Luftverkehr
Schulterschluss über dem Atlantik

Im Luftverkehr zwischen Europa und Nordamerika werden die Karten neu gemischt: Die großen Airlines konzentrieren sich in drei großen Blöcken. Die gemeinsame Vermarktung soll die Kosten senken, Überkapazitäten vermeiden - und das Ende der Kampfpreise einläuten.

DÜSSELDORF. Zwölf Jahre nach der Etablierung der weltweiten Luftfahrtbündnisse "Star Alliance", "Sky Team" und "One World" bringt die Krise die internationalen Fluggesellschaften noch näher zusammen. Das US-Verkehrsministerium sprach jetzt eine vorläufige Genehmigung für das von Lufthansa, Continental, United Airlines und Air Canada angestrebte Joint Venture für den Luftverkehr zwischen Europa und Nordamerika aus. Unter dem Namen "Atlantic Plus-Plus" wollen die Airlines ihr Angebot weithin gemeinsam aufbauen, vermarkten und die Erlöse zunächst in einen Topf packen.

Eine Sprecherin der Lufthansa begrüßte den Verwaltungsakt aus Washington. Es sei für die Fluggesellschaften ein "sehr positives Zeichen, dass das Ministerium jetzt grünes Licht gegeben hat". Wann das Joint Venture an den Start gehe, könne man aber noch nicht sagen. Grund dafür ist unter anderem, dass die Genehmigung noch unter dem Vorbehalt einer dreiwöchigen Frist steht, in der, wie es in dem Beschluss heißt, "interessierte Parteien" Einspruch einlegen können.

Das Ministerium trägt den Airline-Partnern beiderseits des Atlantiks allerdings weiterhin auf, ihre Aktivitäten innerhalb der nächsten 18 Monate zu verwirklichen. Falls sich bis dahin nichts getan hat, erlischt die Genehmigung. Zudem müssen sie in jährlichen Reports ihre Zusammenarbeit dokumentieren.

Formell gewährt der Beschluss in einem ersten Schritt der US-Gesellschaft Continental die Befreiung von wettbewerbsrechtlichen Beschränkungen ("Antitrust Immunity"), damit sie dem von Lufthansa dominierten Bündnis Star Alliance beitreten kann. In einem zweiten Schritt wird das darüber hinaus gehende Bündnis Atlantic Plus-Plus genehmigt.

Continental kann damit den Wechsel von der Allianz Sky Team vollziehen, in der Air France-KLM sowie der US-Gigant Delta den Ton angeben. Hintergrund ist die im vergangenen Jahr begonnene Zusammenarbeit von Continental und der US-Gesellschaft United auf dem nordamerikanischen Heimatmarkt. United zählt wie Lufthansa zu den Gründungsmitgliedern der Star Alliance.

Das Joint Venture über den Nordatlantik hinweg sei "letztlich der Versuch, die Kosten weiter zu drücken", sagte NordLB-Analystin Martina Noß. Die beteiligten Fluggesellschaften könnten durch die gemeinsame Vermarktung ihre Flugzeuge besser auslasten und damit Start- und Landerechte besser nutzen. Zudem seien stabilere Erträge zu erwarten, da mit dem Abbau von Überkapazitäten und damit dem Ende von Kampfpreisen zu rechnen sei. Oliver Caspari vom Bankhaus Lampe verweist darauf, dass die Luftfahrt beginne, wie andere Branchen auch die Vorteile der gesteigerten Einkaufsmacht zu nutzen. Hier lägen für die Airlines noch erhebliche Einsparpotenziale.

Seite 1:

Schulterschluss über dem Atlantik

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%