Manager ist an den Fallstricken im Energiekonzern gescheitert – Jan Zilius ist Nachfolger
RWE-Kraftwerkschef Maichel muss gehen

RWE-Chef Harry Roels baut zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres den Vorstand des Energieversorgers um. Roels demonstrierte Entschlossenheit. Der Energiekonzern mache nun ernst mit der Aufarbeitung der Affären um die Nebeneinkünfte von Politikern, gab Roels am Freitag bekannt.

DÜSSELDORF. Die angekündigte Kommission, die neue Verhaltensregeln für die Belegschaft erarbeiten soll, habe die Arbeit aufgenommen und sei mit dem ehemaligen Verfassungsrichter Paul Kirchhof an der Spitze kompetent besetzt. Am Freitag folgte dann per Telefax Teil zwei der Problembewältigung: Gert Maichel, im Vorstand zuständig für die Stromproduktion sowie Vorstandschef der Kraftwerkstochter RWE Power muss seinen Posten räumen.

Einen Grund wollte der Konzern nicht nennen, nur einen Zusammenhang zwischen den beiden Nachrichten ausschließen, eine Verwicklung Maichels in die Affären um die CDU-Politiker Laurenz Meyer und Hermann-Josef Arentz, die neben ihrer politischen Tätigkeit Geld von RWE bezogen hatten, gebe es nicht. „Die internen Prüfungen haben keinen Anlass für personelle Konsequenzen ergeben“, betonte ein Sprecher.

Das mag vordergründig stimmen, geschwächt hatte der Skandal den 56-Jährigen allemal. Intern wurde Maichel für die Kommunikationspannen verantwortlich gemacht, aus dem Aufsichtsrat wurde gar kolportiert, er habe seinen Chef nicht rechtzeitig informiert. Das Präsidium des Aufsichtsrats, dass die Personalie Anfang der Woche absegnete, war sich jedenfalls rasch einig. „Maichel hatte keine Vertrauensbasis mehr – weder bei Roels noch im Aufsichtsrat“, erklärt ein Vertrauter des geschassten Managers.

Entschlossen wirkt Roels Maßnahme aber nur auf den ersten Blick, tatsächlich hat er zu lange gezögert – ein weiteres Mal wie seine Kritiker bemängeln. Maichel galt als Buhmann für den äußerst holprigen Start des ehemaligen Shell-Chefs an der RWE-Spitze. Die Personalie führt Roels letztlich aber auch wieder einmal vor Augen, wie schwierig Deutschlands zweitgrößten Energiekonzern zu führen ist. Der Norddeutsche ist am selben Problem gescheitert, das auch dem Niederländer das Leben schwer macht – dem komplexen Machtgefüge des Ruhrgebietskonzerns. Kritiker hatte er viele, eine Hausmacht nicht.

„Verschlissen“, wie ein Kenner des Unternehmens sagt, wurde Maichel schon in den ersten Monaten der Ära Roels. Der promovierte Jurist, der im Gegensatz zu seinen Kollegen Richard Klein und Manfred Remmel den Wechsel vom alten Vorstandsvorsitzenden Dietmar Kuhnt noch überstanden hatte, sollte für seinen Chef die erste große Blamage abwenden. Roels hatte zu seinem Amtsantritt eine neue Konzernstruktur verkündet, dabei aber übersehen, dass er die Gassparte nicht ohne die Zustimmung einer Reihe von westfälischen Kommunen einbinden konnte. Die kommunalen Aktionäre von RWE Gas stellten sich stur und pokerten um einen hohen Preis. Zu seinem Verhandlungsführer bestimmte Roels Maichel.

Der gebe eine „äußerst schwache Figur“ ab, hätte von den Problemen als langjähriger Vorstand eher wissen müssen als der Neuling Roels, hieß es damals aus dem Aufsichtsrat. Tatsächlich war es nicht Maichel, sondern der inzwischen verstorbene Aufsichtsratschef Friedel Neuber der den Knoten letztlich löste und dank guter Kontakte zu den Kommunen Roels vor dem Debakel rettete. Maichel fühlte sich „als Bauernopfer“, das für den Ruf des Chefs den Kopf hinhalten musste, wie ein Vertrauter berichtet. Tatsächlich sei er stets ein ehrlicher Gefolgsmann gewesen.

Obwohl die Kritik lauter wurde, hielt Roels an seinem Vorstand lange fest, vermutlich weil der steife Konzernchef für den eloquenten Verhandlungsführer schon den nächsten Spezialauftrag hatte. Er musste mit Wirtschaftsminister Wolfgang Clement beim Emissionshandel günstige Bedingungen aushandeln und politische Grundsatzreden halten, eigentlich ein Job für Roels. Der große, schlanke Niederländer aber tut sich auf dem politischen Parkett nach wie vor äußerst schwer, wirkt hölzern und unsicher – ganz im Gegensatz zum gewandten Maichel.

Vor einem Jahr wertete Roels Maichels Position sogar auf, wenn auch ungeplant. Der Vorstandschef brachte seinen Wunschkandidaten für den wichtigen Posten der Vertriebstochter RWE Energy nicht im Aufsichtsrat durch. Unter Zeitdruck übertrug er die wichtige Aufgabe dem bisherigen RWE-Power-Chef Berthold Bonekamp. Maichel übernahm zusätzlich zu seiner Funktion im Vorstand die Leitung der Kraftwerkssparte – trotz starker Bedenken der Vertreter der Bergbau-Gewerkschaft IGBCE.

Gestürzt sei Maichel, so vermuten RWE-Kenner, nun eben, weil ihm die nötige Lobby fehlte. Roels dürfte dies eine Warnung sein. Vor diesem Hintergrund verspricht Roels Wahl für Maichels Nachfolge mehr Erfolg. Neuer Chef von RWE Power wird Jan Zilius, bisher Personalvorstand. Er verfügt zwar nicht über Erfahrungen im Kraftwerksgeschäft, aber über beste Kontakte zur Gewerkschaft. In den vergangen Jahren wickelte er den Abbau von tausenden Arbeitsplätzen sozialverträglich ab. Und zu Beginn seiner Karriere arbeitete er sogar in der Rechtsabteilung der IGBCE.

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