„Luxemburg-Leaks“
Steuertrickser Ikea

Ikea gilt als erfinderisch, wenn es um das Sparen von Steuern geht. Dennoch erstaunen die Kniffe und der Aufwand, mit dem sich der Möbelhauskonzern vorm Fiskus drückt.
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Vordergründig gibt sich Ikea gern als freundliches, bodenständiges Unternehmen: Kunden werden familiär geduzt, das Unternehmen baut ganz selbstlos Hütten für Flüchtlinge und spendet für notleidende Kinder. Auf der anderen Seite versucht der Konzern jedoch, jedes Steuerschlupfloch zu nutzen. Das belegt eine Analyse von 28.000 Seiten geheimer Dokumente, die durch das Internationale Konsortium investigativer Journalisten (ICIJ) veröffentlicht wurden und inzwischen unter dem Namen „Luxemburg Leaks“ für Aufsehen sorgen. An der Auswertung waren unter anderem die „Süddeutsche Zeitung“, die „Schweizer Sonntagszeitung“ und der Schweizer „Tagesanzeiger“ beteiligt.

Die Dokumente belegen laut den Berichten, dass die Luxemburger Behörden zum Teil äußerst komplizierte Finanzstrukturen genehmigten, die das Beratungsunternehmen Pricewaterhouse-Coopers (PwC) im Auftrag der Firmen entwickelt habe. Profitiert hätten von diesem Vorgehen neben multinationalen Unternehmen wie Pepsico, Fedex, Procter & Gamble, Amazon und Ikea auch die deutschen Dax-Konzerne Deutsche Bank, Eon und Fresenius Medical Care (FMC).

Ikea etwa habe mehrere Steuertricks mithilfe eines verschachtelten Konstrukts aus verschiedenen Firmen genutzt. Unter anderem griff der Möbelkonzern dabei auf einen Trick zurück, den man „Patentbox“ nennt. In Europa bieten rund zehn Länder Unternehmen diese Patent- oder Lizenzboxen an. Das Instrument wird von ihnen genutzt, um steuersparend Einkünfte von einem Land in ein anderes zu überweisen. Dank des Tricks, bei dem jede Ikea-Filiale drei Prozent ihres Umsatzes an die Tochterfirma Ikea Systems mit Sitz in Holland überweist, sinke der Gewinn der Filialen und damit ihre Steuerlast. Laut „SZ“-Bericht entgingen allein dem deutschen Staat dabei 36 Millionen Euro Steuereinnahmen im Jahr 2013. Zu den weiteren Tricks gehört laut dem Bericht der „SZ“ offenbar auch eine firmeninterne Bank, die zum Zweck der Steuerersparnis Geld an die anderen Unternehmenszweige verleiht.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Dana Heide ist Korrespondentin in Berlin.
Dana Heide
Handelsblatt / Korrespondentin

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  • Der Bericht ist doch auch wieder so ein unausgewogener,unausgekochter und neidvoller. Was als "Steuertrickserei" bezeichnet wird, ist nichts anderes, als eine Gegenleistung der Steuerfachleute für ihre im Ineresse der Mitarbeiter und der Aktionäre erbrachte Leistung. Von jedem Ingenieur wird eine effiziente und wirtschaftlich sinnvolle Tätigkeit verlängt. Warum soll also eie Steuerfachmann sich nicht auch so verhalten. Da sollen Kapitalgeber Geld investieren und es anschließend für eine,grüne unausgegorene Energiewende oder zur Rettung maroder EU-Länder zum Fenster hinaus werfen lassen. Wenn jeder der genannten Konzerne mehr Steuern als nötig bezahlt hätte, soll doch niemand glauben, dass unsere Politiker diese Mehreinnahmen zugunsten der Bürger verwendet hätten.

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