Luxusmarkt wächst: Die neue Lust auf Luxus

Luxusmarkt wächst
Die neue Lust auf Luxus

Uhren, Schmuck, Mode, Edelkarossen: Die Deutschen haben, trotz Krise, den Luxus für sich entdeckt - und ihre Einstellung scheinbar geändert. Die Mittelschicht investiert lieber in materielle Dinge, als in die Banken.
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Das Berliner Kaufhaus des Westens ist seit 105 Jahren Abbild deutscher Konsumkultur. Als das goldene Eisengitter vor dem Eingang des Kadewe am 27. März 1907 zum ersten Mal im Boden verschwindet, erwartet die Besucher ein „Sortiment der Superlative“ aus Kaiserreich und Kolonien. Es folgen die dekadenten 20er, die Kriegsjahre, das Wirtschaftswunder mit Weiße-Ware-Wochen und Fresswelle, schließlich die Orientierungslosigkeit der 90er.

Im März 2012 versinkt das originale goldene Gitter immer noch jeden Morgen um 10 Uhr und schon nach wenigen Schritten ist klar, was heute die Sehnsüchte der Deutschen und Deutschlandbesucher sind: Haute Couture, Parfüms, rahmengenähte Schuhe. Ein Gang aus Marmor, der so genannte Luxusboulevard, umschließt das Erdgeschoss. An diesem inszenieren sich mit viel Glas, Gold und Glanz teure Marken wie Bulgari, Dior, Chanel, Prada, Montblanc, Tod’s – und jedes Jahr werden es mehr. 2011 kamen Hermès und Rolex dazu, dieses Jahr werden es zwei weitere sein.

Das Kadewe ist nur ein Beispiel für die neue Lust auf Luxus, die in Deutschland vielerorts spürbar ist. So auch in der tiefsten sächsischen Provinz, in Glashütte. Entlang der Altenbergerstraße gurgelt links die Müglitz und rechts liegen die Uhrenmanufakturen Nomos, Lange & Söhne und Glashütte Original. 328 Mitarbeiter, darunter rund 70 Uhrmacher, beschäftigt allein Glashütte Original. Die Geschäfte laufen so gut, dass die Produktionkapazitäten gerade ausgebaut werden. In den nächsten drei Jahren sollen zudem 100 neue Mitarbeiter eingestellt werden. „Wir erfreuen uns derzeit einer außerordentlich guten Auftragslage. Insofern wachsen wir auch zweistellig“, sagt Dieter Pachner, Mitglied der Geschäftsführung von Glashütte Original.

Geiz ist geil war gestern in Deutschland. Der deutsche Luxusmarkt wächst. Nach einer Studie der Strategieberatung Roland Berger, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt, hat der deutsche Luxusmarkt im Jahr 2011 um 16 Prozent auf 12,9 Milliarden Euro zugelegt.

Deutscher Luxusmarkt – das bedeutet: Was wird in Deutschland für Luxus ausgegeben? Und umfasst: den Umsatz deutscher und internationaler Marken wie Louis Vuitton, Bulgari, Montblanc und Glashütte Original in Deutschland. Die Ergebnisse basieren auf Angaben, die die Verantwortlichen von 50 Marken in Interviews und Umfragen machten. Dazu gehörten die Deutschland-Chefs von Moet Hennessy (Champagner, Whiskey) Jens Gardthausen, der Estée Lauder Gruppe (Kosmetik), Beate Fastrich sowie von Montblanc (Schreibgeräte), Thomas Schnädter.

Kommentare zu " Luxusmarkt wächst: Die neue Lust auf Luxus"

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  • ich gebe in allen belangen @keeper recht. lest euch mal die lebensläufer der millionäre der 50-iger jahre durch. mit wieviel mühen, schwierigkeiten, teilweise ohne einen pfennig in der tasche und dazu noch auf dem fahrrad ihre millionen nach vielen jahren existenzängsten aufgebaut haben.hat sich mal jemand gedanken gemacht, warum es nicht mal 1% von der gesamten weltbevölkerung es zum millionär schaffen? ich bib selber betroffen. durch die jahrelange, schwere krankheit meiner tochter (leukämie) viele jahre hartzempfänger gewesen. und nun schon seit längerer zeit in der luxusgüterbranche als subunternehmer tätig. nur mit schulden begonnen, weil das arbeitsamt einen nicht unterstützt und garnicht will dass du aus der armut dich befreist. nachdem was ich in diesem sektor lernen musste, erneute investitionsschulden gemacht habe, schlaflose nächte, an schwarzgeldbetrüger geraten, lehrgeld an abmahnungen spamwerbung in tausende euro höhe und, und ,und. weit über 99,9%, ist wissentschaftlich bewiesen, hätten dabei in den ersten 6 monaten die flinte ins korn geworfen. aber über die reichen meckern und aus wut, weil man selbst nicht in der lage ist sowas anzufangen und noch schwieriger, zu beenden, denen ihre autos und andere dinge zerstören und auf die strasse rennen und schreien gegen die reichen.solche berichte von solchen menschen wiedern mich an.

  • Wenn die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander geht ist es doch logisch, dass die Reichen immer mehr für Luxusgüter verprassen können. Unser Land, aber leider nicht nur unseres, steuert geradewegs auf Zustände wie in Mexiko zu, wo die Superreichen mit dem Hubschrauber von ihren Villen aus in die Stadt fliegen, um nicht an den verwahrlosten Wellblechhütten der Millionen Habenichtse vorbeifahren zu müssen.

  • @keeper: Noch ein Wort zum Thema "Ausbeuter": dazu gehören für mich nicht nur die Unternehmer, die von Billigst- und Kinderarbeit in den ärmeren Ländern profitieren; sondern auch diejenigen, die sich auf Kosten anderer einen faulen Lenz in der sozialen Hängematte (mit all-you-can-eat Service) machen.

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