„Made in Hongkong“
Tricks zur Umgehung der Textilquoten haben Hochkonjunktur

Die von den USA und der EU gegen chinesische Textilien verhängten Quoten haben - sehr zum Leidwesen europäischer Textilimporteure - zu umfangreichen Bemühungen zur Umgehung der Beschränkungen geführt. Auch illegale Methoden haben Hochkonjunktur. Hongkong und Macau spielen dabei eine wichtige Rolle.

bfai HONKONG. Die Bekleidungs- und Textilindustrie Hongkongs ist die mit Abstand größte Branche des verarbeitenden Gewerbes. Die ehemalige britische Kronkolonie hat jedoch nahezu ihre gesamte Produktion seit dem Ende der 80er Jahre ins benachbarte chinesische Festland verlagert. In der SVR blieben im Prinzip nur noch die Musterfertigung sowie die Herstellung von besonders exklusiven oder qualitativen Kleinserien.

Dennoch gab es nach Angaben des Trade Development Council (TDC) zur Jahremitte 2005 noch knapp 1700 Branchenfirmen mit rund 29 000 Angestellten. Ihre Bruttowertschöpfung lag bei rund 1 Mrd. US-Dollar. Wie Landeskenner jedoch berichten, existiert die überwiegende Mehrzahl der Betriebe nur noch dank der Textilquoten.

In ihren Fertigungshallen finden in der Regel lediglich einfache Aktivitäten, wie das Einnähen von Ärmeln oder Kragen, das Annähen von Knöpfen sowie Umpacktätigkeiten, statt. Auf diese Weise können Produkte, die überwiegend auf dem chinesischen Festland hergestellt wurden, ganz legal das "Made in Hongkong"-Label erhalten und sind somit nicht von den US-amerikanischen oder europäischen Quoten betroffen.

Hongkong ist daher auf dem Papier ein bedeutender Bekleidungsexporteur. Laut Census and Statistics Department beliefen sich die einheimischen Branchenausfuhren 2005 auf rund 8 Mrd. US-Dollar. Nur bei einem Bruchteil davon dürfte es sich tatsächlich um vollständig bzw. überwiegend in Hongkong gefertigte Waren handeln. Mit der Wiedereinführung der Textilquoten hat der Sektor sogar noch einen neuen Aufschwung erhalten und stellt seit Jahresende 2005 wieder neues Personal ein.

Zugleich haben auch illegale Praktiken Hochkonjunktur. Das US Costums Department führt in Zusammenarbeit mit der Hongkonger Zollbehörde seit Mitte 2005 umfangreiche Kontrollen durch. Dabei handelt es sich zumeist um überraschende Besuche bei offiziell als Fertigungsbetrieb registrierten Firmen. In zahlreichen Fällen fanden die Inspektoren keinerlei Produktionskapazitäten oder Arbeiter vor.

Die internationalen und deutschen Einkaufsbüros können angesichts der Vielzahl von Bestellungen nicht feststellen, ob illegale Methoden zur Anwendung kamen. Sie ordern oftmals bei einem Hongkonger Händler, der ihnen in China hergestellte Ware als "Made in Hongkong" verkauft. Der Leidtragende ist dann häufig das bestellende Unternehmen, das seine Ware nicht durch den Zoll bekommt. Auch in Macau machen die Inspektoren eine ähnliche Entwicklung aus. Die US-Behörden wollen ihre Kontrollen in Zukunft verstärken und können auf die Zusammenarbeit der einheimischen Behörden rechnen.

Für die internationalen Einkaufsbüros hat sich seit dem Auslaufen des Multifiber Abkommens zum 31.12.04 die Situation deutlich verschlechtert. Zunächst mussten sie eine Phase der Unsicherheit bis zur Einführung der neuen Quoten der USA und der EU durchlaufen, nun müssen sie immer öfter mit unverschuldeten Verzögerungen bei der Zollabfertigung aufgrund illegaler Machenschaften rechnen.

Weitere Informationen finden Sie bei der Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai).

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