Machtkampf um Sportwetten spitzt sich zu
Länder bereiten Konzessionentzug für Betandwin vor

Unter der Federführung Sachsens wollen die Bundesländer dem deutschen Ableger des Wettanbieters Betandwin spätestens am Donnerstag die Konzession entziehen.

HB BERLIN. Dem österreichischen Glücksspielkonzern, der sich in Bwin umbenennt und der seinen deutschen Sitz im sächsischen Neugersdorf hat, soll in Abstimmung mit den anderen Landesregierungen ferner verboten werden, via Internet Wetteinsätze aus Deutschland anzunehmen, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ am Dienstag laut Vorabbericht. Betandwin wolle seinerseits 500 Mill. Euro Schadenersatz verlangen und das Staatsmonopol mit Hilfe des Internets unterlaufen.

Ein Sprecher des Unternehmens bestätigte, dass es entsprechende Anhörungen gegeben habe. Er zeigte sich erstaunt, dass eine solche Entscheidung zuerst über die Medien bekannt gemacht worden sei. Bwin werde konsequent den Rechtsweg verfolgen. Zudem bereite das Unternehmen Schadensersatzklagen vor, die in Sachsen mehr als eine halbe Milliarde Euro betragen würden. „Diese Entscheidung ist ohne Beispiel. Die Existenz eines in 16 Jahren gewachsenen Unternehmens in Sachsen und die seiner Mitarbeiter werden von einer sächsischen Behörde in Frage gestellt. Und das, um diejenigen Gruppen zu unterstützen, die ein Sportwettenmonpol in Deutschland durchsetzen wollen“, sagte der Sprecher. Staatsgewalt könne keine Lösung für politische Prozesse sein.

„Richtig wäre es, ernsthaft über die ordnungspolitische und fiskalische Ausgestaltung der Regeln eines geöffneten Marktes zu diskutieren. Dieser wird über Brüssel in absehbarer Zeit durchgesetzt werden“, sagte der Unternehmenssprecher weiter. Während an Bwin ein Exempel statuiert werde, böten andere Anbieter aus dem Ausland ihre Wetten ungehindert per Internet an.

Wie die Zeitung berichtet, habe das Innenministerium in Dresden Betandwin bereits im Juli eine Untersagungsverfügung angekündigt. Das Unternehmen arbeitet mit einer Gewerbeerlaubnis aus der ehemaligen DDR. Begründet werden soll der Konzessionsentzug mit einem Grundsatzurteil des Bundesverfassungsgerichts von Ende März, das ein staatliches Wettmonopol unter bestimmten Voraussetzungen für zulässig erklärt hatte.

Der Vorstandsvorsitzende von Betandwin, Norbert Teufelberger erklärte der Süddeutschen Zeitung, das vorgesehene Verbot verstoße gegen europäisches Recht. Man habe dem Land Sachsen bereits hohe Schadenersatzforderungen angekündigt. Sein Unternehmen gebe in diesem Jahr 30 Mill. Euro für Sponsorenverträge mit Werder Bremen, 1860 München und anderen Fußballclubs sowie mit Vereinen und Ligen von Handball, Basketball und Eishockey aus. Diese Partner wolle man nicht fallen lassen, erklärte Teufelberger.

Die einzelnen Bundesländer gehen seit geraumer Zeit gegen Aktivitäten von Betandwin vor. So musste Fußball-Zweitligist TSV 1860 München bereits die Werbung auf den Trikots unterlassen, auch kleinen Vereine wurde untersagt, Trikots mit dem Schriftzug des privaten Sportwettenanbieters zu tragen. Bundesligist Werder Bremen konnte dagegen bislang weiter für das Unternehmen werben.

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