Maggi-Skandal
Nudelkrise lastet schwer auf Nestlé

Suresh Narayanan wird zum Feuerwehrmann: Der Manager muss die Nudelkrise von Nestlé in Indien in den Griff kriegen. Im vergangenen Quartal hat der Skandal um überhöhte Bleiwerte den Konzern 70 Millionen Euro gekostet.
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BangkokSeinen erst im April angetretenen Job als neuer Philippinen-Chef von Nestlé hat Suresh Narayanan nicht lange behalten. Bereits dreieinhalb Monate nach dem Dienstantritt bekam der Manager die Anweisung aus der Schweizer Zentrale: Er muss zurück in seine indische Heimat. Seine Mission: die größte Krise in der über 100-jährigen Geschichte des Lebensmittelkonzerns auf dem Subkontinent zu lösen.

Nach dem Verbot von Nestlés Instantnudeln, die in Indien unter dem Namen Maggi vermarktet werden, hat das Unternehmen nicht nur einen der größten Umsatzbringer, sondern auch seinen guten Ruf verloren. Der Vorwurf der Behörden von zu hohen Bleiwerten verunsichert die Konsumenten. Dem bisherigen Niederlassungschef Etienne Benet gelang es nicht, die Anschuldigungen zu entkräften. Als sein Nachfolger wurde Narayanan am Dienstag offiziell bestätigt.

Mit den gleichzeitig vorgestellten Quartalszahlen erhielten die Aktionär der an der Mumbaier Börse notierten Nestlé-Gesellschaft auch einen ersten Schadensbericht: Der Umsatz sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um umgerechnet fast 70 Millionen Euro. Das entspricht einem Rückgang von 20 Prozent. Aus dem Quartalsgewinn von rund 41 Millionen im Vorjahr wurde ein Verlust von neun Millionen Euro. Insgesamt dürfte der Schaden für das Unternehmen, das als Folge des Nudelskandals in Indien zeitweise rund zwei Milliarden Euro seines Börsenwertes verlor, noch größer sein: Die Probleme waren erst im letzten Monat des Berichtszeitraums bekannt geworden.

Der 55-jährige neue Geschäftsführer Narayanan verbreitet trotz der düsteren Lage Zuversicht. „Wir stehen nicht am Rande des Abgrunds“, ließ er bei einer seiner ersten öffentlichen Auftritte wissen. „Ich bin überzeugt, dass wir dieses Problem lösen können.“ Die indischen Konsumenten forderte er auf: „Vertraut mir, vertraut der Marke“, sagt er. „Sie ist sicher.“

Doch vor Gericht wird um diese Behauptung weiter gestritten. Die Lebensmittelaufsicht FSSAI, die Anfang Juni das Verbot der Maggi-Nudeln ausgesprochen hatte, wiederholte zu Beginn der Woche bei einer Anhörung in Mumbai die Vorwürfe: Die Behörde habe 72 Proben getestet. In 30 Fällen sei sie auf überhöhte Bleiwerte gestoßen. Nestlé kritisiert die Testmethoden und verweist auf eigene Untersuchungen, die das Produkt als unbedenklich ansehen.

Überzeugen muss Narayanan nicht nur die Richter. Er kündigte eine Werbekampagne an, die „Vertrauen Stück für Stück zurückbringen“ soll. Auf der firmeneigenen Facebook-Seite hat Nestlé unterdessen ein Heimspiel: Fans der Instantnudeln stellen dort derzeit fast stündlich die Frage: „Wann kommt Maggi zurück?“

Mathias  Peer
Mathias  Peer
Wirtschaftspresse Bangkok / Auslandskorrespondent

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