Luxusuhren Schweizer Exporte brechen ein

Das Interesse an Luxusuhren hat weltweit abgenommen. Das hatte starke Auswirkungen auf die Schweizer Uhrenindustrie. Doch das ist nicht der einzige Faktor, welcher sich derzeitig negativ auf die Schweiz auswirkt.
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Teure Armbanduhren boten sich immer als nette Geste für Freunde und Familie an. Das ist mittlerweile stark zurückgegangen. Quelle: dpa
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Teure Armbanduhren boten sich immer als nette Geste für Freunde und Familie an. Das ist mittlerweile stark zurückgegangen.

(Foto: dpa)

BielMangelnde Lust auf Luxus hat die Schweizer Uhrenindustrie schwer mitgenommen. Die drittgrößte Exportindustrie des Landes musste 2016 einen Einbruch um 9,8 Prozent auf 18,3 Milliarden Franken (17 Milliarden Euro) hinnehmen, wie der Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie (FH) am Donnerstag in Biel mitteilte. „Aber die Talsohle dürfte überwunden sein“, schrieb der Verband. Er geht davon aus, dass sich die Lage 2017 stabilisiert. Nur die chemisch-pharmazeutische Industrie und Hersteller von Maschinen und Elektronik exportieren mehr als die Uhrenindustrie.

Der Verband nannte drei Gründe für den Einbruch: neben der Tourismusflaute in Europa und dem starken Franken etwa die Erhöhung einer Luxussteuer in China. Damit will die Regierung in Peking unter anderem die Korruption bekämpfen. Luxusuhren waren stets ein bewährtes „Geschenk“. „Wir unterstützen diesen Kampf“, sagte der Präsident des Verbandes, Jean-Daniel Pasche, der Deutschen Presse-Agentur. Zugleich betonte er: „Wir sind aber Nebenopfer.“

„Zwei Drittel des Exportvolumens entfallen auf Uhren für durchschnittlich 17.000 Franken“, erklärte Analyst Jon Cox vom Finanzdienstleister Kepler Cheuvreux in Zürich. „Etwa die Hälfte der hochpreisigen Uhren wird von Chinesen gekauft.“

Gerade Luxusuhren waren weniger gefragt. Bei Edelmetalluhren lag der Einbruch bei 18,5 Prozent. Insgesamt gingen 25,4 Millionen Uhren ins Ausland, so wenig wie seit 2009 nicht mehr. Wie sehr die Branche vom chinesischen Geschäft abhängt, zeigt auch die Entwicklung der Märkte: In Hongkong, wo traditionell am meisten umgesetzt wird, brach das Geschäft um 25,1 Prozent ein.

Das sind die neuen Luxusuhren-Trends
Uhr aus Käse
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Das Gehäuse dieser Uhr scheint aus Marmor hergestellt zu sein – es ist aber Käse, genau gesagt Vacherin Mont d'Or. Der Käse wurde pasteurisiert und dann mit Kunststoff gemischt und in Form gebracht. Ausgestellt wurde die Kreation der Marke H. Moser & Cie. in Genf auf dem SIHH. Das erst 2002 gegründete Unternehmen machte von Beginn an mit außergewöhnlichen Ideen von sich reden. Die Uhr trägt deswegen nicht umsonst den Namen „Swiss Mad Watch“. Der Preis des Unikats liegt bei 1.081.291 Franken.

Automatikuhr
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Das zum Richemont-Konzern gehörende Unternehmen Baume & Mercier deckt in der Gruppe das Einstiegssegment der Luxusuhren ab. Diese Automatikuhr mit Stahlband soll die sportlich maskuline Kundschaft ansprechen. Der Preis liegt je nach Ausführung des Armbandes bei rund 2000 Euro

Tourbograph
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Der Namensgeber, Unternehmensgründer nach der Wende und Mit-Inhaber, Walter Lange, verstarb am 16. Januar. Die Entwicklung des Tourbograph pour le Mérite hat Lange, der bis zum Schluss im Unternehmen präsent war, noch verfolgen können. Der Tourbograph erhält seinen Namen aus zwei seiner Komplikationen, die verbaut wurden: Dem Tourbillon und dem Chronograph. Dazu kommt noch ein ewiger Kalender. 684 Teile sind im Uhrwerk verbaut. Der Preis für eines der 50 Modelle, die gefertigt werden: 480.000 Euro.

