Machtkampf
Gewerkschaften streiten bei Lufthansa

Bei der Deutschen Lufthansa droht sich ähnlich wie bei der Deutschen Bahn ein Konkurrenzkampf zweier Gewerkschaften hochzuschaukeln und das operative Geschäft zu gefährden. Nach den Warnstreiks der in der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi organisierten Piloten bei der Lufthansa-Regionaltochter Cityline plant jetzt auch die Vereinigung Cockpit „zeitnah Warnstreiks“.

DÜSSELDORF. Verhandlungsführer Thorsten Gommert sagte dem Handelsblatt: „Wir werden zeigen, welche Gewerkschaft in den Cockpits der Lufthansa die Durchsetzungskraft hat.“ Der Machtkampf der Gewerkschaften bei Lufthansa ist auf einen komplizierten Konzerntarifvertrag zurückzuführen, der in regelmäßigen Abständen zu Reibereien führt. Die Piloten von Lufthansa Passage verdienen rund 20 bis 25 Prozent mehr als die Piloten der Regionaltochter Lufthansa Cityline, die nur Maschinen mit maximal 70 Sitzen fliegen dürfen. Die Interessen nahezu aller Piloten vertritt seit mehreren Jahren nahezu allein die Vereinigung Cockpit (VC). Einige Piloten der Cityline waren zuletzt mit deren Interessensvertretung nicht einverstanden und schlossen sich deshalb Verdi an.

Die Dienstleistungsgewerkschaft will sich dafür einsetzen, dass die Piloten der Tochter genauso gut bezahlt werden wie die der Mutter. Noch hat sie jedoch kein Verhandlungsmandat. Die VC, die auch die Piloten der Langstreckenjets der Passage vertritt, hält diese Forderung für überzogen, und kämpft demgegenüber für ein Wechsel- und Fördersystem, das den Piloten den Aufstieg aus einem Cityline- in ein Passage-Cockpit erlaubt. Ein solches System gibt es bereits bei anderen Töchtern wie Condor und Germanwings.

Nachdem die Gespräche zwischen VC und Lufthansa am 20. August an der Forderung der Lufthansa gescheitert waren, dass die Cityliner künftig zu gleichen Bedingungen auch 100-Sitzer fliegen, sah Verdi die Chance gekommen und rief zu Warnstreiks auf. Lufthansa zeigte sich jedoch unbeeindruckt und akzeptiert Verdi nicht als Verhandlungspartner: „Der Organisationsgrad ist zu gering“, sagt ein Sprecher.

Eskalieren lassen darf Lufthansa den Streit aber nicht. Lufthansa Cityline ist zwar nur eine Regionaltochter, doch ist sie eine wichtige Masche im Netzwerk von Lufthansa Passage. Cityline versorgt die beiden Drehkreuze der Lufthansa in Frankfurt und München mit Passagieren. Ohne solche Zubringerflüge, die auch Lufthansa Passage selbst, Swiss und andere Töchter wie Air Dolomiti und Eurowings indirekt durchführen, bliebe mehr als jeder zweite Platz auf einem Interkontinentalflug frei.

Mit 2 700 Mitarbeitern, davon 750 Piloten, und rund 80 Flugzeugen ist Cityline die größte Regionaltochter von Lufthansa Passage, Sie soll aufgrund ihrer günstigen Personalkostenstruktur mit neuem Fluggerät der Typen Embraer und Canadair weiterentwickelt werden. Laut Geschäftsbericht 2006 arbeitet Cityline zwar nicht profitabel, doch ist der Verlust nach Steuern in Höhe von vier Mill. Euro nach Aussage von Cityline-Aufsichtsrat Ingo Kronsfoth auf „politische Preise“ innerhalb des Konzerns zurückzuführen.

Gewerkschaftsgerangel ist für Lufthansa nichts Neues – auch wenn es noch nicht zu Auseinandersetzungen wie bei der skandinavischen SAS mit 39 Gewerkschaften oder British Airways gekommen ist. Neben Verdi und VC sind bei der größten deutschen Fluglinie noch zwei weitere Berufsgruppen mit eigenen Vertretungen an Bord: das Kabinenpersonal in der Unabhängigen Flugbegleiter-Organisation (Ufo) und die Mitarbeiter an den Flughäfen in der Vereinigung Boden. Die Streiks und Streits bei Cityline beobachtet die Konzernspitze genau. Personalvorstand Stefan Lauer warnte bereits vergangene Woche in Frankfurt davor, dass sich Gewerkschaften gegenseitig antreiben und die Geschäftsführung zu neuen Zugeständnissen zwingen könnten. Erst im Juni hatte dies bei Lufthansa zu einer zweiten Lohnerhöhung für das Kabinenpersonal geführt. Nach der Einigung mit der Ufo auf 2,5 Prozent mehr hatte Verdi nachgefasst und 3,4 Prozent für alle durchgesetzt.

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