Luxusflüge in der Kritik: Der üble Beigeschmack der First Class

Luxusflüge in der Kritik
Der üble Beigeschmack der First Class

Wenn Firmenbosse oder Gewerkschafter auf Erste-Klasse-Reise gehen, gilt der Luxus häufig als verrucht. Für große Airlines bleiben die Komfort-Sitze vor allem ein Statussymbol. Üppige Gewinne bringen sie kaum.
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DüsseldorfÜber Rettungspakete für Griechenland, Irland oder Portugal zu entscheiden, hat auch seine angenehmen Seiten. Denn wenn Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) auf Reisen geht, kann sie aus dem Vollen schöpfen. In ihrem Anstellungsvertrag ist explizit festgeschrieben, dass sie ein Anrecht auf Erste-Klasse-Flüge hat, wenn sie mit dem Flugzeug unterwegs ist. Auch Familienmitgliedern soll der gleiche Luxus gegönnt sein.

Anders als im Fall Lagarde kann es in der Wirtschaftswelt aber schnell als verrucht gelten, sich Chateaubriand, erstklassigen Rotwein und Liegekomfort auf Langstrecken zu gönnen. Auf der Hauptversammlung des Stahlkonzerns Thyssen-Krupp in Bochum spielt das heute eine Rolle. Aufgebrachte Aktionäre werden die Gepflogenheiten bei Auslandsreisen von Vorstand und Aufsichtsrat zur Sprache bringen.

Denn IG-Metall-Vorstand und Thyssen-Krupp-Aufsichtsrat Bertin Eichler hatte sich zu mindestens fünf Luxusreisen einladen lassen, wie das Handelsblatt vor einer Woche berichtet hatte. Eichler flog First Class: zum Formel-1-Rennen nach Shanghai mit der Lufthansa, nach Thailand und in die USA. Mit dem Image eines Vertreters für Tausende Stahlarbeiter passte das nicht überein.

„Aus heutiger Sicht ist es sinnvoll, diese Praxis zu überprüfen“, sagte Eichler und kündigte an, nicht mehr für den Aufsichtsrat zu kandidieren. Am Freitag verteidigte sich Eichler in der „Süddeutschen Zeitung“: Der Aufsichtsrat müsse sich die Milliardeninvestitionen von Thyssen-Krupp im Ausland vor Ort anschauen. „Wenn wir da mal fünf Tage unterwegs sind und mal einen halben Tag eine Sehenswürdigkeit besuchen, dann ist das okay“, sagte Eichler. Erste Klasse müsse man dafür allerdings nicht reisen, räumte der Gewerkschafter ein.

Die Differenz zwischen den Kosten für die Business- und der Ersten Klasse will er erstatten. Während ein Economy-Ticket eher um die 1000 Euro kostet für Hin- und Rückflug auf einer Langstrecke, ist es in der Business Class das drei- bis vierfache und kann in der Ersten Klasse 10.000 Euro übersteigen.

Müssen sich die großen Fluggesellschaften fürchten, dass Reisen im Luxus bei wichtigen Kunden als inakzeptabel gelten und Buchungseinbrüche befürchten? Schließlich hatte vor Jahren bereits Verdi-Chef und Lufthansa-Aufsichtsrat Frank Bsirske Ärger, weil er mit der Airline First Class in die USA flog. 2011 musste sich die Entwicklungshilfeorganisation GIZ fünf First-Class-Flüge des Vorstands rechtfertigen. Und für einen ehemaligen Thyssen-Krupp-Vorstand führten unter anderem Erste-Klasse-Reisen mit Journalisten zum Ende seiner Karriere im Konzern.

Eine neue Bescheidenheit bekommen Fluggesellschaften bereits zu spüren. Die Zahl der Erste-Klasse- und Business-Class-Passagiere hat noch immer nicht ganz das Niveau vor der Finanzkrise erreicht. Wachstum hat es bis November 2012 laut Daten des Luftfahrtverbands IATA vor allem in Ostasien gegeben. Bei Strecken zwischen Europa und Nordamerika herrschte zuletzt Stagnation – das schmerzt die Airlines, da auf den Nordatlantik-Routen die gehobene Plätze mehr als ein Fünftel zum Umsatz der Routen beisteuern.

