Lukrative Nebengeschäfte mit Hotel- und Mietwagenbuchungen
Billigflieger verdienen auch am Boden

Angesichts weiter sinkender Ticketpreise setzen Billigflieger stärker auf Nebengeschäfte wie Reisevermittlung und neue Angebote während des Flugs. Europas Marktführer Ryanair bietet seit voriger Woche ein kostenpflichtiges Unterhaltungsprogramm mit Filmen an und plant bereits einen weiteren Ausbau,

HB LONDON. „Das nächste große Angebot werden Glücksspiele im Flugzeug sein“, prophezeit Ryanair-Chef Michael O’Leary. Auch der britische Konkurrent Easyjet prüft die Ausweitung des Geschäfts außerhalb des Ticketverkaufs. Solche Angebote würden im Geschäftsmodell der nächsten Jahren immer wichtiger, bestätigte ein Sprecher.

Zwar macht das Nebengeschäft bei den Billigfliegern noch den weitaus geringeren Teil des Umsatzes aus, doch das Wachstum in diesem Segment lag zuletzt deutlich höher als im Ticketverkauf. Ryanair etwa nahm im ersten Halbjahr mit Flugtickets 618 Mill. Euro ein, das sind 16 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Zugleich wuchs der Umsatz im Nebengeschäft um 42 Prozent auf 103 Mill. Euro. Das Unternehmen verkauft neben dem reinen Flugtransport Produkte an Bord, vermittelt auf seiner Website Hotelzimmer und Mietwagen gegen Provision und verkauft zudem Reiseversicherungen.

Analyst Stephen Furlong vom irischen Brokerhaus Davy betonte, dass die Gewinnspannen bei diesen Extraverkäufen sehr hoch sind – oft fallen nur Kosten für Einbindung der Websites an, mit denen die Firmen kooperieren. Weil Billigflieger ihre Tickets fast ausschließlich via Internet verkaufen, sind ihre Websites regelmäßig gut besucht. Auch die Internet-Adressen deutscher Anbieter wie Air Berlin oder Germanwings gehören hierzulande zu den am häufigsten frequentierten Reiseseiten im Netz. Zwei Jahre nach seinem Start erzielt Germanwings allein mit der Vermarktung seiner Webseite bereits Erlöse von mehr als 1 Mill. Euro. „Das ist ein lukratives Zusatzgeschäft, weil es mit sehr wenig Aufwand verbunden ist“, sagte Germanwings-Manager Andreas Bierwirth. Analyst Furlong erwartet, dass die irische Ryanair ihr Online-Angebot in den nächsten Jahren zu einem europäischen Reiseportal ausbauen wird.

Beim neuen Unterhaltungsangebot des Marktführers können Fluggäste für fünf Euro Filme auf Multimedia-Konsolen anschauen. Auf ähnlichen Geräten könnten auch Glücksspiele möglich sein – Las Vegas über den Wolken also. Easyjet kann sich ein solches Angebot ebenfalls vorstellen. Die Briten haben schließlich Nachholbedarf: Zuletzt lagen die Erlöse ihres Nebengeschäfts bei sechs Prozent des Gesamtumsatzes (52 Mill. Pfund). Bei Ryanair sind es schon 14 Prozent.

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