Luxusbrillen
Safilo attackiert Luxottica

Der italienische Brillenhersteller Safilo sieht seine Zukunft im Luxus: „Wir wollen uns ganz auf das obere Marktsegment konzentrieren“, sagte Roberto Vedovotto dem Handelsblatt. Damit will sich das Unternehmen stärker von dem deutlich größeren Konkurrenten Luxottica abgrenzen. Erst vor zwei Wochen hat Safilo ein exklusives Lizenzabkommen mit Hugo Boss geschlossen, das bis 2013 gilt.

HB MAILAND. „Von Hugo Boss versprechen wir uns in Zukunft einen zweistelligen Prozentanteil am Umsatz“, sagte Vedovotto über die Zusammenarbeit mit dem deutschen Modeunternehmen, das zur italienischen Marzotto-Gruppe gehört. Im vergangenen Jahr machten die großen Marken Armani, Dior, Gucci und Ralph Lauren 55 Prozent des Safilo-Gesamtumsatzes von 940-Mill. Euro aus. „Hugo Boss wird eine der wichtigsten Marken für uns werden“, prophezeit der Safilo-Chef. Weitere größere Lizenzverträge sollen im Laufe des kommenden Jahres folgen. „Wir arbeiten mit verschiedenen Anbietern“, bestätigt Vedovotto.

Safilo ist weltweit der zweitgrößte Brillenhersteller. Der Sitz des Unternehmens liegt im norditalienischen Belluno in direkter Nachbarschaft zum größten Konkurrenten Luxottica. Hier, in der italienischen Provinz wird der Großteil der weltweit bekannten Sonnenbrillen hergestellt. Luxottica gehört der Klassiker Ray-Ban und stellt unter Lizenz auch Brillen für Dritte her – unter anderem für Versace und Prada. Mit einem Umsatz von 3,2 Mrd. Euro ist Luxottica mehr als dreimal so groß wie Safilo. Und während Luxottica 2004 einen Nettogewinn von 287 Mill. Euro auswies, blieben Safilo nach einem Verlust im Jahr zuvor unter dem Strich lediglich 2,5 Mill. Euro. In der Vergangenheit waren bei Safilo mit dem Erfolg vor allem die Kosten außer Kontrolle geraten. Daher hat das Management in den zurückliegenden drei Jahren radikal rationalisiert und mehrere Werke geschlossen.

In diesen Tagen ist Safilo-Chef Vedovotto vor allem bei Analysten und Investoren unterwegs. Denn sein Unternehmen soll am 9. Dezember nach vierjähriger Pause an die Börse zurückkehren. Es wäre der größte italienische Börsengang in diesem Jahr.

Nach einem Streit innerhalb der Gründerfamilie hatte Vittorio Tabacchi die Anteile seiner beiden Brüder übernommen und die Aktie von der Börse genommen. Als Kapitalgeber stiegen zwei Private-Equity Fonds der Großbank Credit Suisse ein. Mit Vedovotto übernahm ein externer Manager die Führung des Unternehmens.

Mit dem Börsengang versilbern die beiden Private-Equity-Fonds ihre Beteiligung. Gleichzeitig will Safilo das Kapital erhöhen, um den Schuldenberg von 762 Mill. Euro zu reduzieren. „Wir wollen die Schulden auf 400 Mill. Euro oder weniger abbauen, um wieder investieren zu können“, betonte Vedovotto. Im Idealfall – also wenn die Aktie am oberen Ende der Preisspanne platziert wird – könnten die Schulden auf 339 Mill. Euro schmelzen, sagte er.

Für die Rating-Agenturen ist der Börsengang Grund für Optimismus. Sowohl Fitch als auch Standard & Poor’s haben das Unternehmen auf positive Beobachtung gesetzt. Benedetta Rospigliosi von Standard & Poor’s lobt vor allem den geplanten Schuldenabbau. Stefano Podesta von Fitch weist auch auf die gute Positionierung bei hochwertigen Marken hin. „Safilos Rating spiegelt die Marktführer-Position und vor allem das sehr starke Portfolio von Lizenz-abkommen mit weltweiten Modemarken im High-End Bereich wider“, stellt Podesta fest. Armani war 2003 von Luxottica zu Safilo gewechselt. Bei Sonnebrillen für mehr als 100 Euro hat das Unternehmen nach eigenen Angaben schon jetzt einen Marktanteil von 43 Prozent, bei Brillen ab 150 Euro seien es sogar 61 Prozent.

Und im Hochpreissegment sieht Vedovotto auch weiterhin Wachstumsmöglichkeiten. Dabei setzt er vor allem auf die Schwellenländer. „Die Menschen in den Schwellenländern sind modebesessen, und das bedeutet für uns gutes Geschäft“, sagt er. Bisher macht Safilo zehn Prozent des Umsatzes in Asien, 50 Prozent in Europa und 40 Prozent in den USA. Dabei bleibt das Unternehmen bei seiner Strategie, nur als Großhändler aufzutreten – was den Hersteller von Luxottica unterscheidet, der auch eigene Läden hat. „Wir haben keinerlei Intention, eigene Geschäfte aufzumachen“, stellt der Safilo-Chef klar, „wir wollen unseren Kunden keine Konkurrenz machen“.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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