Tatsächlich glaubt Jürgen Pieper, Airline-Experte beim Bankhaus Metzler, dass in Firmen selbst Vorstände aus Angst vor Kritik vor First-Class-Buchungen zurückschrecken. Dennoch ist er sich sicher, dass die „Zahl der Kunden über zehn Jahre gesehen eher gewachsen“ ist. Denn Selbstständige und Vermögende fühlten sich von der Ersten Klasse angesprochen.

Die Lufthansa zumindest verzeichnete im vergangenen Jahr einen Zuwachs bei Buchungen für die First Class, so ein Sprecher gegenüber Handelsblatt Online. Die Lufthansa sei weltweit die drittgrößte First-Class-Fluglinie – und setze weiter auf Kunden, die Luxus wollen.

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Der üble Beigeschmack der First Class

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Fensterplätze werden zu Betten umgebaut

Kommentare zu " Luxusflüge in der Kritik: Der üble Beigeschmack der First Class"

Alle Kommentare
  • Natürlich werden wir Manager weiter First und Business fliegen. Wir zahlen damit vorn auch so hohe Preise, damit Ihr hinten so billig nach Malle und Pattaya kommen könnt... und diejenigen die hier im Forum dagegen anstänkern weil sie es selbst noch nicht dahin gebracht haben, sollten sich mal überlegen ob das Handelsblatt das richtige Lesematerial für sie ist. (Auto-) Bild, Kicker und Frau im Spiegel wäre vermutlich besser...

  • Sie gehören offensichtlich zur Fraktion der Verständnislosen. Ich frage mich allerdings ob sie überhaupt eine Ahnung haben, wer als Vorstand first class fliegt.
    Ich bezweifle sehr, dass sie Unternehmer eines international tätigen Unternehmens sind, das ständige Intercontinentalflüge erfordert.

    Ich bin ebenfalls Unternehmer, Arbeitnehmer, das war früher. Ich hatte noch nie die Position, um First Class zu fliegen, und die , die die Möglichkeit hatten, das waren wenige Vorstände großer Konzerne, mit denen ich nicht hätte tauschen wollen. Schon gar nicht wegen der Flüge.
    Ansonsten gab es früher in jedem halbwegs anständigen Unternehmen Betriebsfeiern und Ausflüge, sofern die Wirtschaftslage passte, ohne das der Fiskus "geldwerte Vorteile" für sich reklamierte, weil er eine private Veranlassung sah. Was dem Vorstand eines Konzerns seine first Class, ist dem einfachen Mitarbeiter sein Betriebsausflug, oder dem Chef sein Dienstwagen.
    Sobald das Nützliche angenehm wird, steht heute der Fiskus vor der Tür.
    Ich bestreite nicht, das es Übertreibungen und Missbrauch gibt, aber diese pauschale Diskussion ist interessegesteuerte Ausnutzung von Dummheit.

    H.

  • Zu B. Giertz:
    "Economy-Class (die ist übrigens auch schon sehr bequem)"

    Ich weiß nicht, wie oft sie Langstrecken in Economy Class geflogen sind, und zwar dienstlich? Es schlaucht sehr, wenn man so eco fliegt und dann auch noch gleich danach arbeiten muß und sich nicht, wie ein Urlauber, erst mal sich erholen kann. Ich habe bis jetzt keine Gesellschaft gefunden, bei der Eco auf Langstrecke bequem war.

  • Als Unternehmer freue ich mich natürlich, dass Sie einen Arbeitgeber haben, der so viel Geld für die Mitarbeiter ausgibt, damit sie soviel Spaß haben. Es wäre sicherlcih für viele Leser interessant zu wissen, wer denn dieser Arbeitgeber ist. Auch für mich - vielleicht bezieht Ihr Unternehmen sogar unsere Produkte/Dienstleistungen und ich weiß beim nächsten Mal die richtigen Zahlen für die Rechnung zu finden.

