Management-Buy-out
Konkurrenten filetieren Beratung Bearing Point USA

Die US-Landesgesellschaft der Management- und Technologie-Beratung Bearing Point wird zerlegt. Das hochverschuldete Unternehmen beabsichtigt, seine wichtigsten Geschäftsfelder in den USA an Wettbewerber zu verkaufen. Ein Insolvenzgericht prüft derzeit den Verkauf an Deloitte und PWC. Für die meisten anderen Landesgesellschaften der Beratung zeichnet sich ein Management-Buy-out ab.

DÜSSELDORF. Die börsennotierte Beratung hatte sich vor einem Monat unter Chapter 11 der US-Insolvenzordnung geflüchtet.

Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte plant, für 350 Mio. Dollar einen "wesentlichen Anteil" des Public-Service-Einheit zu übernehmen, des größten und erfolgreichsten Geschäftsbereich der Beratung. Dies gab Bearing Point am Montagabend bekannt. Pricewaterhouse-Coopers (PWC) hat ein Gebot von 25 Mio. Euro vorgelegt für den Großteil des nordamerikanischen Bereichs Commercial Service, einschließlich Financial Services. PWC Japan steht zudem in Übernahmeverhandlungen mit dem dortigen Beratungszweig von Bearing Point. Das US-Insolvenzgericht muss den Verkaufsplänen allerdings zustimmen und prüfen, ob höhere Gebote anderer Bieter möglich sind.

In anderen Regionen wie Europa und Lateinamerika dagegen will das lokale Management von Bearing Point die Geschäfte in Eigenregie weiterführen. Der Prozess eines Management-Buy-outs sei sehr weit fortgeschritten. Die Pläne lägen bereits dem US-Insolvenzgericht vor, sagte das Unternehmen auf Anfrage des Handelsblatt. Durch ein Partnerschaftsmodell verspricht sich Bearing Point Deutschland deutlich mehr Flexibilität im Geschäft - allein schon weil Kosten und Regularien durch die Börsennotierung in den USA wegfallen.

"Name und Marke Bearing Point bestehen weiter", versicherte das Beratungshaus. "Das Management hier in Europa bleibt im Amt." Über die konkreten Modalitäten des Management-Buy-outs wollte sich jedoch niemand äußern. In Asien (ohne Japan) gibt es zwei Optionen: Neben einer Übernahme durch das lokale Management wird ein Verkauf an Dritte geprüft. Zuvor kursierten Gerüchte, Wettbewerber Accenture habe Interesse.

Ed Harbach, Chef von Bearing Point in den USA, erläuterte die Beweggründe: "Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass der Verkauf der Geschäftsbereiche den Wert maximiert und die größte Stabilität für alle Beteiligten bringt." Die Beratung drückt in den USA eine Schuldenlast von knapp einer Mrd. Dollar. Im November war der Kurs im Keller, der Handel an der New Yorker Börse wurde ausgesetzt.

Die Beratung entstand als Abspaltung von der Wirtschaftsprüfung KPMG und firmierte 2002 um in Bearing Point. Sie hat etwa 16 000 Mitarbeiter weltweit, allein im deutschsprachigen Raum sind es 1 500 Berater.

Bearing Point ist nicht die erste börsennotierte Beratung, die sich unter Chapter 11 der US-Insolvenzordnung flüchtet. Im Jahr 2002 musste dies Arthur D. Little (ADL) unter anderem infolge eines gescheiterten Börsengangs tun. Damals finanzierte der französische Beratungskonzern Altran Technologies zunächst ein Management-Buy-out. Heute gehört ADL zum Konzern. "Wir sind gestärkt aus dem Insolvenz-Verfahren gegangen", resümiert das Beratungshaus heute.

Ein Management-Buy-out ist in der Branche nichts Ungewöhnliches. Beispiel Bain & Company: Als Gründer Bill Bain Anfang der 90er-Jahre seine Beratung veräußern wollte, kauften sich die Partner ein. 2005 übernahm die Führungsriege der Beratung A.T. Kearney fast alle Anteile vom angeschlagenen texanischen IT Electronic Data Systems-Konzern (EDS).

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