Luftverkehr
Virgin Atlantic stellt sich auf turbulente Zeiten ein

Trotz Krise kann Virgin Atlantic, die Fluglinie des prominenten britischen Unternehmers Richard Branson, den Gewinn fast verdoppeln und den Anteil der First- und Business-Class-Passagiere erhöhen. Trotzdem stellt sich die Fluggesellschaft auf harte Zeiten ein - und will Kapazitäten kürzen.

LONDON. Virgin Atlantic, die Fluglinie des prominenten britischen Unternehmers Richard Branson, kommt mit der tiefen Krise der Luftfahrtbranche bislang deutlich besser zurecht als viele Konkurrenten. Aber auch Virgin muss sich in den kommenden Monaten auf härtere Zeiten einstellen.

Trotz Rezession und hoher Spritpreise gelang es Virgin Atlantic, den Gewinn im Ende Februar abgelaufenen Geschäftsjahr fast zu verdoppeln. Vor Steuern stieg das Ergebnis der Fluglinie um mehr als 96 Prozent auf 68,4 Mio. Pfund. Als wichtigsten Grund für den Gewinnsprung nannte Gründer Branson die frühzeitige Absicherung gegen steigende Treibstoffpreise an den Terminmärkten. Außerdem habe die Fluglinie von einem Anstieg der First- und Business-Class-Passagiere profitiert. Insgesamt flogen im vergangenen Geschäftsjahr fast 5,8 Mio. Passagiere mit Virgin Atlantic. Im kommenden Monat feiert die Fluglinie ihren 25. Gründungstag. Branson, der den Grundstein für seine Unternehmensgruppe 1969 mit der Gründung der Plattenfirma Virgin Records legte, hält 51 Prozent an der Fluglinie, der Rest gehört Singapore Airlines.

„Nach der Bruchlandung von British Airways im vergangenen Geschäftsjahr ist das Ergebnis von Virgin eine echte positive Überraschung“, meint Mark Priest vom Londoner Broker ETX Capital. „Aber die Turbulenzen im vierten Quartal haben gezeigt, dass auch Virgin in den kommenden Monaten vor einer echten Herausforderung steht.“ Der Konkurrent British Airways (BA) hatte am vergangenen Freitag einen Rekordverlust von 375 Mio. Pfund nach einem Gewinn von 712 Mio. Pfund im Vorjahr melden müssen. Vorstandschef Willie Walsh hatte den dramatischen Einbruch mit hohen Treibstoffkosten und der sinkenden Nachfrage der Passagiere wegen der grassierenden Weltwirtschaftskrise begründet.

Obwohl der Ölpreis in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres deutlich gesunken war, stiegen die Treibstoffkosten übers Jahr um fast die Hälfte auf drei Mrd. Pfund. Da sich auch die Schulden von British Airways auf 2,4 Mrd. Pfund verdoppelten, blieb Walsh nichts übrig, als die Dividende zu streichen. Die hatte BA vor einem Jahr nach langer Durststrecke gerade erst wieder eingeführt.

Die Zukunftsaussichten für die Luftfahrtbranche sieht Virgin-Atlantic-Vorstandschef Steve Ridgeway ähnlich pessimistisch wie sein Kollege Walsh:. „In diesem Jahr wird es für Fluggesellschaften fast unmöglich sein, einen Gewinn zu erzielen“, warnt Ridgeway. Bislang gebe es keinerlei Zeichen für eine Verlangsamung des Passagier-Rückgangs.

„Die Branche hat noch nie derart harte Zeiten durchgemacht“, klagt der Virgin-Atlantic-Chef. Jetzt komme es darauf an, Ausgaben und Investitionen zu senken und den Cash-Flow zu stärken. Deshalb will Virgin Atlantic seine Flugkapazitäten im laufenden Geschäftsjahr um rund sieben Prozent kürzen.

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