  • ich war drei jahre in der ersten klasse - da brauch ich da nicht auch noch fliegen....

  • First Class dürfen nur die wenigsten Vorstände fliegen und ich frage mich, was dagegen spricht Vorständen diese Annehmlichkeit zu gewähren, wenn sie ständig rund um die Welt unterwegs sind. Mir haben schon die Dienstreisen als Banker gereicht, so gut kann gar kein Hotel sein, dass ich nicht lieber darauf verzichtet hätte, um zu Hause zu bleiben.
    Arbeitnehmer, die selbst selten unterwegs sind sehen nur das Besondere, dass aber sehr schnell bei Gewöhnung der Ödnis weicht.
    Die Kritik setzt an der falschen Stelle an, ich hätte nicht mal was dagegen, wenn der Vorstand zum Mond fliegt auf Firmenkosten. Dafür muss aber der Ertrag stimmen.
    Es geht also darum den Erfolg oder Misserfolg transparenter zu machen, dann spielt dieser Mist hier auch keine Rolle, der objektiv von außen kaum bewertbar ist.

    H.

  • Es ist immer dasselbe, mit billigem Neid werden die Menschen aufgehetzt.
    Im Grunde genommen ist danach alles was Spass macht ungerecht, egal ob es dafür gute Gründe gibt oder nicht.
    Was dass für die Arbeitsmoral und für die Moral schlechthin bedeutet, macht sich keiner klar.
    Es gibt natürlich Sachverhalte, die an Vorteilsnahme und Bestechung grenzen oder sogar den Tatbestand erfüllen.
    Danach wird aber gar nicht mehr gefragt, es reicht der erste Anschein.
    Dabei schädigen wir uns mit diesem Mangel an Differenzierung vor allem selbst, keine Betriebsfeier mehr, die nicht als geldwerter Vorteil versteuert werden muss und warum? Weil ein privater Vorteil unterstellt wird. Und worin besteht dieser Vorteil? Das einzige objektive Kriterium ist, dass es Spass macht.
    Der Umkehrschluss ist, Arbeit darf keinen Spass machen, ansonsten ist es eine Bereicherung im steuerrechtlichen Sinne. Was für ein ordnungspolitischer Schwachsinn, der nur puritanschen Neid der Idioten und die Gier des Staates nach Steuern befriedigt.
    Allenortes wird beklagt, dass die psychischen Erkrankungen am Arbeitsplatz zunehmen. Wieso wundert das eigentlich, wo Spass bei der Arbeit Grundlage der Besteuerung geworden ist?

    H.

  • am besten ist noch, wenn die lufthansa ihre eigenen mitarbeiter die leeren plätze befüllen lässt.

    die airlines haben aus meiner sicht die zeit noch nicht erkannt. der kunde bleibt auf der strecke.

    würde man ihn richtig behandeln, so würde er sicher auch geld ausgeben.

  • Die Problematik sehe ich ersteinmal darin, das der angestellte Vorstand oder die angestellte "Tussi" vom IWF fremdes Geld verbrennen. Anstellungsvertrag hin oder her.

    Wem die Firma selbst gehört oder als Privatier fliegt; kann seine Asche raushauen wie er will.

    Stilvoll finde ich, wenn ein Vorstand seinen Topuntergebenen die Businessclass zugesteht; aber selbst nicht nutzt. Ansonsten: alles unötiges Schickimicki.



  • Das hat nicht unbedingt mit Neid zu tun.
    First-Class kostet sehr viel Platz.
    Platz den man ansonsten für Economy-Class
    (die ist übrigens auch schon sehr bequem) oder d. 3. Klasse nutzen könnte.
    Entweder für ein bisschen mehr Beinfreiheit oder mehr Passagiere also niedrigere Preise.

    Nicht gelesen ?
    MIt First-Class machen die Airlines kaum Gewinn, also wird dieser Luxus von den anderen Passagieren quasi subventioniert !
    Und dann hat der 99Euro-Passagier, der für seine 1600 Euro om Monat vielleicht mehr leisten muss als der eine oder andere Fist-Class--Passagier schon Grund zum Meckern !!

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