Luxusmarken entdecken Kleinkinder
Edle Chi-Chi-Mode für die lieben Kleinen

Viel dran ist an der Jeanshose nicht: Das dunkelblaue Baumwollprodukt der Marke Baby Dior mit Gummizug am Bund und verstärktem Knie ist so groß wie ein Briefbogen, passt einem sechs Monate alten Kind – und kostet 106 Euro. Das Erstaunliche daran: Immer mehr Eltern sind bereit, so viel Geld für eine Hose auszugeben, die vielleicht ein Vierteljahr passt.

DÜSSELDORF. Der Markt für hochpreisige Babyausstattungen und teure Kindermode wächst: Ob Burberry, Dior, Escada oder Hermes – fast alle internationalen Modehäuser haben in den vergangenen Jahren den Nachwuchs für sich entdeckt. Kürzlich kündigte auch der US-Designer Marc Jacobs seine Minikollektion an. Die Nobelschneider bieten Kaschmirpullover für 300 Euro oder straßbesetzte Jeanshosen für 199 Euro an. „Eltern schätzen Markenware, weil sie damit Kompetenz in Modefragen verbinden“, sagt Heijo Gassenmeier, stellvertretender Geschäftsführer des Bundesverbands des Deutschen Textileinzelhandels (BTE). „Auch Kinder haben schon sehr früh ein ausgeprägtes Markenbewusstsein.“

Hinzu kommt, dass die sinkende Geburtenrate den Trend verstärkt: Wenn es immer weniger Babies gibt, um die sich immer mehr Erwachsene scharen, fallen Aufmerksamkeiten und Geschenke größer aus. Zudem kann sich eine Gruppe von älteren Eltern einen gehobenen Lebensstandard leisten, den sie auf ihren Nach-wuchs überträgt. „Frauen werden immer später Mutter und können sich daher hochwertige Marken leisten“, sagt Karin Fries vom ehemaligen Institut für Jugendforschung, das heute zur Marktforschungsgruppe Synovate gehört. „Kinder repräsentieren Status.“ Einzelhändler berichten davon, dass Eltern jährlich bis zu 10 000 Euro für Juniorkleidung ausgeben – pro Kind.

So erklärt es sich, dass kleine Prinzessinnen in Burberry-Mänteln und Mini-Rabauken in Ralph Lauren-Poloshirts herumlaufen – während der Markt für Kinderkleidung im Ganzen schrumpft: Für 2005 hat das Statistische Bundesamt einen Umsatzrückgang von knapp drei Prozent ausgemacht, im ersten Quartal 2006 waren es acht Prozent. Grund für die rückläufigen Umsätze ist der Siegeszug von Unternehmen wie Aldi, Lidl und Tchibo, die immer häufiger Strampler und Rutschsocken im Angebot haben. Hinzu kommen die günstigen Sortimente von C&A, Ernstings, Kik oder Takko, die Herstellern und Fachhändlern im mittleren Segment das Leben schwer machen. Der BTE beziffert den Gesamtumsatz der Branche mit 2,64 Mrd. Euro.

Für die großen Designhäuser ist die Marktspreizung eine willkommene Entwicklung: Denn häufig handelt es sich bei ihrer Kindermode um Entwürfe für Erwachsene, die auf Mini-Format eingedampft werden. Escada lässt die Mode für Mädchen und Mütter von einem Designer entwerfen. Auch bei Burberry ist der Chefdesigner für alle Produktlinien verantwortlich. Bei geringem Designaufwand werden so Maxi-Margen erzielt.

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