Aquapod
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Das Unternehmen MB&F möchte keine Uhren, sondern Skulpturen für den Arm entwerfen, die zudem die Zeit anzeigen. Für das Modell Aquapod haben sich die Gestalter an einem der unbeliebtesten und gleichzeitig faszinierendsten Tiere orientiert: Der Qualle. Das gewölbte Gehäuse soll im Profil einer aufsteigenden Qualle ähneln. Zugleich versprechen die Entwickler eine gute Ablesbarkeit. In Höhe des weißen Dreiecks auf der Unterseite der Halbkugel ist die Zeit abzulesen - in diesem Fall 8 Uhr und 35 Minuten. Der Preis für die Uhr: sechsstellig.

Luminor
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Schwärzer als die Nacht – das ist nur eine der Besonderheiten der Luminor Panerai Lab-ID Luminor 1950 Carbotech. Das Zifferblatt ist ein extremes Tiefschwarz. Das Gehäuse besteht aus einer Carbonmischung, darin steckt auch der Clou: Die Carbonteile benötigen im Gegensatz zu herkömmlichen mechanischen Uhren keinen Schmierstoff mehr. Die Uhr ist damit wartungsfrei, da keine Fette enthalten sind. Panerai plant, für die Uhr eine Garantie von 50 Jahren auszuloben. Der Preis liegt bei 50.000 Euro.

Jaeger LeCoultre
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Drei Mitglieder einer neuen Familie. Die Schweizer Marke Jaeger LeCoultre bringt neben exorbitant teuren Preziosen dieses Jahr auch ein Friedensangebot in der Welt der Luxusuhren auf den Markt. Zwischen 6000 bis 10.000 Euro liegen diese Modelle, beginnend bei einer einfachen Dreizeiger-Uhr mit Datum über eine Weltzeituhr bis zu einem Chronographen. Nach Jahren des teurer, teurer, teurer, besinnen sich die Uhrenhersteller wieder derjenigen, die weder das Geld eines Kleinwagens, Wagenparks oder Villa in eine mechanische Luxusuhr investieren möchten.

McLaren
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Von günstig oder Friedensangebot kann bei diesem Modell des Herstellers Richard Mille keine Rede sein. Die Uhr wurde in Kooperation mit dem Rennsportstall McLaren entwickelt und kostet mehr als eine Million Euro. Sie ist dafür extrem leicht dank des Graphen-Gehäuses, eines Werkstoffs, den Richard Mille in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern anfertigen konnte. Das Ergebnis ist der Superlativ „leichteste Uhr mit Tourbillon und Schleppzeiger-Chronograph“. Der Schleppzeiger-Chronograph erlaubt die Messung von Zwischenzeiten, der Tourbillon stammt aus der Welt der Taschenuhren und soll größere Genauigkeit bringen. Dabei dreht sich die Unruh in einem Käfig einmal die Minute um die eigene Achse. Bei Taschenuhren, die meist die ganze Zeit in einer Lage aufrecht in der Tasche ruhten, glich das Tourbillon den Einfluss der Schwerkraft aus - in einer Armbanduhr soll es vor allem der Beweis großer uhrmacherischer Fähigkeiten sein, denn der Zusammenbau gilt als sehr kompliziert.

Deutschland ist der siebtgrößte Markt für Schweizer Uhren - dort ging der Absatz um 10,8 Prozent auf 1,1 Milliarden Franken zurück. Die Branche meldete lediglich in 2 der 15 wichtigsten Märkte ein Absatzplus: In Großbritannien und Nordirland, wo die Industrie vom schwachen Pfund profitierte, sowie in Südkorea.

  • dpa
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