Macht wird in der Konzernleitung konzentriert – Gewinn liegt höher als angekündigt
Bahnchef Mehdorn baut um

Deutsche-Bahn-Chef Hartmut Mehdorn hat sich mit seinen Plänen zum Umbau der Konzernstruktur durchgesetzt. Wie der Aufsichtsrat nach seiner Sitzung am Mittwoch bekannt gab, hat er die „Weiterentwicklung der Unternehmens- und Führungsstruktur“ einstimmig gebilligt. „Wir wollen schneller und schlagkräftiger werden“, begründete Mehdorn die Änderungen.

kol DÜSSELDORF. Mit der Neuordnung werden die zahlreichen Tochterunternehmen der Bahn weitgehend entmachtet und die Stellung des Holding-Vorstands gestärkt. Die bisher zwischen Konzernleitung und den operativen Geschäftsfeldern angesiedelte Ebene der Unternehmensbereiche entfällt. Die Geschäftsfelder berichten künftig direkt an den Vorstand. „Kurze Entscheidungswege und eine schlanke Organisation sind Voraussetzungen für ein gutes Angebot und damit den wirtschaftlichen Erfolg“, sagte Mehdorn.

Zugleich baut der Bahnchef seinen Vorstand um. Der bisherige Personalvorstand Norbert Bensel übernimmt das Ressort „Transport und Logistik“ von Bernd Malmström, der im Streit um die von Mehdorn verfolgte zentralistische Struktur seinen Abschied angekündigt hatte. Neu geschaffen wird das Ressort „Infrastruktur und Dienstleistungen“, in dem die Bereiche Schienennetz, Bahnhöfe und und Dienstleistungen gebündelt werden. Geleitet wird es von Stefan Garber, dem bisherigen Generalbevollmächtigten für Technik und Beschaffung. Neu zugeschnitten wurde auch der Bereich von Roland Heinisch. Unter dem Namen „Systemverbund“ werden Technik, Einkauf und internationale Aktivitäten zusammengefasst.

Der Betriebsrat begrüßte die Änderungen. „Es ist sinnvoll, Entscheidungswege abzukürzen und Kompetenzen zu bündeln“, sagte der Konzernbetriebsratsvorsitzende Günter Kirchheim. Die Deutsche Bahn könne nun schneller agieren. So werde auch der Kunde von der Reform profitieren.

Kritiker sehen in der zentralistischen Struktur dagegen eine Rücknahme der Bahnreform vom Beginn der 90er-Jahre, die den Staatskonzern in selbstständige AGs geteilt hatte. So nannte der CDU-Verkehrsexperte Dirk Fischer den Konzernumbau einen Vertrauensbruch gegenüber dem Bundestag, da dieser derzeit einen möglichen Börsengang der Bahn ohne das Netz prüfen lasse. Ebenfalls kritisch äußerten sich Norbert Hansen und Klaus-Dieter Hommel, die Chefs der Bahngewerkschaften Transnet und GDBA. „Es muss klar sein, dass die Reform gesetzlichen Regelungen nicht vorgreifen darf“, warnten sie. Es sei ein „legitimer Anspruch“ des Eigentümers Staat, zunächst das Gutachten über eine mögliche Trennung von Netz und Betrieb abzuwarten.

Eingehalten hat Bahnchef Mehdorn sein Versprechen, das Jahr 2004 mit Gewinn abzuschließen. Das betriebliche Ergebnis nach Zinsen lag mit 250 Mill. Euro sogar über den 200 Mill., die die Bahn angekündigt hatte. Der Nahverkehr glich dabei die anhaltenden Verluste im Fernverkehr aus. „Angesichts der unverändert schwachen Konjunktur und des intensiven Wettbewerbs kann die Bahn das Jahr 2004 als Erfolg verbuchen“, sagte Aufsichtsratschef Michael Frenzel. Der Start ins Jahr 2005 soll nach Angaben aus Bahnkreisen positiv verlaufen sein. In den ersten beiden Monaten habe der Fernverkehr dank aktueller Sonderangebote über Plan gelegen.

Der Umsatz sank 2004 auf 24 Mrd. Euro – 15 Prozent weniger als 2003. Dies lag jedoch am Verkauf von Aktivitäten, die nicht mehr zum Kerngeschäft zählen. So trennte sich die Bahn von den Firmen Brenntag und Interfer, die sie mit dem Kauf des Logistikers Stinnes übernommen hatte. Im Kerngeschäft legte der Umsatz vier Prozent zu.

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