Lufthansa vor neuen Pilotenstreiks
Wo bleibt die Vernunft?

Cockpit bläst die Schlichtung ab – die Lufthansa steht vor neuen Streiks. Jens Koenen fragt sich, wo das unternehmerische Denken der Piloten und das Fingerspitzengefühl der Lufthansa-Spitze bleibt. Ein Kommentar.
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Wieder einmal schwebt das Damoklesschwert Streik über Europas größter Fluggesellschaft. Die Piloten der Lufthansa haben die Vorgespräche zu einer möglichen Gesamtschlichtung verlassen. Mitten in der Urlaubszeit drohen damit massive Flugausfälle.

Auch wenn Details aus den Gesprächen in den letzten Wochen nicht nach außen gedrungen sind, so zeichnete sich doch bereits länger ab, dass es schwer werden würde, den gordischen Knoten in dem völlig verfahrenen Tarifstreit zu durchschlagen. Das ist zunächst einmal wenig überraschend, wurden doch in der Vergangenheit auf beiden Seiten massive Fehler gemacht.

Lufthansa hat viel zu lange damit gewartet, das Thema Kosten und Pensionszusagen auf die Agenda zu nehmen. Nun will das Management eine Komplettlösung in einem Schritt. Es ist durchaus verständlich, dass sich eine Arbeitnehmer-Vertretung damit schwer tut. Das gilt um so mehr, weil im Hintergrund ein ganz anderes Thema die Gespräche überlagert: die Neuausrichtung der Lufthansa. Die Billigpläne tangieren den von der Gewerkschaft Cockpit (VC) in der Vergangenheit hart ausgehandelten Konzerntarifvertrag. Dass der von den Piloten nicht so einfach hergegeben wird, ist wenig überraschend.

Die VC wiederum ist bislang vor allem dadurch aufgefallen, stur den Status quo verteidigen zu wollen. Neinsagen – das scheint das Motto der Gewerkschaft zu sein. Selbst mit kreativen Vorschlägen auf das Management zuzugehen, diesem damit den Wind aus den Segeln zu nehmen, ihm im Gegenzug Zugeständnisse abzutrotzen, das scheint nicht zum Werkzeugkasten der Piloten-Vertreter zu gehören.

Das wundert doch sehr, schließlich haben die Piloten bei früheren Tarifauseinandersetzungen stets ihre Bedeutung als „Unternehmer im Unternehmen“ für Lufthansa betont. Aber wo bitte ist im aktuellen Tarifstreit das viel zitierte unternehmerische Denken der Flugzeugführer? Die Arbeitnehmervertreter in anderen Industrien und Unternehmen scheinen da deutlich weiter zu sein. Beim Stiftungsunternehmen Schott etwa - wie Lufthansa massiv von den Lasten aus früheren Pensionszusagen gebeutelt - haben sich Management und Arbeitnehmer in wenigen Monaten auf ein neues Pensionssystem geeinigt.

Bei aller verständlichen Emotionalität: Am Ende werden Lufthansa-Management und VC nicht darum herumkommen, in dem Tarifstreit endlich wieder die unternehmerische Vernunft walten zu lassen. Auf VC-Seite bedeutet das, endlich die fiskalpolitischen Realitäten anzuerkennen. Für das Management heißt das, die eigenen Mitarbeiter beim Bau einer neuen Lufthansa nicht zu überfordern. Sonst wird es nichts mit der Zukunftssicherung des Kranichs.

Kommentare zu " Lufthansa vor neuen Pilotenstreiks: Wo bleibt die Vernunft?"

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  • Ich verstehe immer das Hin und Her mit der Lufthansa nicht. Jeder noch alle Latten am Zaun hat und seinen Urlaub genießen will, sollte die Lufthansa konsequent meiden. Ist doch ganz simpel. Von mir aus kann die LH auch insolvent werden. Gibt genug andere und das Ganze nennt man Marktbereinigung. So what?

  • Es sind Sommerferien!
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    Also die beste Zeit für Streiks!
    So sieht es jedenfalls die VC. Sie besteht weiterhin auf die Frühpensionierung mit 55.
    Sie will ihre Privilegien behalten.
    Ich als Lufthansa würde sie alle rausschmeißen. Es gibt genügend Piloten auf dem freien Markt, die ihren Job gerne übernehmen würden. Und das OHNE VC!

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