Luftverkehr
„Offene Märkte sind gut für den Wohlstand“

US-Präsident Trump hatte kürzlich mit dem Einreiseverbot für Muslime in die USA weltweit für Chaos gesorgt. Doch der Luftverkehrsverband BDL sieht noch keine Gefahr für die eigene Branche – etwa durch mehr Nationalismus.
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FrankfurtEs gibt auch Top-Manager, die in diesen Tagen recht entspannt auf die politische Entwicklung in der Welt schauen. Stefan Schulte, im Hauptamt Chef des Flughafenbetreibers Fraport und nebenbei noch Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) gehört dazu. Angesprochen auf das Vorgehen des neuen US-Präsidenten Donald Trump – etwa beim Einreiseverbot für bestimmte muslimische Staaten oder die wachsende Popularität nationalistischer Parteien und Politiker – plädiert Schulte zwar für Offenheit: „Wir sind für offene Märkte. Die Vergangenheit zeigt, dass diese gut für die Länder sind, auch die nicht so wohlhabenden.“ Aber große Sorgen, dass die Entwicklung die eigene Branche massiv behindern könnte, hat der BDL-Präsident nicht.

Ein eher überraschendes Statement – basiert doch das Geschäftsmodell von Airlines und Flughäfen auf der barrierefreien Vernetzung einer globalisierten Welt. Doch Schulte verweist auf die jüngsten Erfahrungen, etwa nach dem doch recht kurzfristig verhängten US-Einreiseverbot: „Es gab in einzelnen Fällen Probleme, aber eine große Einschränkung haben wir nicht gespürt.“ Es gäbe auf der Welt immer Entwicklungen, über die man sich Sorge machen könne. Die Branche habe gelernt, damit umzugehen.

Sorge bereitet dem Luftfahrt-Manager hingegen etwas ganz anderes. „Die deutsche Luftverkehrswirtschaft hinkt der Wirtschaftsentwicklung weltweit und auch in Europa hinterher“, warnt Schulte. Und zieht zum Beweis aktuelle Zahlen des BDL hervor. Während die Branche 2016 weltweit gemessen an den verkauften Sitzplätzen pro Kilometer um 6,3 Prozent zulegen konnte, hat das Plus in Deutschland nur 1,4 Prozent betragen.

Eine weitere in den Augen von Schulte besorgniserregende Entwicklung: Das bescheidende Wachstum an den Flughäfen in Deutschland „kommt nicht von deutschen Fluggesellschaften“. So sei der Anteil deutscher Airlines wie Lufthansa, Air Berlin, Tui oder Condor gemessen am Sitzplatzangebot an deutschen Flughäfen auf 62 Prozent gefallen. 2012 hatte er noch 68,3 Prozent betragen. Zwar wurden diese Einbußen zumindest aus Airport-Sicht wieder durch das starke Wachstum der Billig-Anbieter, die ihr Angebot seit 2010 um 14,3 Prozent ausgeweitet haben, kompensiert. „Aber deutsche Netzwerk-Carrier wie Lufthansa bieten eine andere Verbindungsqualität und Wertschöpfung für ein so exportorientiertes Land wie Deutschland“, sagt Schulte. Es sei an der Zeit, diesen Trend wieder umzukehren.

Auch die Kostenverteilung für Sicherheitsmaßnahmen müsse Schulte zufolge verändert werden. Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 seien die Ausgaben für Sicherheit von zwischen 5 und 8 Prozent der Gesamtkosten auf mittlerweile 35 Prozent gestiegen. „Wir wollen an der Sicherheit nichts ändern, aber die Frage ist, wer für diese Kosten aufkommt“, sagt Schulte: „Aufgaben der staatlichen Sicherheit müssen auch vom Staat getragen werden. Bei jedem anderen Verkehrsträger wird das so gemacht.“

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt

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