Luxusgüter Uhrenfirmen im Graumarkt-Dilemma

Auf dem Graumarkt lassen sich Luxusuhren mit hohen Rabatten erstehen. Die Hersteller, die um ihr Image fürchten, geißeln das als „Krebsgeschwür“. Doch hinter den Kulissen arbeiten sie verstärkt mit den Händlern zusammen.
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Der Graumarkt ist für Händler eine gute Gelegenheit, überschüssige Ware los zu werden. Die erfolgsverwöhnte Uhrenindustrie stellt dies vor ein wachsendes Problem. Quelle: Reuters
Luxusuhr von Rolex

Der Graumarkt ist für Händler eine gute Gelegenheit, überschüssige Ware los zu werden. Die erfolgsverwöhnte Uhrenindustrie stellt dies vor ein wachsendes Problem.

(Foto: Reuters)

ZürichEine diamantenbesetzte Rolex Datejust 40 Prozent unter dem offiziellen Verkaufspreis von 34.000 Dollar? Oder eine Omega Speedmaster Moonphase für weniger als 10.000 Dollar? Wer könnte dazu schon Nein sagen? Immer mehr Kunden sind es leid, zu viel für einen prestigeträchtigen Zeitmesser am Handgelenk zu bezahlen und decken sich auf dem Graumarkt ein.

Während Uhrenliebhaber ein Schnäppchen machen können, bietet der Graumarkt für Händler eine gute Gelegenheit, überschüssige Ware los zu werden. Die erfolgsverwöhnte Uhrenindustrie stellt dies vor ein wachsendes Problem. Uhrenmanager Jean-Claude Biver bezeichnet den Graumarkt sogar als „Krebsgeschwür der Industrie“. Doch hinter den Kulissen arbeiten immer mehr Hersteller mit den Händlern zusammen.

Die Firmen sind in der Zwickmühle. Seit bald zwei Jahren sinkt der Absatz, weil das Geschäft mit Touristen vom chinesischen Festland in Hongkong und Europa schwächelt. Dies hat zu hohen Lagerbeständen geführt, denn die Hersteller können nur mit einer gewissen Verzögerung auf eine schleppende Nachfrage reagieren. Mechanische Uhren werden in einem langwierigen Prozess aus oftmals hunderten von Teilen zusammengesetzt, sodass die Produktionspläne in der Regel zwei Jahre im voraus gemacht werden.

Aber selbst bei einer Flaute untersagen die Hersteller den offiziellen Händlern an den teuren Einkaufsstraßen, die Preise zu stark zu senken. Sie fürchten, dass hohe Rabatte dem sorgsam gepflegten Markenimage Schaden zufügen könnten. Biver, Chef der Uhrensparte des weltgrößten Luxusgüterherstellers LVMH, sagte, der Graumarkt sei für Luxusgüter besonders schädlich, weil die zu niedrigen Preise die Aura von Prestige zerstörten, die das Produkt für den Kunden überhaupt erst begehrenswert machten. „Das bedeutet den langsamen Tod von Luxusgütern.“

Die Highlights der Uhrenmesse
Rolex
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Es sind oft Kleinigkeiten, die ein neues Modell von Rolex von seinen Vorgängern unterscheidet. Seinen 50. Geburtstag feiert das Modell Oyster Perpetual Sea-Dweller. Das Jubiläumsmodell hat ein um drei Millimeter auf 43 Millimeter vergrößertes Edelstahlgehäuse und zur besseren Ablesbarkeit des Datums die Zykloplupe über dem Datum geschenkt bekommen.

Konstantin Chaykin
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Der russische Uhrmacher Konstantin Chaykin braucht nur wenig, um aus einer technisch konventionellen Uhr einen echten Hingucker zu machen. „The Joker“ heißt das Modell – angelehnt an die böse Figur aus den Batman-Comics. Die handelsübliche Mondphasenanzeige fungiert dank weniger Veränderungen des Rahmen als Mund samt roter Zunge. Die schielenden Augen sind die Darstellung der Stunde und Minuten. Je nach Uhrzeit und Stand des Mondes, verändert sich das Gesicht der Uhr im wahrsten Sinne des Wortes. Die zwei Kronen hat die Uhr aus einem simplen Grund: Sie sollen die Ohren darstellen. 7000 Euro soll die spielerische Variante kosten.

TAG Heuer
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Von außen klassisches Uhrmacherhandwerk, innen Elektronik statt Mechanik. TAG Heuer setzt in Basel unter anderem auf die Smartwatch Connected Modular 45. Der Kunde kann die Bauteile des Gehäuses individuell auswählen. Der Clou der Uhr: In einigen Jahren, wenn die elektronische Technik von heute nur noch alt ist, kann der Besitzer sich ein mechanisches Uhrwerk einbauen lassen.

Patek Philippe
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Die Genfer Manufaktur Patek zeigt in Basel unter anderem das Modell 5960/1. Hinter der Zahlenkombi verbirgt sich eine Uhr, die Wochentag, Monat und Tag anzeigt. Darüber hinaus ist mit dem Chronograph eine Stoppuhr enthalten. Diese wiederum springt zurück, wenn man sie auf Null stellt – das sogenannte Flyback, eine mechanische Komplikation. Der kleine Zeiger oben mit + und - zeigt an, wie viel Gangreserve das Automatikwerk noch hat.

MCT Watches
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Digitale Anzeige ja, Quarzantrieb nein: Das Modell Dodekal von MCT Watches zeigt die Stunde – hier die 12 – mittels eines Mechanismus an, der die weißen Striche austauscht. Die Minutenanzeige läuft hingegen konventionell im Kreis.

Tudor
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Tudor, das ist Rolex' kleine Schwester – und das verhehlt sie auch nicht. Dieser Black Heritage Chronograph mit Armband in Jeansoptik ist für die Marke dennoch ein besonderer Schritt: Im Inneren tickt erstmals ein Chronographenuhrwerk aus der eigenen Manufaktur.

MB&F
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Das Ufo ist ein Podest für einen Stift. Das klingt wirr und wie bei vielen Projekten des Uhrenunternehmens MB&F, die mechanische Skulpturen fertigen, ist es das auch. Das Unternehmen Caran d'Ache, bekannt für seine Stifte, hat die Uhrmacher mit diesem Projekt beauftragt. Die Rakete, die auf der Basis steht, ist das Schreibutensil.

Für Händler ist der Graumarkt, auf dem Original-Uhren legal an den Mann gebracht werden, jedoch ein wichtiger Vertriebsweg. Vor allem im Fernen Osten, aber auch in den USA sitzen viele Händler auf unverkaufter Ware, deren Wert schnell in die Zehntausende Franken gehen kann. „Viele Einzelhändler haben eine Marge von 45 Prozent und wenn ein Laden Geld braucht, kann man Preisnachlässe in dieser Größenordnung beobachten“, sagte Jean-Christophe Babin, Chef des zu LVMH gehörenden Luxuslabels Bulgari.

Viele Hersteller haben allerdings im Stillen begonnen, mit den Händlern zusammenzuarbeiten, auch um sich einen gewissen Einfluss auf diesen parallelen Vertriebskanal zu sichern, wie mehrere Industrieexperten sagen. „Es gibt viele Quellen für Graumarkt-Uhren“, erklärt ein Manager. „Offizielle Einzelhändler, die schlecht laufende Modelle loswerden wollen, Vertriebsgesellschaften in einzelnen Ländern und manchmal auch die Marken selbst.“

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Die Hersteller wollen Einfluss auf den Graumarkt nehmen
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