Mangel an Qualifizierung und Flexibilität verhindert Abbau der Arbeitslosigkeit
Zeitarbeiter sind immer mehr gefragt

In der vergangenen Woche bereits hatte Marktführer Randstad ein Plus von elf Prozent auf 595 Millionen Euro gemeldet. Inklusive des Joint Ventures Yacht, das Fachkräfte auf Zeit vermittelt, summiert sich der Randstad-Umsatz in Deutschland sogar auf 616 Millionen Euro.

tel FRANKFURT/MAIN. „Die Zeitarbeit hat sich insgesamt zu einer Wachstumsbranche entwickelt“, sagte Thomas Reitz gestern. 2002 und 2003 war die Branche noch geschrumpft, 2004 zeigte der Trend wieder eindeutig nach oben. Ein Plus von 12,3 Prozent schätzt der Manpower-Chef für den Gesamtmarkt 2004. Manpower sei schneller als der Markt gewachsen und dürfte auch im Ranking der größten deutschen Zeitarbeitunternehmen Adecco von zweiten Platz verdrängt haben, so die Einschätzung der deutschen Tochter des gleichnamigen US-Unternehmens.

Da die Überlassung von Arbeitnehmern allgemein als Konjunkturindikator gibt, blickt Reitz auch ganz optimistisch in die Zukunft. Dabei hilft ihm die neueste Erhebung des Manpower-Arbeitsmarktbarometers, in dessen Rahmen in Deutschland 1000 Unternehmen dazu befragt wurden, ob sie Mitarbeiter einstellen oder entlassen wollen. Für das kommende Quartal planen 80 Prozent der Unternehmen keine Veränderung ihrer Beschäftigungssituation – ein Anzeichen für Reitz, dass das Thema Jobabbau wohl beendet sei. Acht Prozent der Unternehmen wollen Mitarbeiter einstellen, aber immerhin neun Prozent der Unternehmen wollen auch Personal abbauen, so die Befragung. Trotzdem sei der Trend eindeutig positiv, meint Reitz. Denn vor einem Jahr wollten noch deutlich mehr Unternehmen Personal entlassen und weniger Firmen neues einstellen.

Ganz so optimistisch schätzt Heide Franken, Geschäftsführerin von Randstad Deutschland, die Lage angesichts der nach unten korrigierten Wachstumsprognosen für die deutsche Konjunktur nicht ein. „Ich würde sagen, die Lage ist ein wenig besser. So spektakuläre Auf- und Abwärtsbewegungen im Markt wie in der Vergangenheit erwarte ich in der Zukunft aber nicht mehr“, sagte sie im Gespräch mit dem Handelsblatt. Dennoch will Randstad ebenso wie Manpower in diesem Jahr zweistellig wachsen.

Dabei hilft, dass die Akzeptanz der Zeitarbeit deutlich gestiegen ist. „Wir erleben, dass die Unternehmen Zeitarbeit nicht mehr nur einsetzen, um einzelne Engpässe auszugleichen, sondern zunehmend als strategischen Faktor, um flexibel zu sein. Gerade die Industrieunternehmen nehmen das Thema Flexibilisierung sehr ernst“, sagt Franken. Wachsende Nachfrage registriert Randstad in den Bereichen Banken, Versicherungen, Energieversorger und Nahrungsmittel. Im Süden Deutschlands, wo viele Industrieunternehmen angesiedelt sind, sei sie stärker als im Norden, so Franken.

Manpower meldet zudem Wachsende Nachfrage im Bereich IT. Eine Einschätzung, die auch das fünftgrößte deutsche Zeitarbeitsunternehmen DIS AG, teilt. Die Dis AG, die 2004 um 21,3 Prozent auf 265 Mill. Euro gewachsen ist, hat sich auf die Bereiche Finanzen, Industrie und Informationstechnologie spezialisiert. Zurzeit seien über 850 Stellen für Fach- und Führungskräfte bundesweit zu besetzen, sagte der Vorstandsvorsitzende Dieter Scheiff unlängst bei der Bekanntgabe der Jahreszahlen.

Dass trotz Boom in der Zeitarbeit die Arbeitslosigkeit in Deutschland so hoch ist, führt Heide Franken insbesondere auf die mangelnde Qualifikation vieler Arbeitsloser zurück. Randstad will hier künftig mit dem so genannten Konzept der modularen Qualifikation gegensteuern. Dabei bekommt der Zeitarbeitnehmer ohne Berufsausbildung die Chance, sich bei der Zeitarbeit zu qualifizieren. In einer Art Pass wird dann festgehalten, ob der Arbeiter beispielsweise eine bestimmte Art zu Schweißen gelernt hat oder den Schein zum Fahren eines Gabelstaplers erworben hat. Für Yoav Michaely, der bei Manpower für den Bereich Europa, Mittlerer Osten und Afrika zuständig ist, ist dagegen das Thema Flexibilität der Hauptgrund für die hohe Arbeitslosigkeit in Deutschland. Hier liege Deutschland deutlich hinter anderen Ländern zurück.

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