Märklin, Busch, Faller Friedhof der Modelleisenbahner

Die Modelleisenbahn-Branche übertrifft sich selbst mit detailverliebten Modellen. Dabei interessieren sich immer weniger Kunden für die aufwendigen Bausätze. Lego, Playmobil und Co. spielen längst in einer anderen Liga.
Kommentieren
Eisenbahn und Zubehör sind so detailgetreu nie in der fast 200-jährigen Geschichte dieses Hobbys. Quelle: Screenshot: Busch
Friedhof im Maßstab 1:87

Eisenbahn und Zubehör sind so detailgetreu nie in der fast 200-jährigen Geschichte dieses Hobbys.

(Foto: Screenshot: Busch)

NürnbergMan kann Modelleisenbahnern allerhand nachsagen – aber Humor haben sie. Da vergreist ihr Hobby seit Jahren. Kinder können mit Lokomotiven, Gleisen und Miniaturlandschaften kaum noch etwas anfangen. Und was präsentiert der Mittelständler Busch in diesen Tagen als Neuheit auf der Spielwarenmesse in Nürnberg? Einen bis ins letzte Detail auf den Maßstab 1:87 geschrumpften Friedhof.

Die Firma aus Viernheim präsentiert Urnenwände und Familiengräber, ein Mausoleum und eine Friedhofskapelle, Steinkreuze, Särge und Kränze, selbst ein Kriegerdenkmal und die „Lourdes-Grotte“ fehlen nicht.

So wie Busch treiben auch all die anderen Modellbahnfirmen die Entwicklung auf die Spitze. Eisenbahn und Zubehör sind so detailgetreu nie in der fast 200-jährigen Geschichte dieses Hobbys. Ausgefeilte Spritzgusstechnik, moderne Laserschnitte und kleinste Elektronikbausteine eröffnen den Spezialisten ungeahnte Möglichkeiten.

Da leuchtet selbst der nur mehrere Millimeter große Kürbis zu Halloween auf der Modellbahn, die Eule blinzelt mit ihren roten Augen, rot strahlt mit Hilfe von Leuchtdioden auch die Blitzersäule, um die Raser abzuschrecken.

Fasziniert sammeln sich Trauben von Modellbahnfans an den Ständen in Halle 4a, dem Refugium der Eisenbahner auf der Spielwarenmesse. Deren Haar hat sich vielfach gelichtet, es sind vor allem Männer jenseits der 60, ihre besten Jahre haben sie lange hinter sich. Die ganze Branche lebt von und für Sammler, nirgendwo zeigt sich das besser als diese Woche in Nürnberg.

Marktführer Märklin versucht zwar seit Jahren, den Nachwuchs wieder für Modelleisenbahnen zu begeistern. Mit günstigen, einfachen Starter-Sets will Eigentümer Florian Sieber, selbst erst 31-Jahre alt, die Kids und ihre Eltern anlocken. Einen kleinen Erfolg kann der Unternehmer immerhin verbuchen. Vergangenes Jahr ist der Umsatz des schwäbischen Mittelständlers erstmals wieder geklettert, um eine Million auf 97 Millionen Euro. „Das ist die Trendwende“, frohlockt Sieber.

Das sind die angesagtesten Spielzeuge 2016
Stadlbauer: Carrera Go Plus
1 von 10

Auch wenn der Führerschein noch einige Jahre entfernt ist, spielen Autos bei vielen Kindern bereits eine große Rolle. So schafft es auch „Carrera Go!!! Plus“ unter die zehn beliebtesten Spielzeuge 2016. Die Bahn kann per Bluetooth auch mit der Carrera-App verbunden werden.

Die „Top 10 Spielzeug“ ist eine jährliche Marketingaktion für Spielzeug und Freizeitartikel in Deutschland. Die Jury, die über die zehn besten Spielzeuge abstimmt, setzt sich aus dem Bundesverband des Spielwaren-Einzelhandels (BVS) und mehreren Spielzeug- und Freizeitexperten wie Michael Melzer, Geschäftsführer Central Europe von Toys „R“ Us, zusammen.

Hasbro: Torch, mein kleiner Drache
2 von 10

Der Drache Torch ist Teil der Spielzeugreihe „FurReal Friends“ und kann auf Knopfdruck roten Sprühnebel speihen. Das Spielzeug wird vom deutschen Ableger des US-Konzern Hasbro vertrieben. Hasbro zählt in der Spielwarenbranche zu den Marktführern und setzte zuletzt 1,68 Milliarden Dollar um. Vor zwei Jahren hat Hasbro sich den lukrativen Lizenzvertrag für die Disney-Figuren gesichert. Die Firma wurde 1923 als Familienunternehmen von den Brüdern Henry und Hillel Hassenfeld gegründet.

