Luxusmode aus Italien
Wiedergeburt des Handwerks

Die italienische Modezunft drohte ihre Wurzeln zu verlieren. Berufseinsteiger zeigen wenig Interesse am alten Handwerk. Kaschmir-Hersteller Brunello Cucinelli will mit einer eigenen Schule gegensteuern – mit Erfolg.
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SolomeoDer Blick durch die Bogenfenster geht auf Zypressen. Im Hintergrund läuten die Kirchturmglocken. Im Licht durchfluteten Raum sitzen junge Menschen über ihre Knie gebeugt und nähen Knopflochränder. Am Tisch gibt ein Maestro mit modischem Bart und perfekt sitzenden Hemd Anweisungen, wie ein Schüler den Stoff für das Jackett zu schneiden hat.

So heißt sie den Besucher willkommen, die Scuola die Mestieri – die hauseigene Handwerks-Schule des Edel-Kaschmir-Herstellers Brunello Cucinelli. Hier im umbrischen Solomeo, dem Hauptsitz des börsennotierten Unternehmens, können junge Menschen seit zwei Jahren verschiedene Handwerksformen erlernen, die für die Herstellung der edlen Kleidungsstücke wichtig sind: Vom Stopfen bis zum Schneidern.


Lange waren diese wichtigen Handfertigkeiten in Italien vom Aussterben bedroht. Junge Leute wollten diese Arbeiten nicht mehr machen. Dabei sind sie für die Luxushersteller extrem wichtig. „Sie wollten alle Designer werden, aber keiner wollte die Arbeit machen, die wirklich dahinter steht“, sagt Brunello Cucinelli, Gründer und Chef des gleichnamigen Unternehmens. Deshalb haben er und andere Unternehmer gegengesteuert. Bottega Veneta, der zur französischen Kering-Gruppe gehörende Edel-Taschen-Hersteller, veranstaltet ebenso eigene Kurse wie das italienische Unternehmen Prada.

„Die Gefahr für das Handwerk war vor ein paar Jahren akut. Heute ist sie gebannt“, sagt Armando Branchini von der auf Luxus spezialisierten Beratung Intercorpoate. „Wir haben in der letzten Minute die Kurve gekratzt“, sagt Brunello Cucinelli. Das Problem lag in den Augen von Cucinelli auch im sozialen Ansehen. „Wenn Du früher in der Disko gesagt hast, Du bist Schneider, warst Du uninteressant“, stellt er fest, „heute ist das anders.“

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Der Fachmann ist nicht zu ersetzen

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