Mailands Edelboutiquen
Kater im Versace-Paradies

Ihr Hunger nach Designermode und Luxus galt als unersättlich - und lange haben italienische Modehäuser wie Versace und Prada von den Russen gut gelebt. Doch jetzt hat die Finanzkrise den Kunden der Edelschneider den Appetit verdorben. Jetzt gucken auch reiche Russinnen aufs Preisschild. Ein echtes Novum.

MAILAND. Eugenia Dienert braucht eine Pause. In einem Hauseingang in der Mailänder Modemeile Via della Spiga stellt sich die blonde Russin unter, um sich vor dem kalten Nieselregen zu schützen. Sie legt ein halbes Dutzend Taschen ab, auf denen die Logos von Prada, Miu Miu und dem Pelzspezialisten Simonetta Ravizza prangen, und zündet sich erst einmal eine Zigarette an. Shopping ist anstrengend.

Die junge Frau im Pelzjäckchen, Tweed-Shorts und Stiefeln ist mit ihrer Mutter aus Moskau zum Einkaufen nach Italien gekommen. "Mailand ist einfach die beste Stadt zum Shoppen", sagt Dienert mit einem zufriedenen Lächeln auf den rosa geschminkten Lippen. "Wir bleiben hier fünf Tage, das haben wir bislang jedes Jahr so gemacht."

Aber wie lange wird es diese Tradition noch geben in Zeiten der Finanzkrise?

Der Konsumhunger der Russen galt lange Zeit als unersättlich. Es sind daher vor allem die Touristen aus Moskau und St. Petersburg, die zu den wichtigsten Kunden in den Mailänder Luxusboutiquen zählen.

Russisch ist die Sprache, auf der sich die mit Tüten bepackten Damen im Traditionscafé "Cova" auf der Via Montenapoleone unterhalten. Auf Russisch kommentieren die langbeinigen, Pelz-behangenen Frauen mit den hohen Wangenknochen die Smaragde des Juweliers Bulgari, und Russisch sprechen auch die beiden kräftig gebauten Herren rechts und links der Eingangstür von Dolce & Gabbana in der Via della Spiga.

Vier Flüge landen täglich aus Moskau auf dem Mailänder Flughafen Malpensa, zwei kommen aus Sankt Petersburg. In Zeiten des Schlussverkaufs bieten Chartergesellschaften zusätzliche Verbindungen von Moskau nach Mailand an.

Ein Drittel der steuerfreien Einkäufe von Nicht-EU-Bürgern geht auf das Konto der Russen. Das geht aus Zahlen der Gesellschaft Global Refund Italia hervor, die die Mehrwertsteuer-Rückerstattung abwickelt. Längst haben die Russen die Amerikaner und Japaner überholt.

Doch gerade Russland bereitet der Luxusgüterbranche jetzt Sorgen. Mit den sinkenden Einnahmen aus dem Verkauf von Gas und Öl schwinden die Milliarden der Oligarchen, die Kreditklemme bekommen auch Russlands Unternehmer zu spüren, und der schwächelnde Rubel senkt die Kaufkraft. Das wird sich wohl auch an den Bilanzen der Luxuswarenhersteller ablesen lassen, die lange immun gegen dieses Virus schienen, das die Weltwirtschaft erfasst, das rasante Sturzfahrten an den Aktienmärkten ausgelöst hat und alles in den Abgrund zu reißen droht.

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