Ravensburger: Tiptoi-Spielwelten
3 von 10

Die Tiptoi-Spielwelten des Traditionsunternehmens Ravensburger schaffen es ebenfalls unter die Top Spielzeuge 2016. Für Kinder zwischen vier und acht Jahren werden gleich mehrere Welten wie Polizei und Autorennen angeboten und enthalten neben Spielfiguren Elemente zum Zusammenbauen. Der 1883 gegründete Hersteller Ravensburger zählt zu den ältesten Unternehmen in der Branche und brachte 1959 unter anderem die Erstversion von Memory auf den Markt.

Spin Master: Hatchimals
4 von 10

Die „Hatchimals“ gehören zu den interaktive Spielzeugen. Beim Kauf ist das Ei zunächst geschlossen. Es schlüpft erst dann ein Küken, wenn das Ei ordentlich versorgt und gepflegt wird. Im Anschluss gibt es einen dreistufigen Entwicklungsprozess des Kükens zum ausgewachsenen Hatchimal. Das Spielzeug wird von dem kanadischen Unternehmen Spin Master produziert, das 1994 von den Freunden Ronnen Harary and Anton Rabie gegründet wurde. Obwohl es die Hatchimals seit kurzer Zeit zu kaufen gibt, gehören sie schon jetzt zu den Verkaufsschlagern.

Clementoni: Heimspiel
5 von 10

Auch aus der Spielwaren-Welt ist „König Fußball“ nicht wegzudenken – der Fußball-Manager „Heimspiel“ schafft es ebenfalls unter die besten zehn Spielzeuge. Bei dem Strategie-Spiel müssen die Spieler ihre eigene Mannschaft aufstellen, taktieren und ihren Kader durch Käufe und Verkäufe möglichst gut zusammenstellen. Vertrieben wird das Spiel, das mit einer Altersempfehlung ab zwölf Jahren besonders Jugendliche und Erwachsene ansprechen soll, von Clementoni Deutschland.

Revell: Revell Junior Kit
6 von 10

Mit den Modellbausätzen der US-Firma Revell sollen besonders Kleinkinder angesprochen werden. Durch einen speziellen Schraubmechanismus können die Fahrzeuge ohne Kraftaufwand zusammengebaut werden, da sie einfach ineinander gelegt werden und mit extra-großen Schrauben ausgestattet sind. Durch diese Technik sind die Modelle bereits für Kinder ab vier Jahren geeignet – und schaffen es auch deshalb unter die besten zehn Spielzeuge.

Lego: Nexo Knights – Jestros Vulkanfestung
7 von 10

Auch Lego gehört in einem Großteil deutscher Kinderzimmer zum Standardreportoire, ist aber auch bei immer mehr Erwachsenen eine beliebte Freizeitbeschäftigung. Die Vulkanfestung ist dabei nur eines von vielen Angeboten des dänischen Lego-Konzerns, der weltweit erfolgreich ist und erst vor einigen Tagen seine erste Produktionsstätte in China eröffnet hat. Unter den beliebtesten Spielzeugen 2016 darf Lego ebenfalls nicht fehlen.

Andererseits kam Märklin in guten Zeiten auch schon einmal auf 130 Millionen Euro Umsatz. Die Konkurrenz von Fleischmann und Roco verbuchte 2016 ein Plus von immerhin vier Prozent und kam damit auf Erlöse von 57 Millionen Euro.

Doch was ist das schon im Vergleich zu den gut 600 Millionen von Playmobil, oder gar den fünf Milliarden des Klötzchenherstellers Lego? Dabei gibt es Märklin schon seit 1859, da war Lego-Gründer Ole Kirk Christiansen noch nicht einmal geboren. Gleichwohl, die lange Historie ist den Kunden egal. „Wir können nicht über Verdrängung wachsen“, betont Märklin-Chef Sieber. Es gibt fast niemanden zu verdrängen im Modellbahn-Geschäft. Der Eisenbahn-Fabrikant und seine Mitbewerber müssen den Markt erst einmal wiederbeleben.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Vergangenheit und Zukunft treffen brutal aufeinander
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

0 Kommentare zu "Märklin, Busch, Faller: Friedhof der Modelleisenbahner"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%