Luxusproduzent
Chinesen kaufen weniger Uhren von Richemont

Im Luxus-Markt China haben teure Marken derzeit mit Gegenwind zu kämpfen. Die Regierung kämpft gegen Konsum-Protz. Der Luxusgüterkonzern Richemont tut sich deswegen mit seinem China-Geschäft schwer.
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ZürichDie teuren Uhren und der Schmuck des Luxusgüterkonzerns Richemont finden im einstigen Boom-Markt China nicht mehr ganz so reißenden Absatz. Konzernweit wuchs der Umsatz zwar, aber nicht mehr so stark wie früher. Das Schweizer Unternehmen gibt sich auch für die Zukunft - trotz einer Verbesserung der Lage im Oktober insgesamt - vorsichtig: Alles in allem bleibe die Stimmung bei den Verbrauchern gedrückt und das sei Grund für erhöhte Vorsicht.

Der Umsatz des Konzerns stieg von April bis September um neun Prozent auf 5,32 Milliarden Euro und damit nicht mehr so stark wie ein Jahr zuvor mit zwölf Prozent, wie Richemont am Freitag mitteilte. In China fielen die Umsätze sogar. Der Anteil Asiens am Gesamtumsatz sank leicht auf 40 Prozent, während sich der Europa-Anteil auf 38 Prozent erhöhte. Mit Kostensenkungen und Gewinnen aus Wechselkurs-Absicherungsgeschäften gelang es dem Konzern aber, den Gewinn um zehn Prozent auf 1,185 Milliarden Euro zu steigern. Aber auch da kam Richemont nicht mehr an den Gewinnsprung des vergleichbaren Vorjahreszeitraums heran: Damals hatte die Firma, zu der unter anderem Cartier und Luxusuhrenhersteller wie IWC und Jaeger-LeCoultre gehören, ein Gewinnplus von mehr als 50 Prozent verbucht.

Im Luxus-Markt China haben teure Marken derzeit mit Gegenwind zu kämpfen. Eine Regierungskampagne gegen Konsum-Protz wird flankiert von Bloggern, die im Internet Funktionäre bloßstellen, deren Kleidung und Accessoires nicht mit ihrem Staatssold in Einklang zu bringen seien.

Ein Lichtblick für den Konzern war der vergangene Monat: Im Oktober zogen die Umsätze wieder etwas stärker an. Teurer Schmuck sei in Asien außergewöhnlich gut gelaufen, berichtete Richemont. Der Oktober-Umsatz stieg zu konstanten Wechselkursen um zwölf Prozent. Von einer Trendwende mochte Richemont aber nicht sprechen.

Marktspekulationen, Richemont könnte einzelne Geschäfte wie die Handtaschenmarke Lancel verkaufen, erteilte der Konzern eine Absage. Ein solcher Schritt sei zwar erwogen worden, sagte Finanzchef Gary Saage. Der erzielbare Preis sei aber nicht gut genug gewesen. „Zu einem tiefen Preis zu verkaufen, hätte keinen Sinn gemacht und eine Vernichtung von Werten für die Aktionäre bedeutet“, sagte Saage. Wenn das Management stimme, könne auch Lancel profitabel betrieben werden. Es gebe gegenwärtig oder für die absehbare Zukunft keine Verkaufspläne mehr.

Das Halbjahresergebnis entsprach den Erwartungen der Analysten. An der Börse führten die Richemont-Aktien mit einem Minus von 2,4 Prozent die Verliererliste im Schweizer Leitindex SMI an.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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