Mangelhafte Infrastruktur
Deutsche Wirtschaft auf der Rüttelstrecke

Wegen der Energiewende drohen Stromausfälle, in mancher Kleinstadt lahmt das Internet und eine Autobahnsperrung für Lkw schreckt die Industrie auf. Wie die marode Infrastruktur das Wirtschaftswachstum behindert.
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DüsseldorfVergangenen Freitag kletterte Ernst Grigat unter eine Autobahnbrücke und begutachtete Risse, die Experten dort bei einer eingehenden Prüfung festgestellt hatten. Die Schäden waren so besorgniserregend, dass die Rheinbrücke der A1 zwischen Leverkusen und dem Kölner Norden auf unbestimmte Zeit für Lkw über 3,5 Tonnen gesperrt wurde. Für Grigat eine Schreckensmeldung, denn der Manager leitet die Chemieparks in Leverkusen, Dormagen und Krefeld – die Autobahnbrücke ist so etwas wie eine Lebensader für die Standorte.

Jetzt müssen nicht nur 500 Lkw, die alleine die Chempark-Mieter wie Bayer oder Lanxess pro Tag über die Brücke schicken, durchschnittlich 20 Kilometer am Tag Umwege in Kauf nehmen. Grigat befürchtet, dass mittelfristig weitere Brücken ein ähnliches Schicksal erleiden könnten. „Wir sehen in der Sperrung schon ein Warnzeichen und fragen uns 'Was passiert denn noch?'“, sagt er.

Denn die A1-Rheinquerung war bereits vor der jüngsten Verkehrseinschränkung für Schwerlast-Fahrten mit mehr als 40 Tonnen Gewicht gesperrt. Eine solche Einschränkung gilt allein in Nordrhein-Westfalen derzeit für etwa 30 Autobahnbrücken, wie der Landesbetrieb Straßenbau auf Anfrage von Handelsblatt Online mitteilt.

Die Autobahnbrücke über den Rhein ist nur ein Zeichen, an dem sich zeigt: Zurückhaltende Investitionen in die Erhaltung und den Neubau von Infrastruktur können das Wirtschaftswachstum bremsen. Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) drängt jetzt seinen Bundeskollegen Peter Ramsauer (CSU), den für 2025 geplanten Neubau der A1-Brücke vorzuziehen. Doch das ist mehr ein Bekämpfen von Symptomen denn Ursachen.

Es gibt an vielen Stellen Engpässe in der Infrastruktur. Das betrifft die Straßen und die Bahn, die Energieversorgung und das schnelle Internet. Manche Probleme sind hausgemacht – etwa die vielen Pannen um den Bau des neuen Berliner Flughafens –, andere werden von Unternehmen durch freizügige Interpretation von Vorschriften heraufbeschworen. Handelsblatt Online gibt einen Überblick.

Kommentare zu " Mangelhafte Infrastruktur: Deutsche Wirtschaft auf der Rüttelstrecke"

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  • Tja - aber für Südeuropa ist Geld en masse da, wo es aber auch nicht in die Infrastruktur fließt. Letzten Sommer war ich in Italien (da geh ich aber auch nicht mehr hin - viel zu teuer); die Straßen waren eine einzige Tortur. Alles vergammelt, Schlaglöcher, verwilderte Mittelstreifen. Dann wechselt man beim Grenzübergang Chiasso in die Schweiz (ein Nicht-EU-Land) und hat das Gefühl, man ist im Paradies und die Stoßdämpfer des Autos wurden auch noch gleich neu gemacht. Glatt wie ein Kinderpopo, die Mittelstreifen gepflegt, die Leitplanken nicht verrostet... Aber wer erzählt uns immer, daß mit dem Euro Frieden, Wohlstand und Gerechtigkeit über uns kommen? Unsere Euromantiker der gleichgeschalteten Parteien. Die EU ist gleichbedeutend mit der Abschaffung der Demokratie. Die Schweiz zeigt schlagend, daß das Gegenteil dessen richtig ist, was uns unsere Schwallköpfe immer erzählen wollen. Aber liebe Mitbürger - wenn ihr lemmingsgleich die Partei von Frau Merkel wählt, werden wir tatsächlich alle gleich sein in Europa. Gleich schlecht.

  • Ich sehe enorme Parallelen zur Wirtschaftskrise der Weimarer Zeit. Damals wurde Deutschland über "Reparaturen" ausgesaugt und trug enorme Schuldenlast durch den Krieg und hirnlose Aufrüstung in Kaiserzeit (vor allem Schiffe). Heute saugen uns die Politiker aus und transferieren unsere Gelder ins verschuldete Südeuropa und verschulden damit Deutschland. Deutschland wird in eine Katastrophe stürzen und wie das enden wird, wissen wir...Genau wie 1933...Es ist 5 vor 12, um die korrupte Bande zu beseitigen und verantwortungsvollen Entsceidungsträgern die Macht zu überlassen. Leider wüßte ich aber keine...

  • Hab' ich da in einer Pinkelpause eine von Merkel-Schäubles berühmten Volten verpaßt, oder zahlen LKWs aller Herren Länder immer noch so deftig Maut für die Autobahnbenutzung?

    Wenn ja, warum verrotten dann die Autobahntrassen so krass, daß sie ausgerechnet für DIESE Fahrzeuge nicht mehr befahrbar sind?

    Soll uns da am Ende schonend zum Weihnachtsfest die PKW-Maut unter den Baum geschoben werden, damit von unseren Steuern künftig via ESM-Transfer auch rumänische Dorfdurchfahrten vierspurig asphaltiert werden?

    Sollte dem so sein, bitte ich untertänigst eins der Teerfässer am Zoll zurückzuhalten bis die Hühnerfedern in benötigter Menge eingetroffen sind...

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