Luftverkehr
Hilfe, die Billig-Araber kommen!

Mit Ölmilliarden gegen Lufthansa & Co.: Emirates, Etihad und Qatar Airways sind auf der Langstrecke längst harte Konkurrenten für Europas Luftfahrtriesen. Nun nehmen die Araber auch die Billigairlines ins Visier.
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DüsseldorfDer Milliardenauftrag ging unter. Als Boeing im Januar einen Auslieferungsrekord vermeldete, nahmen nur wenige Notiz davon, dass Flydubai einen Kaufvertrag über fast 90 Mittelstrecken-Jets unterzeichnet hatte. Listenpreis: 6,5 Milliarden Euro. Die Fluggesellschaft vom Persischen Golf ist in Europa und den USA bislang weitgehend unbekannt, gehört sie doch nicht zu den großen Drei: Emirates, Etihad und Qatar Airways. Doch der Name könnte bald die Runde machen.

Denn die Bestellung untermauert eine rasante Entwicklung. Finanziert durch die Öl- und Gasmilliarden der arabischen Herrscherhäuser wachsen Emirates, Etihad und Qatar Airways seit Jahren kräftig und jagen vor allem den etablierten europäischen Fluggesellschaften Kunden ab. Die Golf-Airlines stehen für viel Komfort in der Economy- und für Luxus in der Business-Klasse. Doch die Araber können auch anders – nämlich zweckmäßig und billig.

Flydubai aus Dubai und Air Arabia aus dem weniger bekannten Nachbar-Emirat Sharjah sind längst zu Größen der Billigflieger-Branche geworden. „Die beiden Fluggesellschaften setzen das klassische Low-Cost-Konzept fast in Reinkultur um und sind damit sehr erfolgreich“, sagt Gerd Pontius von der Airline-Beratung Prologis. In ihrem Modell sind die Airlines der Ryanair sehr ähnlich.

Mit dem Kaufvertrag stößt Flydubai nun auch bei den Bestellungen in eine Dimension vor, die unter den Billigfliegern sonst nur Ryanair und seine europäische Konkurrenten Easyjet und Norwegian erreichen. Die Iren hatten im Sommer 175 Boeing 737 bestellt und fliegen aktuell mit einer Flotte von knapp 300 Maschinen.

Die Araber tätigten ebenfalls eine beachtliche Großbestellung und orderten 86 Mittelstrecken-Jets Boeing 737 und des Nachfolgers 737 MAX. Für weitere 25 Maschinen sicherte sich die Airline zudem eine Kaufoption. Flydubai hat zwar momentan lediglich 35 Flugzeuge im Einsatz, erwartet aber noch Maschinen aus einer vorherigen Bestellung. Und wenn ab dem Jahr 2016 die bis zu 111 neuen Boeing-Flieger aus Seattle ausgeliefert werden, erhöht sich die Flottengröße erst recht beträchtlich. Auch Air Arabia (zurzeit gut 30 Flugzeuge) erwartet in den kommenden Jahren die Auslieferung neuer Mittelstrecken-Jets des Typs Airbus A320.

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  • Das interessante ist für mich, wie Emirates zum Beispiel neue Kontinente oder auch Länder Connections aufbaut. Spanien gab es bis vor 2 jahren gar nicht. Von Mailand aus fliegt Emirates jetzt sogar nach New York. Im Zeitalter von Suchmaschinen - und wenn man flexibel ist und auch längere Strecken und Umwege in Kauf nimmt, ist Emirates nicht zu schlagen. Ich fliege aus Brasilien für 1500 USD mit Stopover nach Kapstadt - via Dubai. Teilweise sogar in Business und meine Frau fliegt umsonst mit. Der kurze Flug mit South African kostet das doppelte für 1/3 der Flugdistanz. Ich denke die "Monopolstrecken" der lokalen carrier werden vom erhöhten Flugaufkommen in der Welt nicht mehr profitieren. Super Qualität und Top Preis Leistung und in grossen Mengen eingekauft - modernste Maschinen, günstiger Sprit und die Stewardessen und Stewards fliegen sicherlich 25-30% mehr Strecken als bei Lufthansa und Co. Man darf aber die wirklich super geografische Lage der Arabischen Staaten nicht unterschätzen. Und mit den modernen 777 Boings und A 340 in den long versions fliegt man locker 15 Std. nonstop. Da sind Continente und Oceane kein Hinderniss mehr. Interessant finde ich dabei noch die Kooperation TAP (Star Alliance) mit Emirates.... Es werden mehr kleinere Airlines mit den grossen Arabern cooperieren und die billig Airlines in Europa tun es ja auch schon. Fazit: Der Kuchen wird grösser, der Umsatz steigt und die Araber werden mehr davon übernehmen. Lufthansa werden vermutlich nicht viel Anteile verlieren... aber andere Airlines werden geschluckt oder gehen unter

  • Liebe Blogger, seit Jahrzehnten pendle ich zwischen Europa, Asien und den USA. In den letzten Jahren nutze ich immer haeufiger Airlines vom Golf. Grund: der so viel bessere Service. Geht schon mit der Lounge in FRA los. Die LH Lounge kommt mir dagegen wie eine Bahnhofkneipe vor. Selbst bei gleichem Preis ziehich deshalb die Gulf-Airlines heute vor. Also redet nicht immer nur vom Ticket-Preis!!

  • Ihr versteht das immer noch nicht, oder ?
    Die brauchen gar keine grossartigen Subventionen mehr.

    Die sind tatsächlich unschlagbar günstig, weil sie ihren HUB genau an der richtigen Stelle haben.

    Wenn die Lufthansa aus Frankfurt und München die Städte Kapstadt, Bangkok und Manila anfliegen will, sind das 6 Flieger, die nonstop durch die Gegend fliegen. Die sind aber nicht ganz voll, weil da natürlich niemand drin sitzt, der woanders hin will.

    Wenn Emirates oder Ethihad diese Strecken bedient, dann muss man in Arabien umsteigen. Lästig, aber mit dem Flieger aus Frankfurt fliegen ALLE die in die Richtung wollen. Und aus München auch. Und von Dubai aus fliegen die dann weiter nach Kapstadt. Mit den ganzen Gästen aus München. Oder Arabien. Oder Asien. Und tanken auch noch günstigen Sprit, der ja genau da produziert wird.

    Die ganzen europäischen Gesellschaften sind tot, die wissen das nur noch nicht. Mit diesen Kostenvorteilen KANN niemand mithalten.

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