Machtkampf in Oldenburg
Aktionärsschützer kritisieren Cewe Color

Der Verdacht auf Kursmanipulation und Insiderhandel beim Oldenburger Fotokonzern Cewe Color hat Sprachlosigkeit bei den Mitarbeitern und Empörung bei Aktionärsschützern hervorgerufen. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz hält Cewe Color für ein Beispiel, wie ein Unternehmen im Kampf gegen Finanzinvestoren jegliches Augenmaß verliert.

OLDENBURG. Das Handelsblatt hatte am Mittwochmorgen schwere Vorwürfe gegen die Führungsspitze des börsennotierten Konzerns öffentlich gemacht: Der Vorstandsvorsitzende Rolf Hollander und sein Aufsichtsratsvorsitzender Hubert Rothärmel sollen geplant haben, den Kurs des Unternehmens zu drücken, um unliebsame US-Großaktionäre loszuwerden.

In einem 22 Minuten dauernden Gespräch am 24. Januar sagte Hollander laut eines Zeugen, der dies eidesstattlich bestätigt: „Wir müssen den Kurs unter dreißig Euro ziehen.“ Rothärmel habe zugestimmt. Das Gespräch wurde öffentlich, weil es direkt im Anschluss an eine Telefonkonferenz mit dem Großaktionär Marcap stattfand und Hollander und Rothärmel vergaßen, den Telefonhörer aufzulegen.

„Mich erschreckt einerseits, was da offenbar geplant war, und andererseits die Dummheit, mit der man vorging“, sagt Jürgen Kurz, der Sprecher der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Für den Aktionärsschützer ist die jüngste Entwicklung bei Cewe Color ein Zeichen dafür, wie ein Unternehmen bei der Abwehr eines Finanzinvestoren die Nerven verliert und zu untragbaren Mitteln greift. So etwas passiere gerade bei Mittelständlern, die hierbei wenig Erfahrung haben und rechtlich oftmals nicht gut beraten seien.

Die Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Cewe Color, Ingeborg Wollenberg, wollte sich am Mittwoch nicht zu den Vorwürfen äußern. „So etwas haben wir hier noch nicht gehabt“ sagt Wollenberg. „Aber man wird wohl immer um eine Erfahrung reicher.“ Der Gesamtbetriebsrat werde sich am kommenden Dienstag treffen, um die Lage zu beraten.

Zwei Tage später, am 26. April, findet in der Oldenburger EWE-Arena die Hauptversammlung von Cewe Color statt. Die Finanzinvestoren Marcap und K Capital, die rund 20 Prozent der Aktien halten, fordern eine Neubesetzung des Aufsichtsrates und eine Nichtentlastung des Vorstandes. Die jetzigen Aufsichtsräte um den Vorsitzenden Hubert Rothärmel wollen aber im Amt bleiben.

Gegen Rothärmel läuft bei der Staatsanwaltschaft Oldenburg ein Ermittlungsverfahren wegen Insiderhandel. Der Aufsichtsratsvorsitzende hatte einen Tag vor einem öffentlichen Rückkaufangebot 183 Aktien für 6 387 Euro gekauft und sie einen Tag später mit einem Gewinn von 150 Euro wieder verkauft. Insiderhandel ist unabhängig von dem Volumen der Transaktionen strafbar.

Neben den Vorwürfen gegen Vorstand und Aufsichtsrat wollen Aktionärsschützer auf der Hauptversammlung noch ein zweites Thema ansprechen. Am 23. März verkaufte Cewe Color rund 113 000 Aktien an die eigene Pensionskasse. Hintergrund ist offenbar, dass eigene Aktien nicht stimmberechtigt sind – die der Pensionskasse aber schon. „So etwas geht gar nicht“, sagt Jürgen Kurz. „Man kann die eigenen Aktionäre nicht als Stimmvieh benutzen, schon gar nicht, wenn es hier um deren Eigentum geht.“ Seit dem 23. März ist der Wert der verkauften Aktien um mehr als 450 000 Euro gesunken.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
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