Luxusprojekt kann nicht über Realität täuschen
Frenzelsche Dörfer in der Toskana

Der Tui-Konzern hat in der Toskana ein komplettes Dorf mitsamt Burg, Weinbergen und Wohnhäusern gekauft. Aus dem schon ziemlich verfallenen, aber noch bewohnten Dorf soll eine riesige Touristenanlage werden. Doch das Luxusprojekt kann nicht über die Realität im deutschen Konzern täuschen.

HB HANNOVER. Der Tui-Konzern hat in der Toskana ein Dorf samt alter Burg, Wehrmauer, Weinbergen und Olivenhainen gekauft, um dort ein gigantisches Tourismusprojekt zu verwirklichen. Nach Angaben des Konzerns vom Mittwoch handelt es sich um das größte Tourismusprojekt in der Geschichte des Unternehmens und der Toskana.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur AP liegt die Investitionssumme über 250 Mill. Euro. 300 neue Arbeitsplätze sollen in dem Ort südlich von Pisa entstehen. Der Ort Tenuta de Castelfalfi liegt laut Tui in Norditalien zwischen Florenz, Pisa und Siena. Das ganze Projekt umfasst elf Quadratkilometer Land, das noch bewohnte Dorf, die Burg samt Burgmauer. Nur die Kirche konnte Tui nach Angaben eines Sprechers nicht kaufen. Dennoch soll das Gotteshaus auf Konzernkosten saniert werden.

Der Ort leidet laut Tui seit Jahren unter dem Wegzug von Einwohnern, mehrere Gebäude seien verfallen. Die Einwohner sollen aber in dem Dorf bleiben. Auch Landwirtschaft, vor allem Wein - und Olivenanbau, soll weiterhin betrieben werden. Im Dorf sind Boutiquen, Wellnessangebote und Restaurants geplant.

Auf dem Gelände sollen Villen und Luxuswohnungen entstehen, ein Dorfhotel, ein Robinson Club und ein weiteres Hotel. Ein bestehender Golfplatz soll ausgebaut werden. Tui will nach eigenen Angaben auf eine umweltfreundliche Umsetzung achten und die Gäste mit Obst, Wein und Gemüse aus eigenem Anbau versorgen, sowie Strom aus erneuerbaren Energien erzeugen. Eine endgültige Baugenehmigung steht laut Tui noch aus. Vorbild des Projektes ist das Urlaubsdorf Land Flesensee in Mecklenburg-Vorpommern. Bei dem italienischen Dorf hält Tui 85 Prozent der Anteile, italienische Partner den Rest.

Doch trotz dieser schönen Illusions-Projekte musste sich Tui-Chef Michael Frenzel zunächst auf der Hauptversammlung der harten Realität stellen: die Aktionäre äußerten nämlich scharfe Kritik an Frenzel. Die Ergebnisse seien „katastrophal“. Die Tui zahlt ihren Aktionären für das Geschäftsjahr 2006 keine Dividende. Andernfalls wäre die Substanz des Unternehmens geschwächt worden, sagte Frenzel. DWS-Fondsmanagerin Susan Levermann sprach von einer „völlig enttäuschenden unternehmerischen Bilanz.“ Michael Gierse von Union Investment sagte, die Aktionäre hätten ihr Geld besser in andere Unternehmen investieren sollen. Bereits 2006 hatten Aktionäre geschimpft, Tui stehe für „Tränen unter Investoren“.

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