffen der Vorstände nach dem Jahreswechsel diskutiert.

Die DFS soll nach den Plänen der Bundesregierung 2006 zu drei Viertel privatisiert werden. Branchenexperten erwarten einen Kaufpreis von mehreren hundert Mill. Euro. Auch mehrere internationale Finanzinvestoren hätten Interesse bekundet, sagte ein am Verfahren Beteiligter.

Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber betonte in einem Reuters-Interview das Interesse an einem breiten Bündnis. „Wir sind bereit, in einem Konsortium mitzuinvestieren“, sagte er. Welchen Anteil Lufthansa anstrebt, ließ er offen. Entscheidend sei, dass ein deutsches Konsortium die zum Verkauf stehenden 74,9 Prozent an der Flugsicherung übernehme und kein Finanzinvestor, dem es um maximale Renditen gehe. Fraport und die Flughafengesellschaft München, an denen Lufthansa selbst bereits beteiligt ist, seien geeignete Partner, ebenso Tui mit der Flugtochter Hapagfly oder die Fluggesellschaft Air Berlin.

Die Privatisierung der Flugsicherung sei nicht nur in Deutschland dringend notwendig, sagte Mayrhuber. Auch die Existenz einer Flugsicherung für jeden nationalen Luftraum sei nicht mehr zeitgemß. „Wir haben in Europa eine Zersplitterung der Flugsicherung wie sonst nirgendwo“, sagte der Lufthansa-Chef. Dies sei teuer und fördere nicht zwingend die Sicherheit. Anstelle zahlloser kleinen nationalen Monopole sei auch in der Flugsicherung mehr Wettbewerb nötig.

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