Lukratives Frischfleischgeschäft
Kampf um die Fleischtheke

Im deutschen Lebensmittelhandel tobt ein harter Kampf um das lukrative Frischfleischgeschäft: Wenige Monate nach dem Einstieg in dieses Segment haben Deutschlands größte Discounter Aldi und Lidl den Supermärkten ein gutes Stück vom Umsatz weggeschnappt. Der Marktanteil der Discounter bei abgepacktem Fleisch hat sich zwischen Januar und Mai von 12 auf 22 Prozent fast verdoppelt.

HB/dpa STUTTGART. Die Supermärkte rutschten von 70 auf 59 Prozent ab, berichtete das Marktforschungsinstitut ZMP (Bonn) am Montag auf Anfrage. Den Rest teilen sich kleine Lebensmittelgeschäfte. Der Branchendienst wertet Einkaufsdaten von 1350 Lebensmittelgeschäften aus. Penny (Rewe) und Plus (Tengelmann) verkaufen schon seit über zwei Jahren abgepacktes Frischfleisch. Lidl startete im Februar, Aldi Nord testet den Verkauf derzeit in etwa 300 der 2300 Filialen.

Lidl hat aus dem Stand heraus mit sieben Prozent Marktanteil den bisherigen Fleisch-Marktführer Penny (6) abgelöst. „Fleisch war lange ein absolut weißer Fleck bei den Discountern. Wenn Aldi auch noch groß einsteigt, wird es für die Verbrauchermärkte und die bislang nicht so betroffenen Metzger eng“, sagt ZMP-Experte Paul Michels.

Aldi Nord und Lidl reagieren auf den Trend, dass die Verbraucher immer öfter zu vorgepacktem Fleisch aus den Kühlregalen greifen. Die Billigmärkte wollen sich als Nahversorger profilieren. Dagegen stagniert der Verkauf von Schnitzeln und Wurst an den klassischen Frischfleischtheken. Diese sind für Supermärkte ein Herzstück im Sortiment: Sie bringen 12 bis 15 Prozent des Umsatzes ein.

Die Discounter ködern die Kunden wie erwartet über den Preis. Ein Kilo Schweineschnitzel kostet dort nach ZMP-Erhebungen im Schnitt 5,94 Euro, im Supermarkt 6,15 Euro und beim Metzger 8,56 Euro. Allerdings sind die Verbraucher beim Discounter-Fleisch wohl noch nicht richtig auf den Geschmack gekommen. Die Wiederkaufrate liegt derzeit bei 16 Prozent - normalerweise kauft rund ein Drittel der Discountkunden beim nächsten Einkauf erneut das gleiche Produkt.

Metro sieht Schnitzel-Jagd gelassen

Deutschlands größter Handelskonzern Metro (Real, Extra) sieht die Schnitzel-Jagd der Billig-Konkurrenz gelassen. „Nichts gegen die Qualität der Discounter. Aber die Bedientheke wird es auch in Zukunft geben. Wir setzen auf mehr Personal, mehr Frische und Delikatessen“, sagte Metro-Sprecher Albrecht von Truchseß.

Ähnlich argumentiert der Geschäftsführer des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE), Hubertus Pellengahr. „Sicher drücken Aldi und Lidl auf die Fleischpreise. Aber nicht jeder Kunde guckt nach dem Preis, sondern will Vielfalt und guten Service.“

Dagegen wertet Rewe-Chef Hans Reischl den Aufstieg der Discounter sehr wohl als Gefahr. „Wenn wir dem Kunden nicht vermitteln können, dass unsere Gurken größer und besser sind als die vom Discounter, bekommen wir in zehn Jahren große Probleme“, sagte er in einem Interview. Dann werde es in vielen Teilen Deutschlands nur noch Märkte auf der grünen Wiese und Fleisch aus der Folie geben.

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